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Umstrittene Asylreform: Dänemark will Asylzentren im Ausland errichten

"Verstoß gegen menschliche Werte"  

Dänemark beschließt umstrittene Asylreform

03.06.2021, 17:12 Uhr | AFP

Umstrittene Asylreform: Dänemark will Asylzentren im Ausland errichten. Mette Frederiksen beim vergangenen EU-Gipfel in Brüssel: Dänemarks Ministerpräsidentin will dafür sorgen, dass keine Asylbewerber mehr in ihr Land kommen (Archivfoto). (Quelle: AP/dpa/Francisco Seco)

Mette Frederiksen beim vergangenen EU-Gipfel in Brüssel: Dänemarks Ministerpräsidentin will dafür sorgen, dass keine Asylbewerber mehr in ihr Land kommen (Archivfoto). (Quelle: Francisco Seco/AP/dpa)

Auf null will Dänemark die Zahl der Asylbewerber senken: Dafür hat das Parlament nun ein umstrittenes Gesetz verabschiedet. Doch es bleiben noch viele Fragen offen.

Das dänische Parlament hat eine umstrittene Reform ihres Asylrechtes beschlossen. Der von der sozialdemokratischen Regierung eingebrachte Text wurde am Donnerstag mit 70 zu 24 Abgeordnetenstimmen angenommen. Besonders Rechtsaußen-Parteien stellten sich hinter das Gesetz, das die Aufnahme von Flüchtlingen in Dänemark nur noch in Ausnahmefällen vorsieht. Scharfe Kritik kam von der UNO, auch die EU ging auf Distanz.

Das Gesetz sieht vor, dass Asylbewerber nach ihrer persönlichen Registrierung an der dänischen Grenze in ein Aufnahmezentrum außerhalb der Europäischen Union gebracht werden. Nur wenige Ausnahmen davon sind vorgesehen, etwa bei schweren Erkrankungen.

Wird ihnen der Flüchtlingsstatus nicht zuerkannt, würden die Migranten aufgefordert, das Drittland zu verlassen. Und auch bei einem positiven Asylbescheid müsste der Bewerber im Drittland bleiben und könnte nicht nach Dänemark reisen.

Welches Drittland macht mit?

Die Anwendung des umstrittenen Gesetzes hängt allerdings noch davon ab, ob sich Drittländer bereit erklären, ein Aufnahmezentrum für Asylbewerber bei sich einzurichten. Diese Zentren würden dann von Dänemark finanziert, aber vom Drittland verwaltet.

Bislang hat sich kein Staat bereit erklärt, eines dieser Asylzentren bei sich einzurichten, was der Regierung in Kopenhagen viel Spott einbrachte. Nach eigenen Angaben ist die Regierung aber im Gespräch mit fünf bis zehn Ländern. In dänischen Medien wurden etwa Ägypten und Äthiopien als mögliche Kandidaten genannt.

Vor allem mit Ruanda scheinen die Diskussionen fortgeschrittener zu sein. Dänemarks Migrationsminister Mattias Tesfaye hatte das zentralafrikanische Land im April besucht. Die beiden Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit im Bereich Asyl und Migration. Speziell die externe Asylbearbeitung ist darin allerdings nicht enthalten.

Kritik von allen Seiten

"Das (ruandische) Parlament hat es noch nicht diskutiert", sagte der ruandische Oppositionsabgeordnete Frank Habineza der Nachrichtenagentur AFP. "Wenn es jemals ins Parlament kommt, werde ich dagegen stimmen, weil ich es als Verstoß gegen menschliche Werte betrachte."

Ähnliche Kritik äußerte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Das Gesetz sei "unvereinbar mit den Prinzipien der internationalen Flüchtlingszusammenarbeit", sagte der UNHCR-Vertreter in den nordischen und baltischen Ländern, Henrik Nordentoft, laut der Nachrichtenagentur Ritzau. Dänemark riskiere, einen "Dominoeffekt" auszulösen; weitere Länder könnten nun ebenfalls den Schutz von Flüchtlingen stark einschränken.

Verstoß gegen EU-Recht?

Auch die EU distanzierte sich von dem Gesetz. Dieses werfe "grundlegende Fragen sowohl zum Zugang zu Asylverfahren als auch zum effektiven Zugang zu Schutz" auf, erklärte der EU-Kommissionssprecher Adalbert Jahnz. Nach europäischem Recht sei das Auslagern von Asylverfahren in Drittländer nicht möglich, betonte er.

Dänemark verfolgt seit Jahren eine äußerst restriktive Migrationspolitik. So hat die Regierung von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen das Ziel ausgegeben, die Zahl der Asylbewerber auf null zu senken. Auch der Entzug von Aufenthaltsgenehmigungen für Syrer, deren Herkunftsregionen von Kopenhagen als "sicher" eingestuft werden, sorgte zuletzt für heftige Kritik.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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