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Warum auf dem Land immer mehr Restaurants schließen

Schleichendes Verschwinden  

Warum auf dem Land immer mehr Gaststätten schließen

07.11.2018, 08:35 Uhr | dpa

Warum auf dem Land immer mehr Restaurants schließen. Geschlossenes Landgasthaus: In ländlichen Gebieten schließen immer mehr Gasthöfe für immer.  (Quelle: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

Geschlossenes Landgasthaus: In ländlichen Gebieten schließen immer mehr Gasthöfe für immer. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

In ländlichen Regionen verschwinden immer mehr Gasthöfe. Die Gründe dafür sind nicht immer schlechte Umsätze: Sogar Gourmet-Restaurants müssen schließen.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnt vor einem schleichenden Verschwinden der Gasthäuser und Gasthöfe auf dem Land. Die Zahl der Unternehmen im Gastgewerbe sei von 2008 bis 2016 um acht Prozent auf 30.800 gesunken, sagte der Landesvorsitzende Fritz Engelhardt der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld des Dehoga-Delegiertentages in Esslingen. Dabei zeige sich, dass vor allem Wirte und Hoteliers im ländlichen Raum aufgeben.

Bürokratie und Arbeitszeit als Hindernisse

In einigen Landesteilen ist das inzwischen deutlich spürbar: Im Schwarzwald-Baar-Kreis hätten zwischen 2008 und 2016 etwa 130 Gasthäuser, Gasthöfe, Pensionen und Hotels geschlossen – ein Minus von 16 Prozent. Im Zollernalbkreis mussten 93 Betriebe aufgeben – 15 Prozent. Den traurigen Rekord halte der Main-Tauber-Kreis. Hier hätten 120 Betriebe aufgegeben – ein Rückgang um knapp ein Viertel. Die Zahlen basieren auf der Umsatzsteuerstatistik, neuere Daten liegen nicht vor.

Dabei ist die Lage im Gastgewerbe nicht schlecht: In der jüngsten Konjunkturumfrage bezeichneten knapp zwei Drittel der befragten Gastwirte und gut drei Viertel der Hoteliers ihre wirtschaftliche Lage als gut. Allerdings beklagen alle Befragten den Personalmangel und den bürokratischen Aufwand bei der Dokumentation von Arbeitszeiten. Fast die Hälfte der Gastwirte hat Probleme mit der Einhaltung der täglichen Höchstarbeitszeit.

Zahl der Auszubildenden sinkt

"Betriebe leiden unter chronischem Mitarbeitermangel", klagt Engelhardt. "Unternehmer und ihre Familien kompensieren das Fehlen von Fachkräften durch eigene Mehrarbeit." Wo das hinführen kann, zeigt sich in Nagold, wo das Gourmetrestaurant "Alte Post" schließt. Erst gab Chefkoch Stefan Beiter den Stern ab, dann sah er überhaupt keinen Weg mehr. Der Grund: Personalnot.

Dabei wuchs der Personalstand in der Branche zuletzt auf einen Höchststand von 132.500 Beschäftigten. Doch der Nachwuchs fehlt: Die Zahl der Auszubildenden ist in den vergangenen zehn Jahren von gut 10.000 auf rund 6.200 gesunken.

Gehobene Qualität als Rettung?

Der Strukturwandel sei dramatisch: "Während größere Betriebe, die investieren können, vielfach zu den Gewinnern zählen, geraten die kleineren Betriebe im ländlichen Raum immer mehr ins Hintertreffen." In den nächsten fünf Jahren stehen nach Angaben des Dehoga 4.000 von Inhabern geführte Betriebe vor der Übergabe, weil die Besitzer in den Ruhestand gehen.

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) appellierte: "Hier ist auch die Politik gefragt, den Gastronomiebetrieben mehr Raum zu geben und rechtliche Regelungen auf den Prüfstand zu stellen." Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) rät Landgasthöfen dazu, dass Einzugsgebiet zu erweitern: "Die klassische Dorfwirtschaft kann ausschließlich mit der Kundschaft aus dem Dorf kaum mehr überleben", sagte sie. Erfolgreich seien Gaststätten auch im ländlichen Raum häufig, wenn sie auf herausgehobene Qualität bei Produkten – zumal von regionalen Lieferanten – und Service setzten.

Prämiertes Restaurant muss schließen

Dass das nicht unbedingt ausreicht, zeigte sich allerdings zuletzt in der mittelbadischen Gemeinde Bühl. Das "Gasthaus zum Lamm", das selbst in der Feinschmecker-Bibel "Gault & Millau" Beachtung fand, wird nächstes Jahr schließen, wie "Badische Neueste Nachrichten" und "SWR" bereits berichteten. Pächter Ludwig Bechter bestätigte das Aus der Deutschen Presse-Agentur. Auch hier liegt der Grund im Personalmangel: Er verliert seinen Koch – und findet keinen Nachwuchs.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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