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"Damit wird das t├Ągliche Leiden und Sterben weitergehen"

Von Christiane Braunsdorf

23.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Corona-Behandlung auf der Intensivstation: Was bewirkt das neue Infektionsschutzgesetz?
Corona-Behandlung auf der Intensivstation: Was bewirkt das neue Infektionsschutzgesetz? (Quelle: picture alliance/dpa | Boris Roessler/dpa-bilder)
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Der "Freedom Day" wurde verschoben: Nun sollen am 2. April die meisten Corona-Ma├čnahmen fallen. Eine riskante Strategie oder der richtige Schritt? Ein Patientensch├╝tzer schl├Ągt Alarm.

Das neue Anti-Corona-Konzept der Regierung st├Â├čt auf viel Kritik. Im Kern sieht das sogenannte Zwei-S├Ąulen-Modell vor, dass die vulnerablen Gruppen weiter mit Masken und Tests g"esch├╝tzt werden sollen.


Omikron-Symptome: Das sind die ersten Anzeichen

M├╝digkeit: Omikron-Infizierte berichten auch ├╝ber Ersch├Âpfung und starke M├╝digkeit.
Halskratzen: Zu den h├Ąufigsten Omikron-Symptomen geh├Âren auch Halsschmerzen.
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Und: Bei Hotspot-Ausbr├╝chen stehen den L├Ąndern weitergehende Ma├čnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsgebote, Hygienekonzepte und Regelungen wie 2G und 3G zur Verf├╝gung. Reicht das aus? Und f├╝r wen kann die Strategie doch gef├Ąhrlich werden? t-online sprach mit dem Patientensch├╝tzer Eugen Brysch.

t-online: Herr Brysch, wie blicken Sie auf den zun├Ąchst verschobenen Tag, an dem die Corona-Ma├čnahmen aufgehoben werden?

Eugen Brysch: Die Regierungskoalition setzt da alles auf eine Karte. Zwar haben die Bundesl├Ąnder Aufschub bis zum 2. April, doch die Corona-Lage bleibt besorgniserregend. Denn die verf├╝gbaren Impfstoffe bieten sicherlich noch einen Eigenschutz, doch die Ausbreitung l├Ąsst sich damit nicht verhindern. Damit wird das t├Ągliche Leiden und Sterben weitergehen.

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Also war die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes ein Fehler?

Ja, damit wird sich das Infektionsgeschehen nicht abbremsen lassen. Die FDP als kleinster Koalitionspartner hat den Deal durchgesetzt. Das Kompensationsgesch├Ąft f├╝r SPD und Gr├╝ne kennen wir nicht. Jedoch sind die Argumente der Liberalen haneb├╝chen.

Denn der Vergleich mit den Nachbarl├Ąndern hinkt. Sonst m├╝sste man bei der Wirtschafts-, Sozial- und Energiepolitik ├Ąhnlich argumentieren. Auch die vielen Corona-Toten in den Nachbarl├Ąndern k├Ânnen nicht ├╝berzeugen.

Nun kann man ein Land aber auch nicht dauerhaft im Lockdown verharren lassen.

Das ist auch gar nicht notwendig. Denn es geht nicht darum, alles zu tun, sondern das Richtige zu tun. Wir m├╝ssen lernen, mit dem Virus zu leben. Das bedeutet, in erster Linie diejenigen zu sch├╝tzen, deren Leib und Leben vom Virus am st├Ąrksten bedroht sind. Doch dazu sind wir nicht in der Lage. Daf├╝r m├╝ssen nicht Betriebe, Schulen, Restaurants oder Theater geschlossen werden.

Eugen Brysch
Eugen Brysch (Quelle: Deutsche Stiftung Patientenschutz)


Eugen Brysch ist der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Sie vertritt die Interessen von schwerstkranken, pflegebed├╝rftigen und sterbenden Menschen.

Was m├╝sste stattdessen getan werden?

Immer wieder kommt es zu Infektionsausbr├╝chen in Pflegeheimen. Hier leben Menschen, die auf unsere F├╝rsorge angewiesen sind. Mit den sogenannten Basisschutzma├čnahmen wird sich die Situation in diesen Einrichtungen aber nicht verbessern.

