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Russland: Videos zeigen, wie Partisanen gegen Putin vorgehen


Videos zeigen Anschläge
Putins Problem formiert sich im russischen Untergrund


23.02.2024Lesedauer: 1 Min.
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Zahlreiche Anschläge: Russische Partisanen berichten, wie sie mit Brandbomben und Stemmeisen Widerstand gegen Wladimir Putin leisten. (Quelle: t-online)

Mit Materialien aus dem Baumarkt leisten Partisanen in Russland Widerstand gegen Wladimir Putin. Im Video-Interview sprechen sie über ihre Motivation.

Wladimir Putin und sein Machtapparat zeichnen gerne das Bild eines geeinten Russlands, das voll hinter der Politik des Kremls steht. Wer dieses Narrativ stört, muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Das hat nicht zuletzt der Tod des Kritikers Alexej Nawalny gezeigt.

Widerstand gegen Wladimir Putin formiert sich daher vor allem im Untergrund. Junge Partisanen kämpfen seit Jahren mit einfachen Mitteln gegen das Regime und bringen sich bei jeder Aktion in Lebensgefahr.

Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges haben die Partisanen ihre Bemühungen verstärkt. "Der Krieg hat uns gezeigt, dass wir mehr in die Öffentlichkeit müssen", berichtet ein Mitglied der Gruppe Boak in einem Interview mit t-online, das im Februar 2023 geführt wurde.

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“Wie bereits gesagt: Wir werden gefoltert und inhaftiert. Deswegen ziehen unsere Mitglieder den Tod einer Festnahme vor.“

Diese Russen bringen sich in Lebensgefahr – immer wieder, ganz bewusst. Denn sie wollen Widerstand leisten – Widerstand gegen die Politik von Präsident Wladimir Putin. Darum hebeln sie Bahnschienen aus, zünden Rekrutierungsbüros der Armee an, sabotieren die Energieversorgung oder stecken Autos von Kreml-Sympathisanten in Brand. t-online hat im Februar 2023 mit ihnen gesprochen.

“Was in unserem Land passiert, ist inakzeptabel. Wir haben keine Zukunft unter dem aktuellen Regime. Putins faschistisches Regime muss zerstört werden. Wir nehmen die Risiken in Kauf, um die Zukunft unseres Landes sicherzustellen.“

Das Russland von Wladimir Putin mache die Welt jeden Tag ein bisschen schlechter, sagen die Widerstandskämpfer. Und auch die Lebensbedingungen vieler Russen würden immer prekärer. Denn der Kreml mache Politik für wenige Mächtige und nicht für das Volk.

Dass Andersdenkende in Russland verhaftet und von der Regierung abweichende Meinungen unterdrückt und zensiert werden, ist nicht erst seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs auch für Beobachter aus dem Westen offensichtlich. Widerstand passiert im Untergrund, die Kampftruppe “BOAK“ ist dabei wohl die am besten organisierte Gruppierung. Seit der russischen Invasion der Ukraine haben sie ihre Bemühungen verstärkt, führen mehr Attacken auf die Infrastruktur der Regierung durch.

“Wir haben auch vorher schon Aktionen durchgeführt. Aber wir haben es zunächst nicht in Betracht gezogen, das so öffentlich zu machen. Das war damals nicht in unserem Interesse. Der Krieg in der Ukraine hat uns gezeigt, dass wir mehr in die Öffentlichkeit müssen.“

Die Macht der Putin-treuen Oligarchen, die Kontrolle des Kremls über den Wohlstand und die öffentliche Meinung, die Überwachung der eigenen Bevölkerung durch Polizei und Geheimdienste: Für BOAK gibt es viele Gründe, gegen das System Putin zu kämpfen.

Dafür sind die Versorgungslinien der russischen Armee ein beliebtes Angriffsziel der Partisanen. Schienen, auf denen Kriegsgerät und Munition an die Front gebracht werden sollen, werden sabotiert. In Telegram-Chats halten die Untergrundkämpfer ihre Erfolge fest: ausgehebelte Schienen, entgleiste Züge.

Dabei sind sie gezwungen, mit geringen Ressourcen auszukommen. In Videos zeigt die Gruppe, wie mit einfachen Gegenständen aus dem Baumarkt Schienen sabotiert werden können – eine Anleitung zum Widerstand. Auch bei der Auswahl der Ziele greift BOAK auf einfache Mittel zurück.

“Um Ziele zu suchen, nutzen wir den Dienst Wikimapia. Auf der Karte findet man Militäreinrichtungen, Polizeistationen, Büros der Partei Einiges Russland, Rekrutierungszentren und mehr. Danach schauen wir uns das Ganze vor Ort an, kundschaften die Objekte aus und schauen, was wir dort tun können.“

Die häufigste Art der Attacke: Anschläge mit Molotow-Cocktails und ähnlichen Brandsätzen. Dabei nehmen die Widerstandskämpfer Rekrutierungszentren der russischen Armee ebenso ins Visier wie den Besitz offensichtlicher Unterstützer des Kremls und der Kriegsbemühungen in der Ukraine. Die Partisanen wollen den russischen Staat entscheidend schwächen, damit sich mehr Menschen gegen Wladimir Putin organisieren und ihn am Ende stürzen können.

“Wir wollen eine anarchistische Revolution durchführen und die russische Gesellschaft nach unseren Idealen aufbauen. Dazu gehört unter andere eine direkte Demokratie, die Kontrolle der wirtschaftlichen Macht durch das Volk, Anti-Militarismus und Anti-Totalitarismus.“

Ein Ziel, das Wladimir Putin und sein Machtapparat unbedingt verhindern wollen. Daher riskieren die Partisanen mit Aktionen wie diesen jedes Mal ihr Leben.

“Aktivitäten wie diese sind sehr gefährlich, gerade in Kriegszeiten. Jedem unserer Mitglieder ist klar, dass sie im Falle einer Verhaftung mit Folter, dem Aufenthalt in Gefangenenlagern oder sogar dem Tod rechnen müssen. Daher bereiten wir unsere Aktionen so sorgfältig wie möglich vor.”

Wie viele Russen mit Aktionen wie diesen Widerstand gegen Putin leisten, ist kaum herauszufinden. Die meisten Gruppen sind nur lose organisiert, Zensur und Kontrollen durch Polizei und Geheimdienste erschweren die Kommunikation untereinander. Videos, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden, sind oft die einzigen Beweise für die Taten der Partisanen. Der Kreml schweigt zum Widerstand im eigenen Land. Denn er passt nicht in das Narrativ eines Russlands, das geeint hinter Wladimir Putin steht.

Warum die Partisanen gegen Putins Regime kämpfen, wie sie dabei vorgehen und warum sie freiwillig ihr Leben riskieren, sehen Sie im Video direkt hier oder oben.

Verwendete Quellen
  • Video-Interview mit einem Untergrundkämpfer der Gruppe Boak vom Februar 2023
  • Aufnahmen von Partisanenaktionen aus den sozialen Medien
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