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Nordmazedonien: Parlament in Griechenland akzeptiert Namensänderung Mazedoniens

Entspannung in Griechenland  

Parlament akzeptiert Namensänderung Mazedoniens

25.01.2019, 16:44 Uhr | dpa

 (Quelle: t-online.de)
Hier teilen sich Griechenland und Nordmazedonien eine Grenze

Das griechische Parlament hat den Namensstreit beigelegt.


Neuer Name "Nordmazedonien": Hier teilen sich Griechenland und das Nachbarland eine Grenze. (Quelle: t-online.de)


Entscheidung in Athen: Das griechische Parlament stimmt der Änderung der Staatsbezeichnung des nördlichen Nachbarn Mazedonien zu. Der Namenskonflikt ist damit beendet.

Das griechische Parlament hat das Abkommen zur Überwindung des Streits um den Namen des Nachbarlandes Mazedonien gebilligt. Bis zuletzt gab es bei der Debatte erbitterten Widerstand und Tumulte im Parlament, die Abstimmung ging knapp aus: 153 Abgeordnete waren dafür, 146 dagegen, dass der ehemalige jugoslawische Teilstaat künftig Republik Nordmazedonien heißt. Den Premiers der beiden Länder, Alexis Tsipras und Zoran Zaev, ist mit der Übereinkunft ein diplomatisches Kunststück gelungen, das Signalwirkung für die gesamte Balkanregion haben könnte.

"Es ist eine Ermutigung für die Art der Beilegung einer lang anhaltenden bilateralen Streitigkeit", sagte Florian Bieber, Leiter des Zentrums für Südosteuropastudien der Universität Graz. Beide Seiten hätten gezeigt, dass "man Probleme auch durch Dialog, durch ein offenes Gespräch, durch den Willen der Regierungen beilegen kann". Auf diese Weise könne es Staaten gelingen, nicht nur alte Konflikte aus der Welt zu schaffen, sondern auch die gegenseitige Beziehung neu aufzustellen.

"Ich gratuliere meinem Freund Alexis Tsipras, wir haben zusammen mit unseren Völkern einen historischen Sieg errungen", schrieb Zaev auf seiner Facebook-Seite. "Es lebe das Abkommen, auf ewigen Frieden und Fortschritt auf dem Balkan und in Europa."

Balance gewahrt – selbst im Detail

Griechische Politologen attestieren den beiden Regierungschefs ebenfalls kluges Handeln – sie hätten mit dem Vertrag selbst im Detail die Balance gewahrt. Beispiel: Heißt es darin, die Sprache des Balkanstaates sei "Mazedonisch", wird direkt im Anschluss erklärt, es handele sich dabei um eine südslawische Sprache. Daraus können die Griechen erlesen, dass die Sprache des Nachbarn nicht mit dem antiken altgriechischen mazedonischen Dialekt zu tun hat. Ein möglicher Anspruch Mazedoniens auf Gebiete in Nordgriechenland sowie das kulturelle Erbe der antiken Region Makedonien waren stets die Argumente griechischer Nationalisten gegen eine Einigung.

Skopje muss nun nach der Ratifizierung in Athen in den kommenden Wochen die Verfassung Mazedoniens entsprechend ändern und anschließend alle internationalen Organisationen und Staaten über den neuen Namen Nordmazedonien (Slawisch: Severna Makedonija, Englisch: North Macedonia) informieren.

Auch Alexis Tsipras dürfte froh sein, das Thema endlich hinter sich zu lassen. Mit seinen nur 145 Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament war er auf die Stimmen von unabhängigen Abgeordneten und Parlamentariern anderer Parteien angewiesen. Seine eigene Koalition mit der kleinen rechtspopulistischen Partei Anel war vergangene Woche bereits über den Namenskonflikt mit Mazedonien zerbrochen.

Jahrezehntelange Blockade bei EU-Annäherung

Er hatte im Vorfeld jedoch stets betont, dass die jahrzehntelange Nicht-Lösung der Namensfrage mit Mazedonien die Stabilität in der Region gefährde und dass dies nicht im Interesse Griechenlands sei. Durch die Einigung beendet Athen die jahrzehntelange Blockade des Nachbarn bei der Annäherung an die EU. Auch kann Skopje jetzt der Nato beitreten. Mazedonien hatte sich Anfang der 90er Jahre aus dem Staatsverband des zerfallenden Jugoslawiens gelöst und war dabei als einzige Teilrepublik nicht in einen bewaffneten Konflikt mit den benachbarten Serben geraten.

Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Entscheidung als "Sieg der Diplomatie". Das Votum des Parlaments in Athen sei "eine großartige Nachricht für Europa", sagte Maas. "Ich begrüße diese demokratischen Entscheidungen." Der Prozess habe "viel Schweiß und auch manche Träne gekostet".

 
Auch die EU gratulierte den beiden Nachbarn im Südosten Europas umgehend. "Sie hatten Fantasie, sie nahmen das Risiko auf sich, sie waren bereit, ihre eigenen Interessen für das Allgemeinwohl zu opfern", twitterte EU-Ratschef Donald Tusk. "Zoran, Alexis – gut gemacht!", schrieb er an Tsipras und Zaev. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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