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EKG: Ablauf, Auswertung & Bedeutung


Wann ein EKG sinnvoll ist und was es über das Herz verrät

mp , Nica Trappe

Aktualisiert am 11.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Elektroden für ein EKG anlegenVergrößern des BildesDas EKG dient dazu, die Funktion des Herzens zu überprüfen. (Quelle: undefined undefined/getty-images-bilder)
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Ob bei Herzbeschwerden oder als Früherkennungsuntersuchung: Das EKG ist in der Herzdiagnostik unverzichtbar. Wir erklären, wie die Untersuchung abläuft und was das Ergebnis bedeutet.

Mit einem EKG können Ärztinnen und Ärzte die Gesundheit des Herzens überprüfen und Erkrankungen frühzeitig erkennen. Daher zählt die Elektrokardiografie zu den wichtigsten medizinischen Diagnoseverfahren für Herzerkrankungen.

Was ist ein EKG?

Die Elektrokardiografie ist eine schmerzfreie Herzuntersuchung. Dabei zeichnet ein spezielles Gerät, der Elektrokardiograf, mithilfe von Elektroden auf der Haut die elektrischen Aktivitäten im Bereich des Herzens auf. Das Ergebnis, die sogenannte Herzspannungskurve, ist das Elektrokardiogramm – abgekürzt EKG.

Bei einem regelmäßigen Herzschlag hat diese Herzspannungskurve ein typisches zacken- und wellenförmiges Muster. Ist das Herz nicht gesund, kann die Kurve im EKG entsprechende Veränderungen zeigen. Diese lassen Rückschlüsse auf die Art der ursächlichen Störung zu – etwa auf verengte Herzkranzgefäße, einen Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen.

Was wird mit einem EKG gemessen?

An verschiedenen Stellen an Brust, Armen und Beinen leiten die Elektroden des Elektrokardiografen die Spannung ab und setzen die Messungen miteinander in Verbindung. Die EKG-Spannungskurve, die sich daraus ergibt, verrät der Kardiologin oder dem Kardiologen viel über die Struktur und Funktion des untersuchten Herzens.

Der Hintergrund: Unser Herz gliedert sich in eine linke und eine rechte Hälfte, die jeweils aus einer Herzkammer (Ventrikel) und einem kleineren Vorhof (Atrium) bestehen. Über große Arterien und Venen sind diese Strukturen mit dem Blutkreislauf verbunden. Nur wenn sich die Muskelfasern all dieser Bereiche in der richtigen Intensität und Reihenfolge zusammenziehen (kontrahieren) und wieder entspannen, pumpt das Herz optimal. Um das zu koordinieren, kommt der elektrische Impuls ins Spiel.

Der Impuls entsteht im Sinusknoten, dem Taktgeber des Herzens. Dieser befindet sich in der Wand des rechten Vorhofs. Von hier aus breitet sich das elektrische Signal wellenförmig über die Herzvorhöfe aus. Damit auch die größeren Herzkammern sich zusammenziehen, muss das Signal durch den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) am Boden des rechten Vorhofs.

Der AV-Knoten verzögert die Weiterleitung kurz und bremst sie bei zu hoher Frequenz auch aus – er ist sozusagen der Türsteher zum Schutz der Herzkammern. Danach breitet sich das Signal schnell über das His-Bündel und die Kammerschenkel in alle Bereiche der Herzkammern aus. So ziehen sie sich koordiniert zusammen und pumpen das Blut kraftvoll in die Arterien.

Wann bekommt man ein EKG?

Wenn etwas mit dem Herzen nicht stimmt – etwa bei einem Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder einer Herzmuskelentzündung –, schlägt sich das auch auf die Erregungsleitung des Herzens nieder. Das lässt sich anhand eines EKGs gut feststellen. Das EKG gehört daher zu den Routineuntersuchungen bei Verdacht auf eine akute oder chronische Herzkrankheit, zum Beispiel bei:

  • Schmerzen im Brustbereich
  • unklaren Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinfarkt
  • koronarer Herzkrankheit

Auch zur Verlaufskontrolle von Herzerkrankungen oder bei der Nachsorge infolge einer Operation schreibt das medizinische Fachpersonal bei Bedarf ein EKG. Es kommt bei Bedarf grundsätzlich in jedem Lebensalter zum Einsatz, vom kleinen Baby bis zu hochbetagten Menschen.

Wie wird ein EKG durchgeführt?

Um die elektrischen Impulse des Herzens zu messen, muss man zunächst das EKG anlegen – also auf der Haut der Untersuchungsperson verschiedene Elektroden befestigen. Diese haben kleine Saugnäpfe und sind mithilfe von Kabeln mit dem EKG-Gerät verbunden. An diesen Stellen leitet das Gerät die Herzströme ab, indem es die elektrische Spannung misst und miteinander in Verbindung setzt.

Hierfür gibt es verschiedene Methoden und Kabelsysteme. Am häufigsten kommt das 12-Kanal-EKG zum Einsatz. Dabei befestigt das medizinische Fachpersonal jeweils eine Elektrode an den Arm- und Fußgelenken sowie sechs an ganz bestimmten Stellen am Brustkorb. Jede Elektrode hat eine andere Farbe und somit einen bestimmten Platz. Haare an diesen Stellen werden gegebenenfalls rasiert.

Die Untersuchung geht schnell und ist nicht schmerzhaft. Normalerweise liegt die Untersuchungsperson während der Ableitung für einige Minuten ruhig auf dem Rücken. Für ein Ruhe-EKG ist es ratsam, möglichst wenig zu sprechen. Bei besonderen Fragestellungen gibt ein Belastungs-EKG Aufschluss.

