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Wespenstich: Was bei einer Allergie zu tun ist


Mitunter lebensbedrohlich
Achtung, Wespenstich – was bei einer Allergie zu tun ist

Von Wiebke Posmyk

Aktualisiert am 01.08.2022Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

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Wespe auf einem Tisch.Vergrößern des Bildes
Wer auf einen Wespenstich mit Symptomen einer Allergie reagiert, sollte auch beim Kontakt mit Hornissen vorsichtig sein. (Quelle: nedomacki/getty-images-bilder)

Eine Allergie gegen Wespengift kann lebensbedrohlich sein. Erfahren Sie, welche Symptome typisch sind und wie Sie nach einem Wespenstich reagieren sollten.

Auch für Nicht-Allergikerinnen und -Allergiker ist ein Wespenstich unangenehm: Schmerzen, Juckreiz oder auch eine kurzfristige Schwellung an der Einstichstelle zählen zu typischen Beschwerden. Reagiert eine Person mit einer Allergie auf das Wespengift, können jedoch weitaus stärkere Beschwerden die Folge sein – bis hin zum allergischen Schock. Jedes Jahr sterben rund 20 Personen nachweislich durch eine allergische Reaktion nach einem Wespen-, Bienen- oder Hornissenstich.

Bei einer Wespengiftallergie ("Wespenstichallergie") reagiert das Immunsystem unangemessen stark auf bestimmte Eiweißbestandteile im Wespengift. Beim allerersten Wespenstich tritt noch keine allergische Reaktion auf. Erst wenn das Immunsystem wiederholt mit dem Gift in Kontakt kommt, kann eine Allergie entstehen.

In manchen Fällen werden die Beschwerden nach jedem weiteren Wespenstich stärker. Auch kann eine Person schon oft gestochen worden sein, ohne allergische Symptome zu bemerken, und erst im Laufe der Zeit eine Allergie entwickeln.

Menschen mit Wespengiftallergie haben ein erhöhtes Risiko, auch auf Hornissengift allergisch zu reagieren. Da Hornissen eng mit Wespen verwandt sind, kann schon der erste Hornissenstich zu einer allergischen Reaktion führen, wenn die Person schon einmal von einer Wespe gestochen wurde.

Allergie nach Wespenstich: Welche Symptome treten auf?

Die Symptome der Allergie treten in der Regel innerhalb weniger Minuten nach dem Wespenstich auf. Seltener zeigt sich die allergische Reaktion erst später: Dann vergehen einige Stunden, bis die Person Beschwerden bemerkt.

Viele Menschen bemerken lediglich eine verstärkte Immunreaktion an der Einstichstelle. Bei anderen treten am ganzen Körper Beschwerden auf. Im schlimmsten Fall droht ein allergischer Schock.

Verstärkte Lokalreaktion: Wenn der Wespenstich stark anschwillt

In vielen Fällen beschränken sich die Beschwerden auf den Bereich um die Einstichstelle herum. Fachleute sprechen von einer verstärkten Lokalreaktion.

Die Region um den Wespenstich ist dann stärker geschwollen als üblich:

  • Sie hat einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, brennt und schmerzt.
  • Die Schwellung hält länger als 24 Stunden an, während sie sich bei Nicht-Allergikerinnen und -Allergikern meist schon nach wenigen Stunden langsam zurückbildet.
  • Manche Betroffene entwickeln zudem milde Begleitsymptome wie Frösteln oder ein Krankheitsgefühl. Die umgebenden Lymphgefäße können entzündet sein.

Eine verstärkte Lokalreaktion ist sehr unangenehm, in der Regel aber nicht gefährlich. Manche Fachleute sprechen erst von einer "echten" Wespengiftallergie, wenn die Symptome den ganzen Körper betreffen.

Allergische Reaktion nach Wespenstich: Wenn der ganze Körper betroffen ist

Sind die Symptome nicht nur auf die Einstichstelle beschränkt, handelt es sich um eine sogenannte allergische oder anaphylaktische Reaktion.

Diese kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein – in schweren Fällen ist sie lebensbedrohlich. Zu möglichen Symptomen einer anaphylaktischen Reaktion nach einem Wespenstich zählen:

  • Hautausschlag mit Quaddelbildung (Nesselsucht)
  • Schwellungen im Gesicht oder an den Händen
  • Juckreiz oder Brennen, etwa an Händen und Füßen
  • Hautrötung
  • Schwindel
  • Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Probleme
  • Juckreiz/Kratzen in Rachen und Hals, Atemnot
  • Schwächegefühl
  • Angstgefühl

Die schwerste allergische Reaktion ist der anaphylaktische Schock. Dieser ist lebensbedrohlich und kann zum Organversagen mit Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Mögliche Anzeichen sind Atemnot, starker Blutdruckabfall, Herzrasen und Bewusstlosigkeit. Ein anaphylaktischer Schock entwickelt sich meist Sekunden bis wenige Minuten nach einem Wespenstich.

Auf Wespenstiche vorbereitet sein: Das Notfallset

Wer nachweislich allergisch auf Wespenstiche reagiert, kann von der Ärztin oder dem Arzt ein Notfallset bekommen. Dieses sollten Betroffene bei sich tragen, um bei einem Wespenstich sofort reagieren zu können. Das Notfallset enthält in der Regel

  • eine Fertigspritze mit Adrenalin,
  • ein Kortisonpräparat (flüssig oder in Tablettenform) sowie
  • eine Antiallergikum (flüssig oder in Tablettenform).

