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Flug MH17: Bundesregierung kannte Abschussgefahr frühzeitig

Medien-Recherchen zu MH17  

Bundesregierung wusste frühzeitig von Abschussgefahr über Ukraine

27.04.2015, 14:13 Uhr | AFP, dpa

Flug MH17: Bundesregierung kannte Abschussgefahr frühzeitig. Trümmer des abgeschossenen Verkehrsflugzeugs: Bundesregierung gab Warnungen nicht weiter. (Quelle: Reuters)

Trümmer des abgeschossenen Verkehrsflugzeugs: Bundesregierung gab Warnungen nicht weiter. (Quelle: Reuters)

Die Bundesregierung gerät im Fall des Abschusses von Flug MH17 der Malaysia Airlines über der Ostukraine in Erklärungsnot. Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" ergaben, dass dem Auswärtigen Amt (AA) bereits drei Tage vor der Katastrophe der Boeing 777 klare Gefahrenhinweise vorgelegen haben, die sie nicht an Fluggesellschaften weiter gegeben habe.

Bei dem Abschuss der Maschine waren am 17. Juli vergangenen Jahres 298 Menschen ums Leben gekommen. An diesem Tag flogen dem Medienbericht zufolge auch drei Maschinen der Lufthansa über das Gebiet, eine davon nur zwanzig Minuten vor MH17.

Über "besorgniserregende" Lage berichtet

Wenige Tage zuvor hätten Diplomaten des AA die Lage in der Ostukraine als "besorgniserregend" bezeichnet. Als Grund für die Einschätzung sei der Abschuss einer Antonow-Militärmaschine in Höhe von mehr als 6000 Metern genannt worden, der "eine neue Qualität" darstelle, zitierte die "Süddeutsche" aus dem Bericht des Auswärtigen Amtes.

Der Abschuss eines Flugzeuges in dieser Höhe sei für Militärexperten ein klarer Hinweis, dass auch Ziele in größeren Höhen getroffen werden können, also auch eine Gefahr für zivile Passagiermaschinen bestehe, heißt es in dem Medienbericht. Die Unterlagen über den Abschuss des Militärtransporters waren allerdings als "VS - nur für den Dienstgebrauch" eingestuft. "VS" steht für Verschlusssache.

Auch der Bundesnachrichtendienst habe der Bundesregierung mehrfach in seinen täglichen Berichten mitgeteilt, dass die Luftsicherheit über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine nicht gegeben sei.

Lufthansa: "Keine Informationen von Seiten der Behörden"

Diese vertraulichen Erkenntnisse habe die Bundesregierung aber nicht als Warnung an deutsche Fluggesellschaften für Überflüge weitergegeben. Üblicherweise müssten die Fluglinien umgehend über eine veränderte Sicherheitslage informiert werden, heißt es in dem Medienbericht. Dies sei jedoch erst nach dem Abschuss der MH17 geschehen.

"Fakt ist, dass uns keine Informationen von Seiten der Behörden vor dem 17. Juli vorlagen", zitiert der Rechercheverbund einen Sprecher der Lufthansa. "Wenn die Bundesregierung unser Unternehmen mit der Bewertung neue Qualität gewarnt hätte, wäre Lufthansa sicher nicht mehr über der Ostukraine geflogen", erklärte demnach ein Insider der Fluggesellschaft.

Laut der knapp sechsmonatigen Recherche der Sender und der SZ gibt es "so gut wie keinen Zweifel mehr" daran, dass die Boeing 777 von einer Buk M1 aus dem Gebiet der Separatisten abgeschossen wurde.

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