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Mordanklage nach Tod eines Schwarzen in Atlanta

Von dpa
Aktualisiert am 18.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Rayshard Brooks wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Rayshard Brooks wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen. (Quelle: Curtis Compton/Atlanta Journal-Constitution/AP/dpa./dpa)
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Atlanta (dpa) - Nach dem Tod von Rayshard Brooks nach einem Polizeieinsatz in der US-Metropole Atlanta muss einer der beteiligten Beamten die Todesstrafe f├╝rchten.

Die Staatsanwaltschaft klagte den Polizisten am Mittwoch (Ortszeit) unter anderem wegen Mordes an. Er habe ├╝berm├Ą├čige Gewalt angewendet, sagte Staatsanwalt Paul Howard in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Darauf steht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft ohne Bew├Ąhrung oder gar die Todesstrafe.

Der Tod des 27-J├Ąhrigen nach dem Einsatz hatte die landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA nach dem Fall George Floyd in Minneapolis weiter angeheizt. Brooks war am Freitagabend am Steuer seines Wagens eingeschlafen, als er in der Schlange an einem Schnellrestaurant wartete.

Polizisten stellten fest, dass er zuviel getrunken hatte und wollten ihn festnehmen. Es kam zu einem Handgemenge, Brooks griff nach dem Elektroschockger├Ąt eines Beamten und floh. Einer der beiden Polizisten feuerte Sch├╝sse ab, die ihn im R├╝cken trafen und t├Âdlich verletzten. Er wurde fristlos entlassen, der andere Beamte vorl├Ąufig suspendiert.

Brooks habe in mehr als 40 Minuten der Unterhaltung mit den Beamten "niemals irgendein aggressives Verhalten gezeigt" oder eine Bedrohung dargestellt, sagte Staatsanwalt Howard. Sein Verhalten sei kooperativ und "fast schon fr├Âhlich" gewesen. Nachdem der Mann nach den Sch├╝ssen zu Boden ging, habe der nun angeklagte Polizist Brooks zus├Ątzlich getreten. ├ťber zwei Minuten, w├Ąhrend er um sein Leben k├Ąmpfte, habe sich niemand um den 27-J├Ąhrigen gek├╝mmert. Eine Kugel des Polizisten hatte Brooks demzufolge ins Herz getroffen. In einer ersten Aussage habe der Polizist danach "ich habe ihn erwischt" gesagt.

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Nach Howards Angaben wurde auch der zweite beteiligte Polizist angeklagt, unter anderem wegen schwerer K├Ârperverletzung. Er hatte sich auf die Schultern des Sterbenden gestellt, wie auf Aufnahmen zu sehen gewesen sei. Er habe sich zudem auch bereit erkl├Ąrt, als Zeuge auszusagen. F├╝r die Anklagen hatten die Ermittler nach eigenen Angaben acht Videos, darunter die K├Ârperkameras der Polizisten, ausgewertet. Zudem seien Zeugen vernommen und eine ballistische Analyse sowie der vorl├Ąufige Autopsiebericht eingesehen worden.

Der Anwalt von Brooks Familie, Justin Miller, begr├╝├čte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. "Das ist aber erst der erste Schritt. Schritt zwei ist die Verurteilung in allen Anklagepunkten". Witwe Tomika Miller meldete sich nur kurz und sichtlich emotional zu Wort. Sie sei sehr verletzt. "Vatertag steht vor der T├╝r und alles, woran ich denken kann ist, was w├Ąre, wenn mein Mann noch hier w├Ąre." Brooks Tochter war Medienangaben zufolge am Samstag acht Jahre alt geworden.

Brooks starb weniger als drei Wochen, nachdem der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Bundesstaat Minnesota ums Leben gekommen war. Floyds Schicksal hat anhaltende Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgel├Âst. Nach dem Tod Brooks' hatte es w├╝tende Proteste in Atlanta gegeben. Das Schnellrestaurant, auf dessen Parkplatz die Tat geschah, ging in der darauffolgenden Nacht in Flammen auf. Die Polizeichefin der Stadt, Erika Shields, trat zur├╝ck.

Die B├╝rgermeisterin Atlantas, Keisha Lance Bottoms, hatte am Montag eine Polizeireform angek├╝ndigt. Polizisten m├╝ssten "Besch├╝tzer sein, nicht Krieger", sagte die B├╝rgermeisterin am Montag. Sie erlasse Verordnungen, um die Gewaltanwendung durch Polizisten auf das N├Âtigste zu begrenzen. Alle Beamten m├╝ssten k├╝nftig immer wieder in Deeskalation geschult werden, erkl├Ąrte sie. Zudem m├╝ssten alle Polizisten k├╝nftig bei exzessiver Gewaltanwendung durch Kollegen einschreiten und diese auch melden, um Strafen zu entgehen.

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