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Zivile Zukunft Sudans in der Schwebe

Von dpa
Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Demonstranten in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum skandieren Slogans gegen den Milit├Ąrputsch vom Oktober 2021.
Demonstranten in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum skandieren Slogans gegen den Milit├Ąrputsch vom Oktober 2021. (Quelle: Marwan Ali/AP/dpa./dpa)
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Khartum (dpa) - Im Sudan ist das Milit├Ąr wieder an der Macht. Doch diesmal nicht durch einen Putsch, wie es schon so oft seit der Unabh├Ąngigkeit des Landes 1956 der Fall war.

Nach wochenlangen Protesten verk├╝ndete Ministerpr├Ąsident Abdullah Hamdok, der seit 2019 das zivile Gesicht der ├ťbergangsregierung in Khartum war, am Sonntagabend im Staatsfernsehen seinen R├╝cktritt.

Der ├ľkonom, der nach 30 Jahren brutaler Diktatur die Regierungsf├╝hrung ├╝bernommen hatte und auf dem internationalen Parkett f├╝r seine Reformen gefeiert wurde, reagierte damit auf wochenlange Demonstrationen, die seinen R├╝cktritt forderten.

Milit├Ąrputsch im Herbst

Das Milit├Ąr hatte sich Ende Oktober an die Macht geputscht und Hamdok gest├╝rzt. Erst nach Druck aus dem In- und Ausland war er wieder als Regierungschef eingesetzt worden. Dazu hatte er mit dem Milit├Ąrmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan eine Vereinbarung f├╝r eine neue ├ťbergangsregierung unterzeichnet. Doch die Demonstranten forderten einen vollst├Ąndigen R├╝ckzug des Milit├Ąrs aus der Regierung und warfen Hamdok Verrat vor.

Hamdok hatte gehofft, den Konflikt zwischen den Protestierenden und den Sicherheitskr├Ąften zu entsch├Ąrfen. Stattdessen wurde er durch seine Zusammenarbeit mit dem Milit├Ąr f├╝r die Protestbewegung zum Symbol der Stagnation. So auch f├╝r 19-j├Ąhrige Studentin Umm Dahab Hassan, die seit Wochen die Proteste gegen Hamdok und das Milit├Ąr mitorganisiert. Anfangs habe sie sehr viel Hoffnung in Hamdoks Regierung gesetzt, sagt Hassan. Aber seit dem 25. Oktober habe er sich schwach gezeigt und die Agenda des Milit├Ąrs verfolgt.

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Dutzende zivile Opfer

"Er hatte eigentlich keine Wahl mehr", sagt Christine-Felice R├Âhrs, die B├╝roleiterin der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Sudan. "Er hat einfach zuviel von dem, was er erreichen wollte, nicht geschafft." So sei es Hamdok nicht gelungen, das Blutvergie├čen auf der Stra├če zu verhindern, sagt R├Âhrs. Stattdessen habe es immer mehr Tote und Verletzte gegeben. Nach Angaben des Zentralkomitees der sudanesischen ├ärzte sind seit dem Putsch fast 60 Zivilisten bei Protesten get├Âtet worden - zum Teil gezielt durch Sch├╝sse in den Kopf oder in die Brust.

Eigentlich hat Hamdok einiges f├╝r den Sudan erreicht. Nach drei Jahrzehnten Milit├Ąrherrschaft, waren es seine Reformen, durch die sich das verarmte Land Schritt f├╝r Schritt aus seiner jahrzehntelangen Isolation befreien konnte. Unter seiner F├╝hrung normalisierte der Sudan die Beziehungen zu Israel. Er verhandelte mit den internationalen Geldgebern einen milliardenschweren Schuldenerlass. Der Sudan habe eine "bemerkenswerte Leistung" erbracht, sagte UN-Generalsekret├Ąr Ant├│nio Guterres noch im September. Deutschland, die USA, Frankreich und die EU sicherten Hamdok ihre Unterst├╝tzung beim Wiederaufbau des Landes zu.

"Die Frontfigur f├╝r die Transformationsphase, der auch die internationale Gemeinschaft vertraut hat, ist jetzt weg. Es ist unklar, wer geeignet w├Ąre - oder sich unter diesen Umst├Ąnden ├╝berhaupt dazu bereit erkl├Ąren w├╝rde - als Premier und Vertreter der zivilen Seite zu ├╝bernehmen", sagt R├Âhrs.

Inflation und Armut

F├╝r viele Sudanesen zeigten Hamdoks Reformen nicht schnell genug Erfolg. Als eines der ├Ąrmsten L├Ąnder der Welt befindet sich der Sudan in einer tiefen Wirtschaftskrise. Seit Jahren liegt die Inflation im dreistelligen Bereich. In den letzten zwei Jahren seien die Preise f├╝r Grundnahrungsmittel in die H├Âhe geschossen, sagt Mahjoub Sati. Der 60-J├Ąhrige betreibt einen kleinen Lebensmittelladen im S├╝den Khartums. Er leide unter dem Stillstand und dem geringen Umsatz.

Einen neuen Regierungschef zu finden, der auf die Reformforderungen der Protestbewegung eingehen kann, ohne das Milit├Ąr vor den Kopf zu sto├čen, wird schwierig. Die Demonstranten verlangen weitreichende Reformen, die den Einfluss des Milit├Ąrs auf weite Teilen des politischen und wirtschaftlichen Lebens minimieren sollen. Das Milit├Ąr ist auch gegen die von vielen geforderte Aufarbeitung von Menschenrechtsverst├Â├čen.

Die Zukunft der ├ťbergangsregierung aus milit├Ąrischen und zivilen Vertretern, die seit 2019 an der Spitze des Landes steht, sei d├╝ster, sagt Jihad Mashamoun, ein politischer Analyst in Khartum. Der Druck der Demonstranten auf das Milit├Ąr, sich vollst├Ąndig aus der Regierung zur├╝ckzuziehen, werde mit dem R├╝cktritt weiter zunehmen, so Mashamoun. Dadurch drohe eine Schw├Ąchung Al-Burhans und ein Auseinanderfallen des Milit├Ąrs in unterschiedliche Fraktionen. F├╝r Januar sind mindestens sechs Demonstrationen angek├╝ndigt. Die n├Ąchste am Dienstag.

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