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Nierensteine natürlich auflösen mit Hausmitteln – geht das?


Hausmittel zur Behandlung
Nierensteine selbst entfernen – geht das?


Aktualisiert am 18.04.2024Lesedauer: 3 Min.
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

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Eine Frau schaut aus dem Fenster und trinkt Tee.Vergrößern des Bildes
Viel trinken ist bei Nierensteinen wichtig – idealerweise Wasser oder ungesüßten Tee. (Quelle: Jasmina007/getty-images-bilder)

Nierensteine gehen oftmals von selbst ab – auch ohne ärztliches Zutun. Hier erfahren Sie, wann das möglich ist und ob Hausmittel dabei helfen können.

Der Urin setzt sich aus verschiedenen Stoffen zusammen. Einige davon können fest werden und sich zu Steinen zusammenlagern, die die Harnwege blockieren – sogenannte Harnsteine. Befinden sich diese Steine in einer Niere oder beiden Nieren, werden sie Nierensteine genannt. Nierensteine bereiten meist erst Beschwerden, wenn sie in den Harnleiter rutschen und den Harnfluss blockieren. Dann ist auch von Harnleitersteinen die Rede.

Die Schmerzen, die Harnsteine verursachen können, sind typischerweise stark und krampfartig. Daher ist mitunter von Nierenkoliken die Rede. Damit sie nachlassen und der Harn wieder ungehindert abfließen kann, müssen die Steine raus.

Allerdings ist hierzu nicht zwangsläufig ein medizinischer Eingriff notwendig. Studien zeigen, dass gerade kleinere Steine fast immer von selbst mit dem Urin ausgespült werden:

  • Steine mit einem Durchmesser von höchstens vier Millimetern gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 95 Prozent innerhalb von 40 Tagen ab.
  • Bis zu fünf Millimeter große Steine werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent von selbst ausgespült.
  • Für Steine mit einem Durchmesser zwischen fünf und zehn Millimetern beträgt die Chance für einen Spontanabgang noch etwa 47 Prozent.

Ausgehend von diesen Werten sind Fachleute zu der Übereinkunft gekommen, dass ein medizinischer Eingriff erst ab einer Steingröße von sieben Millimetern notwendig ist.

Bei kleineren Steinen können Ärztinnen und Ärzte zunächst zu einer abwartenden Behandlung raten. Diese sieht hauptsächlich unterstützende Maßnahmen vor. Beispielsweise erhalten die Betroffenen Arzneien gegen die Schmerzen und manchmal auch Mittel, die die Ausscheidung erleichtern können. Der Fachbegriff für die medikamentöse Auflösung von Harnsteinen ist Chemolitholyse. Außerdem kann Wärme kurzfristig gegen die Beschwerden helfen.

Dennoch sind die Tage oder Wochen bis zum Steinabgang in vielen Fällen strapaziös. Daher kommt bei Erkrankten oftmals der Wunsch auf, selbst etwas tun zu können, um die Nierensteine (beziehungsweise Harnleitersteine) schneller loszuwerden und der Warterei ein zeitnahes Ende zu bereiten.

Was können Betroffene selbst tun?

Ärztinnen und Ärzte geben meist nur einen Rat: viel trinken. Als optimal gilt eine Trinkmenge von mindestens zweieinhalb Litern, sofern keine andere Erkrankung gegen eine so hohe Trinkmenge spricht.

Diese Empfehlung dient jedoch in erster Linie der Vorbeugung neuer Nierensteine. Je mehr Wasser der Harn enthält, umso besser können sich potenziell steinbildende Stoffe in ihm lösen. Ob bestehende Nierensteine schneller abgehen, wenn Betroffene mehr trinken, ist noch nicht geklärt.

Nierensteine selbst entfernen mit Hausmitteln – geht das wirklich?

Ratgeberseiten im Internet warten neben Trinken mit zahlreichen Tipps auf, die angeblich dabei helfen, Nierensteine loszuwerden. Empfohlen werden unter anderem Apfelessig, Säfte aus Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen, Olivenöl, Ingwer und Knoblauch.

Der Versuch, Nierensteine mithilfe dieser Hausmittel selbst zu entfernen, ist aber nicht aussichtsreich. Zur Wirkung von Olivenöl, Apfelessig, Ingwer und Knoblauch bei Nierensteinen existieren bislang keine ernstzunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ob sie den Steinabgang fördern, ist somit fraglich.

Für Zitrussäfte gibt es immerhin eine plausible Annahme dafür, dass sie sich für die Behandlung von Nierensteinen eignen können. Denn Zitrussäfte können den pH-Wert des Harns erhöhen, diesen also weniger sauer machen. Theoretisch könnten sie so zumindest den Arten von Nierensteinen entgegenwirken, die sich in saurer Umgebung bilden. Dazu gehören Harnsäuresteine sowie Steine, die aus Kalzium und Oxalat bestehen, dem Salz der Oxalsäure.

Harnsäuresteine können sich sogar auflösen, wenn es gelingt, den Säuregrad des Harns deutlich zu verringern. Dafür muss der pH-Wert allerdings auf mindestens 7 bis 7,2 erhöht werden.

Dies lässt sich durch bestimmte Medikamente erreichen – nicht aber durch Orangen- oder Zitronensaft: Studien zeigen, dass diese Säfte nur einen kleinen Einfluss auf den Säuregehalt des Harns haben. Die gemessenen pH-Werte lagen in den meisten Studien im Bereich von 6,5, also deutlich unter jenem Wert, der für eine Auflösung der Steine erforderlich ist.

Kalziumoxalatsteine lösen sich ohnehin nicht auf, wenn der pH-Wert steigt. Bei dieser Art von Steinen könnten sich die Säfte also allenfalls zur Vorbeugung eignen.

Doch auch diese Überlegung hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Wie sich zeigte, haben die Säfte nämlich auch eine ungünstige Wirkung auf die Zusammensetzung des Harns: Sie bewirken einen Anstieg des Gehalts an Oxalat, was Steine aus Kalziumoxalat begünstigt. Orangen- und Zitronensaft sind also ebenfalls keine empfehlenswerten Hausmittel gegen Nierensteine.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Abrufdatum: 18.4.2024)
  • Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Abrufdatum: 18.4.2024)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 18.4.2024)
  • Joshi, A., et al.: "Complementary and Alternative Medicine Use in First-time and Recurrent Kidney Stone Formers." Urology, Vol. 156, pp. 58-64 (Oktober 2021)
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  • Large, T., et al.: "Using Low-Calorie Orange Juice as a Dietary Alternative to Alkali Therapy." Journal of Endourology, Vol. 34, Iss. 10, pp. 1082-1087 (Oktober 2020)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie: "Urolithiasis: Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe." AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043-025 (Stand: Mai 2019)
  • Siener, R.: "Can the manipulation of urinary pH by beverages assist with the prevention of stone recurrence?" Urolithiasis, Vol. 44, Iss. 1, pp. 51-56 (Februar 2016)
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  • Hönow, R., et al.: "Influence of grapefruit-, orange- and apple-juice consumption on urinary variables and risk of crystallization." The British Journal of Nutrition, Vol. 90, Iss. 2, pp. 295-300 (August 2003)
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