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Waffenruhe in Berg-Karabach scheitert

Von dpa
Aktualisiert am 26.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Paar steht vor den TrĂŒmmern eines zerstörten Hauses in Berg-Karabach.
Ein Paar steht vor den TrĂŒmmern eines zerstörten Hauses in Berg-Karabach. (Quelle: Uncredited/AP/dpa./dpa)
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Baku/Eriwan (dpa) - In der Konfliktregion Berg-Karabach im SĂŒdkaukasus hĂ€lt auch eine neue Waffenruhe nicht. Armenien und Aserbaidschan warfen sich am Montag bereits kurz nach Inkrafttreten VerstĂ¶ĂŸe gegen die Vereinbarung vor.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sei "zutiefst besorgt" ĂŒber diese Berichte, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen am Montag vor Journalisten in New York. "Es ist sehr wichtig, dass alle Seiten ihre Vereinbarung komplett umsetzen."

Es war bereits der dritte Anlauf, der scheiterte. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium in Baku meldete einen Beschuss der Stadt Terter. Zudem seien eigene Soldaten in dem Dorf Safiyan angegriffen worden. Die Behörden in Berg-Karabach wiesen das zurĂŒck.

Das armenische Verteidigungsministerium warf Baku eine gezielte "Desinformation" vor. Die aserbaidschanischen StreitkrĂ€fte hĂ€tten vielmehr 45 Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe den Artilleriebeschuss von Berg-Karabach wieder aufgenommen, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Eriwan. Demnach gab es vor allem im SĂŒdosten der Region "heftige KĂ€mpfe". Dabei seien in einem Dorf ein Bewohner getötet und zwei weitere verletzt worden.

Am Abend sprach das armenische Verteidigungsministerium von Gefechten entlang der gesamten Front, die an IntensitĂ€t zunĂ€hmen. Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan sagte, es sei erneut nicht gelungen, eine neue Feuerpause zu etablieren. Über neue Opferzahlen wurde zunĂ€chst nichts bekannt. Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hatte am Donnerstag gesagt, dass bei dem Krieg knapp einen Monat nach Beginn der KĂ€mpfe bisher rund 5000 Menschen ums Leben gekommen seien.

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Der neue Anlauf fĂŒr eine Waffenruhe war unter US-Vermittlung am Sonntag vereinbart worden. Sie griff am Montag ab 8.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr MEZ). Das hatten die Vertreter beider LĂ€nder gemeinsam mit der US-Regierung mitgeteilt. Die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan hatten sich am Freitag zu getrennten GesprĂ€chen mit ihrem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington getroffen.

In den vergangenen Tagen gingen die KĂ€mpfe ungeachtet diplomatischer BemĂŒhungen weiter. Eine unter Vermittlung Russlands vereinbarte Waffenruhe vom 10. Oktober hatte nicht gehalten. Gut eine Woche spĂ€ter nahmen beide Seiten einen neuen Anlauf. Auch danach gingen die Angriffe weiter. Die verfeindeten Nachbarn geben sich immer wieder gegenseitig die Schuld am Ausbruch der KĂ€mpfe.

Die Gefechte um Berg-Karabach dauern bereits seit Ende September an. Aserbaidschan hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle ĂŒber das bergige Gebiet mit etwa 145.000 Bewohnern verloren. Seit 1994 galt eine brĂŒchige Waffenruhe. Aserbaidschan kann sich in dem Konflikt auf seinen "Bruderstaat" TĂŒrkei stĂŒtzen. Russland ist Schutzmacht Armeniens.

Neben Russland suchen auch Frankreich und die USA als Co-Vorsitzende der so bezeichneten Minsk-Gruppe der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) weitgehend erfolglos nach einer friedlichen Lösung. Der aserbaidschanische PrĂ€sident Ilham Aliyev mahnte in einer Ansprache an sein Volk, die Vermittler seien zur NeutralitĂ€t verpflichtet. Wenn nicht, sollten sie ihr Mandat zurĂŒckgeben.

Zudem teilte er mit, dass noch einmal 18 Dörfer und StÀdte unter aserbaidschanische Kontrolle gebracht worden seien. Der PrÀsident feierte dies erneut als Triumph seiner Armee.

Zugleich bestĂ€tigte er ein weiteres Treffen der Außenminister beider LĂ€nder an diesem Donnerstag in Genf, das zuvor von der OSZE mitgeteilt wurde. "Wir sind nicht gegen Verhandlungen", sagte Aliyev. Nur mĂŒssten sie Sinn haben und die Verhandlungen ĂŒber eine RĂŒckkehr des Gebiets unter die Kontrolle Bakus beschleunigen.

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