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"Nur das rettet uns vor dem Lockdown für alle"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 21.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Lockdown: Er würde Restaurants besonders hart treffen. (Symbolbild)
Lockdown: Er würde Restaurants besonders hart treffen. (Symbolbild) (Quelle: Maja Hitij/getty-images-bilder)
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Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter an. Doch was wäre aktuell nötig, um die vierte Welle doch noch einzudämmen? Der Essener Virologe Ulf Dittmer fordert vor allem eines.

Die Politik ist aus ihrer Corona-Schockstarre erwacht. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat dem neuen Infektionsschutzgesetz der Ampelparteien zugestimmt – inklusive 2G-, 3G- oder 2G-plus-Regeln. Doch kommen diese Maßnahmen nicht zu ohnehin zu spät? t-online hat den Essener Virologen Ulf Dittmer gefragt, was in der derzeitigen Lage besonders wichtig ist.


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t-online: Herr Dittmer, aktuell kommen wir uns vor wie in einer Zeitschleife, so, als ob wir alles, was diskutiert wird, um die vierte Welle zu brechen, schon mal gehört hätten. Trügt der Eindruck?

Ulf Dittmer: Nein, sicher nicht. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind im Grunde die gleichen. Aber wir müssen uns im Klaren sein: Ohne die Impfungen wären wir jetzt im absoluten Chaos. Wir haben es in diesem Herbst und Winter mit der Delta-Variante zu tun. Der R-Wert, also der Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, ist hier mehr als doppelt so hoch wie beim Ursprungsvirus. Hätten wir keine Impfungen, wäre die Situation in den Krankenhäusern nicht mehr beherrschbar.

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Aktuell wird diskutiert, ob es sich um eine "Pandemie der Ungeimpften" handelt oder inwiefern auch die Geimpften zum Infektionsgeschehen beitragen. Welche Rolle spielen die Geimpften?

Erst mal, die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche ist sehr gering. Bei 56 Millionen doppelt Geimpften kam es bis jetzt zu gerade einmal nachgewiesenen 175.000 Fällen, bei denen vollständig Geimpfte dennoch Symptome zeigten – 0,3 Prozent. Nicht hineingerechnet sind natürlich diejenigen, die asymptomatische Infektionen durchmachen. Diese Menschen lassen sich in der Regel nicht testen, denn sie wissen von ihrer Infektion nichts. Und auch viele Geimpfte, die Erkältungssymptome zeigen, lassen sich oft nicht testen, weil sie denken: Ich bin ja geimpft, kann ja nicht Corona sein.

Das heißt die Dunkelziffer dieser Impfdurchbrüche ist höher?

Ja, auf jeden Fall, aber wir kennen sie nicht. Klar ist: Auch Geimpfte tragen zum Infektionsgeschehen bei. Das ist aus epidemiologischer Sicht wichtig, aber aus medizinischer zu vernachlässigen. Denn diese Menschen erkranken in der Regel nicht schwer. Hätten wir alle in Deutschland durchgeimpft, würde die Zahl der Impfdurchbrüche die Krankenhäuser niemals an ihre Grenzen bringen.

(Quelle: Privat)


Ulf Dittmer arbeitet im Universitätsklinikum Essen (AöR) im Institut für Virologie. Er warnte schon im September vor einer Überbelastung der Intensivstationen.

Aus epidemiologischer Sicht muss man aber sagen: Geimpfte, die sich infizieren, können im Verlauf der Infektionskette natürlich auch irgendwann die Infektion an einen Ungeimpften weitergeben.

Ja, aber klar ist: Das medizinische Problem bleiben die Ungeimpften. Mit dieser Impfquote können wir die Pandemie nicht beenden.

Was wäre aktuell nötig, außer natürlich die Impfbereitschaft anzukurbeln, um die vierte Welle einzudämmen? Durchbrechen werden wir sie ohne zusätzliche Maßnahmen ja nicht?

Nein, selbst wenn wir jetzt von heute auf morgen die Quote der Erstimpfungen hochtreiben. Bis der Immunschutz aufgebaut wird, dauert es zu lange, um hier akut eine Veränderung herbeizuführen. Daher müssen andere Maßnahmen, wie 2G-Regeln dazukommen. Jeder, der sich jetzt erst Gedanken macht, sich impfen zu lassen, kommt zur Eindämmung der vierten Welle zu spät. Für das Frühjahr machen aber diese Impfungen durchaus noch einen Unterschied. Aber: Wir brauchen jetzt dringend die Booster-Impfung.

Wir alle?

