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"Das ist Lauterbachs nächste Pleite"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 04.08.2022Lesedauer: 4 Min.
Justizminister Marco Buschmann (FDP) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): Experte Kristan Schneider kritisiert das neue Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung.
Justizminister Marco Buschmann (FDP) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): Experte Kristan Schneider kritisiert das neue Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)
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Das Konzept der Regierung für den Corona-Herbst steht. Ein Experte äußert daran harte Kritik – und warnt: Im Herbst könnte uns eine Katastrophe erwarten.

Monatelang wurde verhandelt, gestern stellten Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) das neue Infektionsschutzgesetz für die Herbst- und Wintermonate vor.


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Kernpunkt: ein dreistufiges Modell mit Regelungen, die der Bund und die Länder verhängen können. Darin unter anderem: die Rückkehr der Maskenpflicht, Abstandsregelungen, Testpflicht in Schulen und Zugang zu bestimmten Einrichtungen (Restaurants, Kino und andere) mit negativem Test, Impf- oder Genesenennachweis. Das vollständige Konzept lesen Sie hier.

Unklar bleibt jedoch, wann welche Maßnahmen greifen sollen. Reicht das als Rüstzeug für eine mögliche neue Corona-Welle im Herbst? Der Mathematiker Kristan Schneider, der die Pandemie modelliert, sieht das Konzept äußerst kritisch. Im Gespräch mit t-online erklärt er, warum wir auf die nächste Welle schlecht vorbereitet sind – und weshalb er die Pläne als ein 9:0 für die FDP betrachtet.

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t-online: Herr Schneider, was halten Sie von dem Konzept der Regierung?

Kristan Schneider: Kurz gesagt: Ich halte es für heiße Luft. Das fängt an bei der unsinnigen Trennung zwischen den Maßnahmen, die der Bund verhängen kann – genau zwei – und denen, die die Länder beschließen können.

Abgesehen von der Unschärfe der Maßnahmen geht das Schwarze-Peter-Spiel zwischen Bund und Ländern in die nächste Runde. Es wird ein Flickenteppich entstehen, der für den Bürger nicht mehr nachvollziehbar ist. Die Hotspotregeln im Frühjahr waren schon völlig verwirrend, jetzt versucht man nach dem Motto "zweimal falsch ergibt einmal richtig" zu handeln.

Was fehlt Ihnen in dem Konzept?

Eine klare Teststrategie, denn nur mit Tests können wir einen Überblick über das Infektionsgeschehen gewinnen. Außerdem fehlt ganz klar, wann welche Maßnahmen greifen sollen, also ein inzidenzbasierter Automatismus, der einheitlich für alle Länder gilt.

Wie könnte solch ein Automatismus aussehen?

Etwa so: Bei einer Inzidenz von zum Beispiel 600, bei einer bestimmten Bettenauslastung in den Krankenhäusern oder einer bestimmten Anzahl an Krankenständen greift diese und jene Maßnahme. Wenn etwa schon klar wird, dass die kritische Infrastruktur gefährdet sein könnte, ist es meist schon zu spät.

Was ist mit den Schulen?

Es fehlt ein Plan B für die Schulen. Schulschließungen wurden ausgeschlossen, was aber, wenn sich dort massenweise Schüler oder Lehrer infizieren? Welchen Notfallplan außer einer Maskenpflicht gibt es dann?

Kristan Schneider
Kristan Schneider (Quelle: Helmut Hammer)


Kristan Schneider ist Mathematikprofessor an der Hochschule Mittweida, Sachsen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Modellierung epidemiologischer Prozesse.

Also sind wir schlecht gerüstet für den Herbst?

Ja, mit diesem Konzept sind wir sehr schlecht gerüstet. Mir kommt es vor, als wäre man hier schon unter den kleinsten gemeinsamen Nenner von Herrn Buschmann und Herrn Lauterbach gegangen. Es ist mir unverständlich, wie man dieses Papier als Gesundheitsminister als Erfolg verkaufen kann.

Die FDP scheint das Beste für ihre eigenen Interessensgruppen herausgeholt zu haben. Aber das ewige Blockieren, Zögern zum falschen Zeitpunkt und Sparen am falschen Platz kann für uns alle noch sehr teuer werden. Das Konzept ist jedenfalls Lauterbachs nächste Pleite. Es ist ein 9:0 für Marco Buschmann und die FDP.

Nun scheint die Regierung nach dem Motto vorzugehen: Wir lassen das Virus in den Sommermonaten schon mal durchlaufen, forcieren also die Durchseuchung. Und dann ist die Immunität in der Bevölkerung im Herbst vielleicht besser.

Das ist ein Trugschluss. Es ist bekannt, dass der Immunschutz nach Impfung und Infektion abnimmt. Wir würden dann eigentlich nur in eine neue Runde der Durchseuchung gehen mit steigenden Zahlen. Durchseuchung, die nur neue Varianten, aber keinen bleibenden Schutz hervorbringt, ist daher in meinen Augen keine Option. Denn wir würden sie immer wieder in Wellen sehen. Und in allen Wellen trifft sie dann auch immer Teile der vulnerablen Gruppen. Das würde durch die schiere Masse an Infektionen passieren.

Wir erinnern uns alle an die Schreckensnachrichten aus den Alten- und Pflegeheimen. Das kann uns wieder erwarten?

Ja, denn bei einem sehr hohen Infektionsgeschehen können Sie auch diese Orte nicht mehr zuverlässig schützen. Auch nicht mit täglichen Tests. Das ist alles nicht zuverlässig genug.

Und die Impfungen?

Über vier Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig zu Hause oder im Heim. Risikogruppen sind durch die Impfung zwar gut geschützt, aber die Impfung ist nicht perfekt. Funktioniert die Impfung nur bei 80 Prozent, sind bei hohen Infektionszahlen über 800.000 Menschen akut gefährdet. Wenn dann noch neue Varianten auftreten, vor denen die Impfung nicht gut schützt, dann würde uns im Herbst eine Katastrophe erwarten.

Und was auch gern vernachlässigt wird, sind die möglichen Folgen einer Corona-Infektion …

Ja, jede Infektion, die verhindert wird, senkt auch das Risiko für Long Covid. Das ist eine Erkrankung, die wir immer noch nicht richtig verstehen und die wir bislang auch nicht anders als symptomorientiert behandeln können. Wir können sie nicht heilen. Daher wäre es wichtig, so wenig Infektionen wie möglich zuzulassen, die Übertragungsmöglichkeiten zu minimieren. Das sehe ich nicht im Regierungskonzept. Mit dieser Art von Rumeierei kommen wir nicht vernünftig durch den Herbst.

Herr Schneider, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
BundesregierungFDPKarl LauterbachSPD
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