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Russland nutzt Tinder und TikTok zu Spionage und Propaganda


Vorsicht, Liebesfalle
Russland setzt offenbar Lockvögel auf Bundeswehrsoldaten an

Von t-online, te

Aktualisiert am 18.04.2023Lesedauer: 2 Min.
1445021486Vergrößern des BildesEine Spionin (Symbolbild): Russland nutzt laut einem Bericht Datingplattformen, um an westliche Soldaten und Politiker heranzukommen. (Quelle: breakermaximus/getty-images-bilder)
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In sozialen Medien sucht manch einer die Liebe oder verfolgt Videotrends. Russische Agenten hingegen sollen die Plattformen für andere Zwecke nutzen.

In der heutigen Zeit ist Online-Dating ganz normal geworden. Man öffnet eine App wie Tinder und wischt Profile potenzieller Partner nach links oder rechts – je nachdem, ob sie dem eigenen Geschmack entsprechen oder nicht. Gefallen sich zwei Profile gegenseitig, kommt es zum "Match" und die Konversation kann beginnen.

Was einfach und unkompliziert klingt, kann für unvorsichtige Nutzer zur Liebesfalle werden. Denn laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" sollen russische Agenten die Datingapp nutzen, um gezielt Bundeswehrsoldaten oder Politiker zu matchen – und sie anschließend als Informationsquelle zu nutzen. Vor diesem Modus Operandi soll kürzlich auf einer Tagung in Süddeutschland, an der Militärangehörige von Nato-Staaten teilgenommen haben, gewarnt worden sein.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) bestätigte der "Welt am Sonntag", dass russische Agenten unter anderem Tinder nutzten, um neue Informationsquellen in Politik und Bundeswehr zu erschließen. Auf Anfrage von t-online wollte der Nachrichtendienst diese Vorgänge weder bestätigen noch falsifizieren.

TikTok ist besonders anfällig für russische Propaganda

Russland ist sich der Strahlkraft sozialer Medien in die Gesellschaft bewusst. Besonders anfällig für Manipulationen ist der Organisation HateAid zufolge die Videoplattform TikTok. Das Portal eines chinesischen Betreibers ist besonders bekannt für seinen Algorithmus, der zum einen sehr schnell auf das Nutzungsverhalten seiner User reagiert und zum anderen beliebte Videos schnell "viral" gehen lässt – sie also an besonders viele Nutzer ausspielt.

Dieser Algorithmus sorgt dafür, dass verhältnismäßig wenige Accounts durch reges Verteilen von Likes und Kommentaren beeinflussen können, welche Videos viral gehen. Auch die kürzlich geleakten Geheimdokumente aus dem Pentagon gehen davon aus, dass von der russischen Regierung hochprofessionell betriebene Accounts ihre eigenen Narrative verbreiten.

Die russische Seite ist dem Pentagon-Leak zufolge der Meinung, dass lediglich ein Prozent ihrer Fake-Accounts in den sozialen Medien aufgedeckt wird, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Westliche Nachrichtendienste halten diese Schätzung zwar für übertrieben, entkräften können sie die Vermutung allerdings nicht.

Das russische Bot-Netzwerk "Fabrika"

Den Pentagon-Papieren zufolge heißt das Bot-Netzwerk, mit dem die russische Regierung ihre Narrative weltweit verbreitet, "Fabrika". Betrieben werden soll es von einer Organisation namens Glavnivts, die im Auftrag des Kremls Technologie für die russischen Nachrichtendienste entwickeln soll. Das Ziel der Firma lautet dem Bericht zufolge: "Unterstützung im Land festigen, Widerspruch unterdrücken, die Ukraine demoralisieren, Uneinigkeit im Westen ausnutzen".

Das von Glavnivts betriebene Netzwerk aus Bots soll der US-Regierung zufolge Inhalte in sozialen Medien liken, abonnieren und weiterverbreiten, um den Informationsfluss über TikTok, Twitter und weitere Netzwerke gezielt zu manipulieren.

Und das sind nicht wenige Accounts: Im vergangenen Jahr hat TikTok mehr als 1.700 russische Bots identifiziert, die Propaganda an europäische Nutzer verteilt haben sollen. Wenn die Annahme der russischen Regierung, nach der nur ein Prozent der Bots aufgedeckt wird, annähernd stimmt, ist diese Zahl ziemlich besorgniserregend.

Verwendete Quellen
  • Anfrage beim Militärischen Abschirmdienst
  • welt.de: "Russische Agentinnen suchen auf Tinder nach Bundeswehrsoldaten" (kostenpflichtig)
  • sueddeutsche.de: "Putins Bot-Armee auf Social Media" (kostenpflichtig)
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