Perspektivisch brauchen wir die alle. Denn klar ist: Der Impfzyklus ist ohne eine Auffrischimpfung nicht abgeschlossen. Das zeigen alle Daten. Die zweite Impfung reicht nicht aus, das zeigen die empirischen Erhebungen. Das ist aber auch bei anderen Viren und Impfstoffen nicht unüblich. Bei den bekannten Totimpfstoffen muss bei vielen Viren mehr als zweimal geimpft werden.

Also wir alle brauchen den dritten Piks. Wann?

Zuerst brauchen den Booster die Älteren. Hier ist deutlich zu erkennen, dass ihre Antikörperkonzentration besonders schnell nachlässt. Die Stiko gibt aktuell eine Empfehlung für die über 70-Jährigen, die über 60-Jährigen sind hier aber bereits in der Warteschlange. (Anm. d. Red.: Mittlerweile empfiehlt die Stiko auch die Booster-Impfung für alle ab 18 Jahren) Und das ist auch nötig und richtig, das zeigen alle Daten aus Israel. Hier sehen wir aber auch: Die dritte Impfung für alle kann das Infektionsgeschehen massiv bremsen. Die Zahlen sind hier dramatisch runtergegangen. Übrigens auch in puncto Impfdurchbrüche und das auch unter der Delta-Variante.

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Aber die Älteren kommen zuerst dran?

Ja, man sollte aber eben die Älteren priorisieren. Sie waren die ersten, die den ersten Impfzyklus abgeschlossen haben und sollten jetzt sechs Monate danach zügig aufgefrischt werden. Ihr Immunsystem arbeitet häufig auch weniger gut und langsamer. Aber die Gesundheitsminister sprechen sich ja auch bereits für die Impfung für alle aus. Nun muss man schauen, wie man das managt. Aktuell haben viele Arztpraxen ja offenbar gar keine Kapazitäten dafür.

Wie effektiv ist die dritte Impfung?

Enorm, bei den Geboosterten sehen wir im Durchschnitt zehn Mal höhere Antikörpertiter als bei den zweifach Geimpften. Wenn die dritte Impfung jetzt angeschoben wird und eine Kampagne dafür viele Menschen erreicht, rettet uns diese vor einem drohenden Lockdown für alle.

Uns alle zum dritten Mal durchzuimpfen werden die Hausärzte aber wohl nicht schaffen. Also brauchen wir wieder die Impfzentren?

Ja, da werden wir nicht drumherum kommen. Die Lösung könnten kleinere dezentrale Impfstellen sein.

Kann uns 2G jetzt vorübergehend weiterhelfen?

Mit konsequenten Kontrollen schon. In Frankreich muss jeder jederzeit sein Impfzertifikat vorzeigen, egal, ob er sich in öffentlichen Innenräumen bewegt oder draußen an einer Veranstaltung vorbeigeht und stehen bleibt. Das Zertifikat wird jederzeit gescannt. Diesen Hebel müssen wir ziehen. Wir haben in Deutschland in dieser Hinsicht ein Kontrollproblem.

Wie stehen Sie zu einer Impfpflicht für medizinisches und Pflegepersonal?

Die ist nötig. Wer mit Menschen umgeht, die zum Beispiel schwer oder kaum auf die Impfungen ansprechen, muss geimpft sein.

Brauchen wir auch für die anderen Berufsgruppen eine Auskunftspflicht bezüglich des Impfstatus?

Das muss in jedem Fall diskutiert werden. Denn eins ist klar: Infektionen am Arbeitsplatz sind sehr häufig. Die Aussagen, die im vergangenen Jahr auch aus der Wirtschaft zur Sicherheit am Arbeitsplatz gemacht wurden, waren erwiesenermaßen falsch.

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Warum sehen wir aktuell zunehmend Jüngere, die schwer erkranken?

Zum einen, weil in dieser Gruppe die Impfquote relativ niedrig ist. Zum anderen haben diese Menschen häufig viele Kontakte. Unter der ansteckenden Delta-Variante kommt es da sehr schnell zu einer Infektion. Und: Je höher die Virusdosis, die man sich bei der Infektion einfängt, desto größer ist die Gefahr eines schweren Verlaufes.

Wie stehen Sie zu Eltern, die bei der Impfung ihrer Kinder zögern?

Das kann ich nachvollziehen. Kinder erkranken in der Regel nicht schwer an Covid-19. Wir haben in der ganzen Pandemie fünf schwer kranke Kinder bei uns im UK Essen gesehen. Klar ist aber: Kinder tragen zur Virusausbreitung bei, vor allem jetzt unter Delta. Aus epidemiologischer Sicht ist daher die Kinderimpfung wichtig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Herr Dittmer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
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