Für Personen, die unter Asthma leiden oder nach einem Wespenstich bereits Atemprobleme hatten, kann zusätzlich ein Asthmaspray enthalten sein.

Die Ärztin oder der Arzt wird im Vorfeld genau erklären, wie und wann das Notfallset genutzt werden sollte. Darüber hinaus gibt es Schulungen, in denen Menschen mit Insektengiftallergie lernen, wie sie sich nach einem Stich verhalten sollten.

Wichtig ist auch, das Allergikerinnen und Allergiker einen Allergiepass mit sich tragen. Dieser wird von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgestellt.

Allergie nach Wespenstich: Was tun?

Hat die Wespe zugestochen und eine Allergie ist bekannt, heißt es, Ruhe zu bewahren – und dennoch zügig zu handeln.

Betreffen die allergischen Beschwerden nur den Bereich um die Einstichstelle, können Betroffene ein Antihistaminikum einnehmen. Wiederholtes Kühlen ist hilfreich, etwa mit einem feucht-kühlen Umschlag, der 20 Minuten auf der Einstichstelle verbleibt. Auch ein Kortisonpräparat kann Linderung verschaffen. Der entzündungshemmende Wirkstoff wird als Creme oder Gel auf den Stich aufgetragen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, ärztlichen Rat zu suchen.

Achtung: Hat die Wespe in Kopf oder Hals gestochen, können die Atemwege zuschwellen – mitunter auch mit zeitlicher Verzögerung. Daher sollten Betroffene und umstehende Personen verstärkt auf entsprechende Symptome achten und im Zweifel sofort den Rettungsdienst rufen.

Bei stärkerer Reaktion den Notarzt verständigen

Bei Symptomen, die den ganzen Körper betreffen, sollten Betroffene oder umgebende Personen umgehend den Rettungsdienst (112) rufen.

Falls vorhanden, sollte zügig das Notfallset genutzt werden. Sind die Beschwerden leicht ausgeprägt und bestehen keine Atemnot oder Kreislaufbeschwerden, kann es reichen, das Antiallergikum einzunehmen. Bei starker Schwellung oder Rötung der Einstichstelle sollten Betroffene gegebenenfalls zusätzlich das Kortisonpräparat einnehmen.

In schweren Fällen leidet die oder der Betroffene nach einem Wespenstich unter Atemnot, Kreislaufbeschwerden, Übelkeit und/oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum. Dann sollte unverzüglich die Adrenalinspritze zum Einsatz kommen. Wichtig dabei: Der Inhalt des Autoinjektors ist eine zähe Flüssigkeit – um den gesamten Inhalt in den Muskel des Oberschenkels zu spritzen, muss dieser daher zehn Sekunden lang in Position gehalten werden.

Unabhängig vom Notfallset gilt für Ersthelferinnen und Ersthelfer:

  • Bei Atemproblemen sollte die betroffene Person möglichst sitzen, zudem sollte enge Kleidung gelockert werden.
  • Sind hingegen Anzeichen eines Kreislaufschocks vorhanden, sollte die Person liegen, wobei die Beine hoch gelagert werden.
  • Ist die Person bewusstlos, muss sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Die Ersthelferin oder der Ersthelferin muss regelmäßig prüfen, ob die Person noch atmet.
  • Ist keine Atmung mehr erkennbar, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.

Wespengiftallergie mit Hyposensibilisierung behandeln

Eine Wespengiftallergie lässt sich langfristig mit einer Hyposensibilisierung in den Griff bekommen. Bei dieser Immuntherapie wird das Immunsystem gezielt mit kleinsten Mengen des Wespengiftes konfrontiert, um es daran zu gewöhnen. Dadurch lässt sich eine allergische Reaktion abmildern oder verhindern.

Bei der Hyposensibilisierung spritzt die Ärztin oder der Arzt eine allergenhaltige Lösung in den Oberarm. Nach der Behandlung können allergische Beschwerden auftreten. Sehr selten sind diese schwer ausgeprägt. Zur Sicherheit ist es daher notwendig, nach der Behandlung noch mindestens eine halbe Stunde in der Arztpraxis zu bleiben.

Eine Hyposensibilisierung ist langwierig und dauert etwa drei bis fünf Jahre. Meist ist zunächst eine Behandlung pro Woche erforderlich, im weiteren Verlauf werden die Abstände größer.

Die Hyposensibilisierung kommt bei einer Wespengiftallergie nur dann infrage, wenn die Allergie durch entsprechende Tests eindeutig nachgewiesen werden konnte.

Die Wirkung der Hyposensibilisierung kann mit den Jahren abnehmen. Wie gut und lange eine Person nach der Hyposensibilisierung geschützt ist, ist unterschiedlich. In den Jahren nach der Therapie bietet sie aber einen hohen Schutz vor schweren allergischen Reaktionen durch einen Wespenstich (und andere Insektengifte).

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • "Allergische Erkrankungen". Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Stand: 19.7.2022)
  • "Insektengiftallergie". Online-Informationen des öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs: www.gesundheit.gv.at (Stand: 30.6.2022)
  • "Insektengiftallergie". Online-Informationen des Helmholtz Zentrums München: www.allergieinformationsdienst.de (Stand: 1.8.2021)
  • "Insektengiftallergie". Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 8.4.2020)
  • Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2018
  • "Insektengiftallergie". Online-Informationen der European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF): www.ecarf.org (Stand: Juli 2016)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: "Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie". AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 061/020 (1. März 2011)
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