Die Ver├Ąnderung der allgemeinen Teststrategie zum Beispiel sorgt nur daf├╝r, dass immer weniger PCR-Tests durchgef├╝hrt werden. Und sich allein auf Schnelltests zu verlassen, ist fatal. Au├čerdem gibt es immer noch keine Konzepte, wie Infektionsketten in der station├Ąren Altenpflege wirksam unterbrochen werden k├Ânnen.

Was w├Ąre dazu n├Âtig?

Wir fordern seit zwei Jahren etwa lokale Ausweichquartiere dort zu schaffen, wo Ausbr├╝che stattfinden. So kann eine wirksame Isolierung der Infizierten sichergestellt und damit die Infektionskette unterbrochen werden. Auch fehlt die M├Âglichkeit, dass externes medizinisch-pflegerisches Personal die betroffene Einrichtung unterst├╝tzt. Damit das Virus gar nicht erst in die Einrichtungen kommt, ist ein t├Ągliches Testregime in der Alten- und Krankenpflege notwendig.

Ebenso m├╝ssen Pflegebed├╝rftige, Chronisch- und Schwerstkranke sowie ihre Angeh├Ârigen das Recht erhalten, jederzeit auch symptomlos einen PCR-Test zu machen. Bund und L├Ąnder geben Hunderte von Milliarden in der Corona-Pandemie aus. Dabei w├Ąre es wichtiger, sich genau auf Hochbetagte, Pflegebed├╝rftige und Schwerstkranke zu konzentrieren und f├╝r sie endlich wirksame Ma├čnahmen zu beschlie├čen.

Nun gilt seit Mitte des Monats eine Impfpflicht f├╝r das Pflegepersonal. Das beruhigt Sie nicht?

Nein, wie gesagt: Die aktuellen Impfstoffe stellen keinen ausreichenden Infektionsschutz gegen die dominierenden Omikron-Varianten dar. Ebenso erzeugen sie keine sterile Immunit├Ąt. Das Virus wird auch von Geimpften weitergegeben ÔÇô an diejenigen, denen Corona wirklich gef├Ąhrlich werden kann.

Hier wird etwas als sichere L├Âsung verkauft, was so nicht gegeben ist. Dar├╝ber hinaus ist zu bedenken, dass es hier nicht nur um Alte geht. Es gibt Kinder und Jugendliche, die auf Pflege angewiesen sind. Auch ihnen bietet das neue Konzept kaum mehr Schutz. Davon betroffen sind etwa vier Millionen Menschen in Deutschland.

Was kritisieren Sie noch an der neuen Corona-Strategie der Regierung?

Die sogenannte Hotspot-Regelung etwa wird vor keinem Gericht standhalten. So viel ist sicher. Denn nirgendwo ist erkl├Ąrt, welche Kriterien ein Hotspot erf├╝llen muss.

Abgesehen davon ist mehr als fraglich, ob die Ermittlung eines Hotspots ├╝berhaupt m├Âglich ist. Schlie├člich werden immer weniger PCR-Tests durchgef├╝hrt und eine Vielzahl der erh├Ąltlichen Schnelltests sind qualitativ unzureichend.

Ebenso gibt es f├╝r die Krankenh├Ąuser immer noch keine verl├Ąssliche und aktuelle Datenlage. Unbekannt bleibt, wie viele der Klinikbetten nicht belegt werden k├Ânnen, weil beispielsweise Mitarbeiter erkrankt sind. Aber genau das wird gebraucht, um den Hotspot zu begr├╝nden.

Was ist da in der Regierung passiert, dass dieses Konzept dabei rausgekommen ist?

SPD und Gr├╝ne haben sich auf einen Kompromiss mit der FDP eingelassen. Aber eine Pandemie ist nicht der richtige Zeitpunkt f├╝r faule Kompromisse. Die neue Strategie ist im Grunde ein Offenbarungseid der Regierung. Hier geht es nicht mehr um Wissenschaft, sondern nur um Ideologie. So l├Ąsst sich das Corona-Virus nicht stoppen.

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Herr Brysch, wir danken Ihnen f├╝r das Gespr├Ąch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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