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Enkeltrick und Co.: So schützen sich Senioren vor Betrug

Häufige Abzocke  

Das sind die Tricks von Betrügern

04.02.2020, 07:57 Uhr
Enkeltrick und Co.: So schützen sich Senioren vor Betrug . Betrug: Experten raten, am Telefon keine Auskunft über finanzielle Verhältnisse oder andere sensible Daten zu geben.  (Quelle: imago images/PhotoAlto)

Betrug: Experten raten, am Telefon keine Auskunft über finanzielle Verhältnisse oder andere sensible Daten zu geben. (Quelle: PhotoAlto/imago images)

Obwohl der Enkeltrick seit Jahren bekannt ist, funktioniert er immer noch. Doch Betrüger haben auch neue Maschen entwickelt, um Senioren abzuzocken. Mit diesen Tipps fühlen Sie sich sicherer. 

Sie geben sich als Polizisten oder Verwandte aus, klingeln an der Haustür oder rufen an: Betrüger suchen sich immer wieder Senioren als Opfer. Doch es gibt ein paar Tipps, wie Sie sich und Ihre Angehörigen schützen können. Das erklärt Monika Weiß im Gespräch mit t-online.de. Sie ist Ansprechperson für Seniorensicherheit beim Landeskriminalamt Berlin. 

Welche Tricks nutzen Betrüger?

Enkeltrick

Die Trickbetrüger rufen beim sogenannten Enkeltrick ältere Menschen unter dem Vorwand an, Verwandte (meistens Enkel oder Neffen) oder gute Bekannte zu sein. Häufig fragen sie eingangs "Rate mal, wer am Telefon ist?" und kommen so an eine fremde "Identität". "Das Verhältnis von Versuch und Erfolg liegt etwa bei eins zu zehn – aber auch da gibt es sicher noch ein Dunkelfeld", erklärt Weiß. 

Dann täuschen die Betrüger einen finanziellen Engpass vor und bitten um hohe Bargeldbeträge, weil sie das Geld aufgrund einer Notlage sofort benötigen. Durch mehrere Telefonanrufe in kurzer Zeit erhöhen die Täter häufig den psychischen Druck auf die Senioren, verbunden mit Appellen wie: "Hilf mir bitte!" Die Betrüger bitten zudem um absolute Verschwiegenheit gegenüber Familie und Freunden.

Weil sie angeblich nicht selbst kommen können, vereinbaren sie mit den älteren Menschen ein Kennwort, das ein Freund oder Bekannter nennen wird, wenn er als Bote das Geld abholt. In zahlreichen Fällen haben die älteren Opfer nach solchen Gesprächen hohe Geldbeträge von ihrem Konto abgehoben, um dem vermeintlichen Enkel zu helfen.

Ratschläge der Expertin: 

Wenn Sie den Namen eines Anrufers erraten sollen, legen Sie auf. 

Sollten Sie sich doch auf ein Gespräch eingelassen haben und nun unsicher sein, mit wem Sie sprechen, bieten Sie an, das Geld persönlich dem Anrufer und somit dem vermeintlichen Enkel oder Neffen zu übergeben. Ist der gerade angeblich beim Notar, bieten Sie beispielsweise an, dorthin zu kommen. Übergeben Sie niemals einem Fremden Geld. 

Kommt Ihnen ein Gespräch merkwürdig vor, können Sie jederzeit auflegen, um sich zu schützen. 

Falscher Polizist

Bei diesem Trick geben sich die Betrüger am Telefon als Polizisten, Staatsanwälte oder andere Amtspersonen aus. Neben schauspielerischen Fähigkeiten nutzen sie eventuell auch eine Technik, die bei einem Anruf auf der Nummernanzeige die Notrufnummer 110 oder die Rufnummer der örtlichen Polizei anzeigt. Sie rufen häufig bei älteren Menschen an und manipulieren ihre Opfer in stundenlangen Telefonaten. 