Manchmal kommt auch ein Langzeit-EKG zum Einsatz, bei dem die Betroffenen über einen längeren Zeitraum (meist 24 Stunden) die ganze Zeit ein kleines EKG-Gerät bei sich tragen. Dieses zeichnet die Herzspannungskurve elektronisch auf und speichert sie bis zur Auswertung. Das ist zum Beispiel bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern sinnvoll, die oft nicht genau während der Untersuchung auftreten.

Was bedeuten die Wellen beim EKG?

Das Ergebnis der Untersuchung druckt der Elektrokardiograf auf ein spezielles fein kariertes Papier, wo das gemessene Erregungspotenzial auf einer Zeitachse dargestellt ist. So entsteht die EKG-Kurve mit ihren charakteristischen Wellen und Zacken. Sie sind nach Einthoven mit verschiedenen Buchstaben bezeichnet (p, q, r, s, t, u).

Die erste Welle in der Kurve ist die P-Welle, welche die Kontraktion der Herzvorhöfe kennzeichnet. Die drei auffälligen Zacken in der Mitte der Kurve sind der QRS-Komplex. Hier kontrahieren die beiden großen Herzkammern und somit auch die meisten Muskelfasern in kürzester Zeit. Mit der darauffolgenden T-Welle bildet sich die Erregung wieder zurück (Repolarisation), woraufhin sich im Anschluss wieder ein neues Signal bildet. Manchmal folgt der T-Welle eine kleine U-Welle, deren Funktion Fachleute unterschiedlich deuten.

Erkennt das EKG einen Herzinfarkt?

Bei verschiedenen Herzerkrankungen ist die EKG-Kurve häufig verändert. Diese Veränderungen sind ausgesprochen vielschichtig und oft nicht eindeutig. So gehört ein EKG zwar zu den Standard-Diagnoseverfahren bei Verdacht auf einen Herzinfarkt. Jedoch fallen Infarkte oft unterschiedlich schwer aus und treten in verschiedenen Bereichen des Herzens auf; daher unterscheiden sich auch die Spuren im EKG.

Ein typisches Anzeichen in der EKG-Kurve beim Herzinfarkt wäre eine Veränderung im Bereich der sogenannten ST-Strecke, die zwischen QRS-Komplex und T-Welle liegt. Normalerweise verläuft diese Strecke horizontal auf der Grundlinie (isoelektrische Linie). Bestimmte charakteristische Hebungen in diesem Abschnitt lassen die Kardiologin oder den Kardiologen rasch an einen Infarkt denken (ST-Hebungs-Myokardinfarkt, STEMI).

Es gibt jedoch auch Herzinfarkte mit abweichenden Bildern in der EKG-Kurve (nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt, NSTEMI). Daher gehören zur Diagnostik eines Herzinfarkts neben dem EKG auch das Abfragen der genauen Symptome (Anamnese), weitere Diagnoseverfahren wie eine Überprüfung des Troponin-Werts im Blut – und ein erfahrenes ärztliches Auge.

Was wird bei einem Belastungs-EKG gemacht?

Für ein Belastungs-EKG kommt eine besondere Form der Elektrokardiografie zum Einsatz. Hierbei leitet der Echokardiograf die elektrischen Herzaktionen unter ganz bestimmten Belastungsbedingungen ab, also während einer kontrollierten körperlichen Betätigung: Die Untersuchungsperson tritt zum Beispiel auf einem Fahrradergometer in die Pedale oder bewegt sich auf einem Laufband. Zusätzlich zu den EKG-Elektroden bekommt die Person eine Blutdruckmanschette an den Oberarm, um auch Puls und Blutdruck in Echtzeit aufzuzeichnen.

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Nun stellt das untersuchende Personal auf dem Ergometer oder Laufband verschiedene Belastungsphasen ein, die sich zumeist langsam bis zur maximalen Herzfrequenz steigern und danach wieder abnehmen. Es braucht also ein wenig Anstrengung – nach circa 15 Minuten ist es aber auch geschafft und es folgt eine kurze Nachbeobachtung.

Ein Belastungs-EKG wird durchgeführt, um die Anpassung des Herzens bei erhöhtem Sauerstoffbedarf zu beobachten. Das ist zum Beispiel bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) aufschlussreich, bei der das Ruhe-EKG häufig unauffällig bleibt.

Was kann man im EKG nicht sehen?

Obwohl die Elektrokardiografie zu den wichtigsten kardiologischen Diagnoseverfahren gehört, hat die Aussagekraft des EKGs auch seine Grenzen. Bestimmte Formen von angeborenen Herzfehlern (etwa an den Herzklappen) lassen sich im EKG nicht erkennen; hier ist ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) aufschlussreicher. Auch eine Herzschwäche schlägt sich nicht immer im EKG nieder, und manche Herzrhythmusstörungen sehen mitunter einem vor Aufregung schnell klopfenden Herzen in der EKG-Kurve zum Verwechseln ähnlich.

Somit ist das EKG nur einer von mehreren Bausteinen bei der Diagnostik von Herzerkrankungen – wenn auch oft ein entscheidender.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Online-Informationen von FOKUS-EKG: EKG-Wissen für die Praxis: www.fokus-ekg.de (Abrufdatum: 17.1.2022)
  • Was passiert bei einer Elektrokardiografie (EKG)? Online-Information des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 16.1.2019)
  • Kimmer, T.: EKG-Kurve. Online-Informationen von via medici: www.thieme.de/viamedici (Stand: 28.6.2018)
  • Schäfer, C.: So diagnostizierst du einen Herzinfarkt. Online-Informationen von via medici: www.thieme.de/viamedici (Stand: 17.12.2015)
  • Cook-Cup, S.: Praktische EKG-Deutung – Einführung in die Elektrokardiografie. Thieme, Stuttart 2013
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