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Alarm auf Mallorca: Warum bleiben die Deutschen weg?

Von dpa
Aktualisiert am 13.06.2019Lesedauer: 4 Min.
Leerer Strand auf Mallorca: Wieso bleiben die Touristen nach einer Serie von Rekordjahren plötzlich weg?
Leerer Strand auf Mallorca: Wieso bleiben die Touristen nach einer Serie von Rekordjahren plötzlich weg? (Quelle: photonews.at/imago-images-bilder)
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Auf Mallorca gibt es dieser Tage Temperaturen um die 30 Grad und viel Sonnenschein – herrliches Strand- und Badewetter. Doch die Inselbewohner kommen derzeit aus dem Zittern nicht heraus.

Auf Mallorca wird Hoteliers, Reiseveranstaltern, Restaurantbesitzern und auch den Chefs der Tourismusbehörden immer wieder angst und bange, wenn sie auf die Buchungszahlen fĂŒr die laufende Sommersaison blicken. Die Touristen bleiben plötzlich weg.

"Wir hatten fĂŒr diese Saison zwar einen RĂŒckgang erwartet, aber niemals den Einbruch, den wir zurzeit erleben", sagt ein Sprecher der Hoteliers der spanischen Insel der Zeitung "Última Hora".

Deutsche meiden ihre Lieblingsinsel

Vor allem die Deutschen machen derzeit einen großen Bogen um ihre eigentlich liebste Urlaubsinsel. Sogar auf dem "Ballermann", der Partymeile an der Playa de Palma östlich der Inselhauptstadt, wo man Touristen oft praktisch nur auf Deutsch reden (und singen und grölen) hört, ist das zu spĂŒren. Der sogenannte Sauftourismus sorge zwar an den Wochenenden und an den Feiertagen weiterhin fĂŒr volle HĂ€user, sagt ein Sprecher der Hoteliers der Playa.

Aber andere, "ruhigere" Touristen, die lÀnger bleiben und oft mehr Geld auf der Insel ausgeben, fahren inzwischen offensichtlich woanders hin. "Im Juni wird die Auslastung nur bei 50 bis 60 Prozent liegen", sagt der Sprecher. Das sind bis zu 15 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

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Aber nicht nur am "Ballermann", auch in anderen Inselteilen vermisst man die BundesbĂŒrger. So zum Beispiel in Magaluf westlich von Palma. Die "Briten-Hochburg" meldet bisher einen RĂŒckgang von rund sechs Prozent bei ihren wichtigsten Kunden. "Bei den Deutschen ist der Schwund aber noch grĂ¶ĂŸer, rund 12 bis 13 Prozent", erlĂ€utert der Chef des Hotelverbandes der Region CalviĂ , Mauricio Carballeda. FĂŒr Juli und August befĂŒrchte man einen noch stĂ€rkeren RĂŒckgang.

TĂŒrkei macht Spanien Konkurrenz

Doch wieso bleiben die Touristen nach einer Serie von Rekordjahren plötzlich weg? Schuld sind der Brexit und auch und vor allem das Erstarken der Tourismusregionen im östlichen Mittelmeer, etwa in der TĂŒrkei. In manch einem mallorquinischen Hotel sollen die Ausgaben in dieser Hochsaison ĂŒber den Einnahmen liegen. Die Lage ist so kritisch, dass man sogar auf die Wettervorhersage in Deutschland schaut.

Eine Wiederholung des "Supersommers" 2018 in Mittel- und Nordeuropa könnte fĂŒr viele diesmal schon fatal sein. Hitzemonate wie im Vorjahr wĂŒrden sich sehr negativ auswirken, hat jĂŒngst die Vizechefin des Hoteliersverbandes FEHM, MarĂ­a JosĂ© AguilĂł, eingerĂ€umt.

Selbst Rabatte von bis zu 40 Prozent konnten die Tendenz bisher nicht umkehren. Konkurrenzdestinationen wie die TĂŒrkei, Ägypten und Tunesien haben noch bessere Angebote. Von einem "Preiskrieg" ist auf Mallorca die Rede. Der CEO der Thomas-Cook-Gruppe, Peter Fankhauser, flog Anfang Juni auf die Insel, um die Hoteliers zu noch stĂ€rkeren PreisnachlĂ€ssen aufzurufen.