Angeblich stehe ein Einbruch unmittelbar bevor oder die Polizei habe Schwarzgeld auf ihren Konten gefunden. In allen Fällen fordern die Täter die Opfer massiv auf, Wertgegenstände und Bargeld zum eigenen Schutz an einen "Kollegen" zu übergeben. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, solle das Opfer mit niemandem über den Vorfall reden. Mit geschickter Gesprächsführung bringen die Täter die Opfer dazu, ihr gesamtes Barvermögen und mitunter sogar den Inhalt von Bankschließfächern nach Hause zu holen, um es anschließend an einen vermeintlichen Beamten zu übergeben.

Ratschläge der Expertin: 

Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Telefonnummer in der Anzeige richtig ist und existiert. 

Sie sollten das Gespräch immer selbst aktiv beenden: über den roten Knopf am Telefon oder das Auflegen des Hörers. Danach können Sie neu wählen und beispielsweise die echte Polizei anrufen und nachfragen, ob es wirklich Ermittlungen zu einem Einbruch gibt. Legen Sie nicht selbst auf, kann es sein, dass Sie bei einem neuen Anruf wieder bei den Betrügern landen. 

Schmuckdiebstahl

Es gibt einen Trick, der vor allem in den wärmeren Monaten auf der Straße angewandt wird. Die Betrüger halten Ausschau nach älteren Leuten, die wertvollen Schmuck tragen. "Sie fahren dann durch die Straßen und wenn sie so jemanden sehen, sprechen sie denjenigen an und fragen beispielsweise nach dem Weg", sagt Weiß. Sie erkundigen sich zum Beispiel nach einem Krankenhaus, wo sie jemanden hinbringen müssen oder jemanden besuchen wollen.

Im Verlauf des Gesprächs steigt schließlich jemand aus dem Auto aus – häufig eine junge Frau – und bedankt sich überschwänglich. Die Betrüger wollen dem Opfer dann beispielsweise eine Kette schenken und hängen ihm diese um den Hals. "Oft merken die Betroffenen später dann, dass ihre echte, wertvolle Kette weg ist und sie jetzt vielleicht so ein 50-Cent-Teil um den Hals hängen haben", warnt die Polizistin. 

Ratschläge der Expertin: 

Wenn Sie auf der Straße angesprochen werden, dann sollten Sie sich überlegen, warum genau Sie angesprochen wurden.

Dann sollten Sie natürlich Distanz wahren und niemanden zu nah an sich heranlassen. Das hilft auch gegen Taschendiebstahl. 

Trickdiebstahl in der Wohnung

Viele Betrüger setzen auf den Diebstahl direkt in der Wohnung der Opfer. Nach dem Taschendiebstahl auf der Straße ist das die häufigste Straftat, die ältere Menschen betrifft. Die Täter täuschen ihre Opfer, um Zutritt zur Wohnung zu bekommen. 

Dabei gibt es laut Polizei drei Grundmuster: 

  • Das Vortäuschen einer Notlage oder Hilfsbedürftigkeit (Toilette benutzen, Zettel und Stift, Glas Wasser)
  • Das Vortäuschen einer offiziellen Funktion (Polizei, Handwerker, Hausmeister)
  • Das Vortäuschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer (Enkel, Nachbar, Bekannter)

Haben Sie den Betrüger erst einmal in Ihre Wohnung gelassen, können Sie einen Diebstahl kaum noch verhindern. 

Ratschläge der Expertin: 

Viele denken vielleicht, sie seien in der eigenen Wohnung absolut sicher – dem ist jedoch nicht so. Lassen Sie daher niemals Fremde in Ihre Wohnung. 

Überlegen Sie sich Auswege aus bestimmten Situationen. Holen Sie Nachbarn, Freunde, Verwandte hinzu, rufen Sie die Polizei oder die Hausverwaltung an, um nachzufragen, ob die geschilderten Situationen wie beispielsweise ein Rohrbruch oder die Sicherung der Wohnung vor einem Einbruch der Wahrheit entsprechen. Ein echter Handwerker und ein echter Polizist werden das verstehen – Betrüger hingegen geben jetzt auf. 

