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Herzmuskelentzündung: Corona-Infizierte haben höheres Risiko als Geimpfte

Herzmuskelentzündung  

Haben Infizierte oder Geimpfte das höhere Risiko?

25.01.2022, 12:11 Uhr
Herzmuskelentzündung: Corona-Infizierte haben höheres Risiko als Geimpfte. Untersuchung beim Kardiologen (Symbolbild): Die meisten Fälle von Herzmuskelentzündungen sind bei jungen Männern aufgetreten. (Quelle: Getty Images/wutwhanfoto)

Untersuchung beim Kardiologen (Symbolbild): Die meisten Fälle von Herzmuskelentzündungen sind bei jungen Männern aufgetreten. (Quelle: wutwhanfoto/Getty Images)

Die Herzmuskelentzündung des Fußballspielers Alphonso Davies hat erneut die Frage aufgeworfen: Wie gefährlich ist Covid-19 für das Herz? Und wie hoch ist das Myokarditis-Risiko nach einer Impfung?

Sowohl bei Corona-Infizierten als auch bei Geimpften sind Herzmuskelentzündungen aufgetreten. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings unterschiedlich groß. Die Experten der Deutschen Herzstiftung ordnen die aktuelle Datenlage ein.

Myokarditis nach Covid-19 oder Impfung häufiger?

Schon seit Beginn der Impfkampagne ist bekannt, dass es im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung, bei der die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna gespritzt wurden, zu Entzündungen am Herzmuskel (Myokarditis), teilweise auch am Herzbeutel (Perikarditis), kommen kann.

Doch: "Das Auftreten einer impfbedingten Myokarditis oder einer Perikarditis ist außerordentlich selten", betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Zugleich gibt er zu bedenken: "Das gesundheitliche Risiko durch eine Covid-Infektion ist – in jeder Altersklasse – sehr viel höher einzuschätzen als das Risiko einer Myokarditis/Perikarditis durch Impfung mit einem mRNA-Impfstoff."

So sei das Myokarditis-Risiko durch eine Covid-19-Erkrankung mindestens um das Vierfache höher als das einer impfbedingten Herzmuskelentzündung, wie Studien aus den USA, Großbritannien und Israel zeigen. Zudem erhöhe sich für Ungeimpfte deutlich das Risiko für andere Herzrisiken, etwa Rhythmusstörungen und Herzinfarkt, sowie für akute Nierenschäden und Lungenembolien.

Myokarditis ist eine Sammelbezeichnung für entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels. Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Formen der Herzmuskelentzündung, wobei die akute Myokarditis in eine chronische übergehen kann. Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Sie können auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

"Wir appellieren daher an alle, ganz besonders Ältere und Personen mit einem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf, sich vollständig impfen beziehungsweise ihren Impfschutz mit einem Booster auffrischen zu lassen", so der Experte.

Wie hoch wird das Risiko eingeschätzt?

Die Häufigkeit einer impfbedingten Herzmuskel- oder einer Herzbeutelentzündung durch einen mRNA-Impfstoff beträgt im Schnitt ein bis zehn Fälle pro 100.000 Impfungen. Zum Beurteilen der Risikolage liegen mittlerweile Daten aus über 300 Millionen Covid-19-Impfungen weltweit in unterschiedlichen Ländern vor.

In Deutschland sind laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bei insgesamt über 107 Millionen Impfdosen Biontech und Moderna, die bis einschließlich 30. November 2021 in Deutschland verimpft wurden, 1.554 Verdachtsfälle einer Myo-/Perikarditis – unabhängig vom ursächlichen Zusammenhang mit der jeweiligen Impfung – gemeldet worden.

Eine Gesamtmelderate für alle Altersgruppen und alle Impfungen lag nach Berechnungen für Biontech bei knapp 0,8 Verdachtsfällen pro 100.000 Impfungen bei Frauen und bei 1,5 Verdachtsfällen pro 100.000 Impfungen bei Männern. Die meisten Fälle traten nach der zweiten Impfung und bei jungen Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren auf. Studien zufolge wurden 95 Prozent der Fälle als mild beschrieben und erforderten zumeist einen kurzen Krankenhausaufenthalt.

Wie sich eine Herzmuskelentzündung bemerkbar macht

Ein einzelnes Leitsymptom einer Myokarditis gibt es nach Angaben der Deutschen Herzstiftung nicht. "Im Fall einer Covid-19-Erkrankung gehen die ersten Anzeichen einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung in den allgemeinen Infektionsbeschwerden unter und werden nicht aufs Herz bezogen", erklärt Kardiologe Meinertz.

Aufmerksam sollten Sie werden, wenn nach dem Abklingen der Infektionssymptome diese Beschwerden anhalten oder neu auftreten:

  • Atemnot bei Anstrengung
  • Herzrasen
  • Herzstolpern (Rhythmusstörungen)
  • Herzschmerzen
  • unerklärliche Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit und körperliche Schwäche

Kontaktieren Sie in diesen Fällen einen Arzt und lassen Sie die Symptome abklären. Gerade bei milden Verlaufsformen ist es oft schwierig, die Diagnose zu stellen. Für die Klärung des Verdachts setzt der Arzt an erster Stelle zunächst EKG, Röntgenbild und Echokardiographie ein.

Verwendete Quellen:
  • Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 19. Januar 2022
  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI): Sicherheitsbericht vom 23. Dezember 2021
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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