Die Konkurrenz im östlichen Mittelmeer biete zum Teil "mehr QualitĂ€t" fĂŒr weniger Geld an. Carabellada warnt aber vor "Panikmaßnahmen". "Das wĂ€re fĂŒr viele (auf Mallorca) Selbstmord", warnt er. Man mĂŒsse die Touristen ĂŒber die QualitĂ€t des Angebots zurĂŒckgewinnen.

Ist die "Ökotaxe" schuld?

An der QualitĂ€t hapert es aber oft. Das Problem ist derweil nicht nur, dass die Zimmer auf Mallorca kleiner und oft weniger bequem als zum Beispiel in All-Inclusive-Resorts im tĂŒrkischen Antalya sind. Die von der linken Inselregierung vor drei Jahren in Gang gesetzte BekĂ€mpfung der AuswĂŒchse des Massen- und Sauftourismus ist bisher auf halbem Wege stehengeblieben. Die 2016 eingefĂŒhrte Touristenabgabe "Ökotaxe" fordere inzwischen ihren Tribut, meinten Fankhauser, Carballeda und der FEHM jĂŒngst unisono.

Gerade jene weniger zahlungskrĂ€ftigen Touristen, denen diese Abgabe ein Dorn im Auge ist, stören sich auch daran, dass im Zuge der immer strengeren Benimmregeln in Palma und Umgebung der Spaß immer weniger wird, wie viele Experten und Beobachter meinen. Seit dem 1. April 2019 mĂŒssen nĂ€mlich in einem speziellen "Gebiet von besonderem touristischen Interesse" rund um die berĂŒchtigte "Schinkenstraße" alle BiergĂ€rten eingezĂ€unt sein.

GetrĂ€nke dĂŒrfen nicht mehr auf den BĂŒrgersteig oder auf die Straße mitgenommen werden. Außerdem gilt ein Verbot von Alkohol in Schaufenstern und von Sonderangeboten wie der "Happy Hour" mit starken Drinks zu Dumpingpreisen. Bei Zuwiderhandlung drohen hohe Strafen.

Ballermann ist unsicherer geworden

Aber auf der anderen Seite geht das "AufrĂ€umen" an der Playa den betuchteren Besuchern noch nicht weit genug. Die linke Regierung setzt auf "höherwertigen" Tourismus, förderte den Bau von Luxusherbergen. Aber die Betreiber dieser HĂ€user berichten von GĂ€sten, die sich ĂŒber betrunkene und gewalttĂ€tige Touristen sowie ĂŒber illegale StraßenhĂ€ndler und Parkplatzverwalter beschweren.

Sie fordern vom Rathaus in Palma und von den Sicherheitsbehörden ein hĂ€rteres Eingreifen. Zumal sich zuletzt die Berichte ĂŒber "afrikanische Mafias" und "Frauenbanden" hĂ€ufen, die nachts auch am Ballermann Dutzende von Touristen ausgeraubt haben sollen. "Palma ist in den vergangenen Jahren unsicherer und schmutziger geworden", klagt der konservative Inselpolitiker Mateo Isern.

Francisco Marín hatte deshalb lange ein Ende des "Chaos" an der Playa gefordert. Die Polizei gehe im Strandgebiet viel zu lasch gegen Störenfriede vor, klagte er immer wieder. Voriges Jahr warf der Hotelbesitzer aber das Handtuch und gab seinen Posten als Chef des Hotelierverbandes der Playa entnervt ab.


Dabei steht viel auf dem Spiel: Der Tourismus trug zuletzt mehr als 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Balearen bei. In den vergangenen zehn Jahren kletterte die Zahl der Tourismusunternehmen in der Region nach amtlichen Zahlen um acht Prozent auf mehr als 18.000. Viele fĂŒrchten nun, dass sich Mallorca buchstĂ€blich zu Tode wĂ€chst.

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