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Kosovo: Präsident tritt nach Kriegsverbrecher-Anklage zurück

Vorwürfe aus Unahängigkeitskrieg  

Nach Kriegsverbrecher-Anklage: Kosovos Präsident tritt zurück

05.11.2020, 12:55 Uhr | dpa

Kosovo: Präsident tritt nach Kriegsverbrecher-Anklage zurück. Hashim Thaci im Juli in Den Haag.

Hashim Thaci im Juli in Den Haag. Foto: Phil Nijhuis/AP/dpa. (Quelle: dpa)

Hashim Thaçi, bisher Präsident des Kosovo, tritt zurück. Zuvor hatte das Kosovo-Sondertribunal eine Anklage gegen ihn bestätigt. Ihm werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Der kosovarische Präsident Hashim Thaçi ist nach der Bestätigung der Kriegsverbrechen-Anklage gegen ihn von seinem Amt zurückgetreten. "Ich werde nicht als Präsident vor Gericht erscheinen. Um die Integrität des Staates zu schützen, trete ich heute zurück", sagte er auf einer Pressekonferenz in Pristina. Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag habe die bisherige vorläufige Anklage gegen ihn nunmehr bestätigt, sagte er weiter.

Thaçi war während des Unabhängigkeitskrieges 1998-1999 Oberkommandierender der kosovo-albanischen Untergrund-Armee UÇK gewesen. Die Staatsanwaltschaft des Sondertribunals hatte bereits im Juni gegen ihn und mehrere andere ehemalige UÇK-Kommandeure vorläufige Anklage erhoben.

Kurz zuvor hatte auch der Vorsitzende der Präsidentenpartei PDK (Demokratische Partei des Kosovos), Kadri Veseli, bekannt gegeben, dass die Anklage gegen ihn bestätigt wurde. Er begebe sich umgehend nach Den Haag, um den Anschuldigungen entgegenzutreten, schrieb er auf der Webseite der PDK.

Vorwürfe umfassen Mord und Folter

Die vorläufige Anklage vom Juni legte den Politikern schwere Verbrechen in zehn Punkten zur Last, darunter Mord, Verfolgung und Folter. Hunderte Kosovo-Albaner, Serben, Roma und Angehörige anderer ethnischer Gruppen sowie politische Gegner gehörten der Anklage zufolge zu ihren Opfern.

Das Sondertribunal gehört formal zur Justiz des Kosovos. Es war auf internationalen Druck aber in Den Haag eingerichtet worden, um die von der kosovo-albanischen Seite begangenen Verbrechen während des Unabhängigkeitskrieges des Kosovos 1998-1999 strafrechtlich zu verfolgen. In dem Krieg gab es mehr als 10.000 Tote und Hunderttausende Vertriebene. Die meisten Opfer gingen auf das Konto der serbischen Sicherheitskräfte. Mit ihren Verbrechen beschäftigte sich das Internationale Jugoslawien-Tribunal (ICTY) in Den Haag.

Der heutige Präsident Thaçi war damals Oberkommandierender der UÇK. Viele Spitzenpolitiker bekleideten in der Miliz Kommandeursposten. Die UÇK kämpfte gegen die serbischen Sicherheitskräfte, die das hauptsächlich von Albanern bewohnte Kosovo mit Gewalt davon abhalten wollten, sich von Serbien abzuspalten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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