Handtaschenraub

Obwohl sich viele vor der Situation des direkten Handtaschenraubes auf der Straße am meisten fürchten, ist das eine Straftat, die deutlich seltener vorkommt, als gedacht. "Im Jahr 2018 hatten wir in Berlin beispielsweise nur 110 solcher Fälle", berichtet Weiß. Trotzdem gibt es ein paar Tipps, wie Sie sich schützen können oder zumindest vermeiden, verletzt zu werden. 

Ratschläge der Expertin: 

Bewahren Sie die wichtigsten Sachen wie Wertgegenstände, Papiere oder Schlüssel nicht in der Handtasche auf, überlegen Sie sich immer, was Sie wirklich mitnehmen müssen. So verringern Sie den Schaden. 

Wenn Sie wissen, dass Sie nichts Wichtiges in Ihrer Tasche haben, lassen Sie los. So minimieren Sie das Risiko, sich zu verletzen. 

Tragen Sie Ihre Tasche körpernah und versuchen Sie nicht, sich zu wehren. 

Tipps der Polizei: So schützen Sie sich vor Betrug

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes gibt einige besonders wichtige Tipps: 

  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten oder dazu auffordern, Geld oder Wertsachen herauszugeben.
  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur Betrüger. Sind Sie sich unsicher, wählen Sie die Nummer 110. 
  • Am besten ist, wenn Sie die Nummer Ihrer örtlichen Polizeibehörde sowie eventuell auch die Notrufnummer 110 – wenn diese nicht ohnehin geläufig ist und auch im Notfall routiniert gewählt werden kann – griffbereit am Telefon haben, damit Sie sie im Zweifelsfall selber wählen können.
  • Geben Sie am Telefon keine Auskunft über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Geben Sie Betrügern keine Chance, legen Sie einfach den Hörer auf. Nur so werden Sie Betrüger los. Das ist keinesfalls unhöflich!
  • Öffnen Sie unbekannten Personen nicht die Tür.
  • Ziehen Sie gegebenenfalls eine Vertrauensperson hinzu, z.B. Nachbarn oder nahe Verwandte.
  • Übergeben Sie Fremden niemals Geld oder Wertsachen.

Monika Weiß rät darüber hinaus, sich auf entsprechende Situationen vorzubereiten und sich Strategien zurecht zu legen, um beispielsweise einem Betrüger vor der Haustür eine Absage zu erteilen und sich Hilfe zu holen. 

Dafür gibt es von vielen Polizeidienststellen Vorträge und Informationsveranstaltungen zu den gängigsten Betrugsmaschen, aber beispielsweise in Berlin auch ein Präventionstheater, um bestimmte Szenen zu üben. 

Was können Angehörige tun?

Erzählen Ihre Angehörigen von einem dubiosen Anruf oder betrügerischen Besuchern, können Sie das beispielsweise online anzeigen, das spart Wege.

Aber auch schon vorher können Sie Ihre Eltern oder Großeltern, Tanten oder Onkel schützen. Führen Sie Gespräche mit Ihren Angehörigen, erklären Sie die Betrugsmaschen und erarbeiten Sie gemeinsam Verhaltensmuster. "Zum Beispiel: Wenn es an der Tür klingelt, dass sie die Tür nur gesichert öffnen und dass sie niemanden hereinlassen", sagt Weiß.

Zusätzlich können Sie überprüfen, ob die wichtigsten Telefonnummern immer griffbereit sind. Beispielsweise von der zuständigen Polizeidienststelle, von der Hausverwaltung oder die der Nachbarn.

Wichtig wäre auch, nachzuschauen, ob die Betroffenen im Telefonbuch stehen. Dann sollten Sie überlegen, ob Sie den Eintrag zumindest löschen oder vielleicht gleich eine neue Nummer beantragen, die dann nicht mehr im Telefonbuch eingetragen wird. "Dann nehmen Sie allen Betrügern, die über das Telefon Kontakt suchen, die Arbeitsgrundlage. Denn die brauchen Telefonregister", erklärt die Polizistin. Wichtig ist bei allem: "Es muss natürlich für jeden persönlich passen." 

Verwendete Quellen:

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