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Die vielen Probleme der franz├Âsischen Atomkraftwerke

Aktualisiert am 08.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Ein Kernkraftwerk in Cattenom: 70 Prozent der Energie Frankreichs stammt aus der Atomkraft.
Ein Kernkraftwerk in Cattenom: 70 Prozent der Energie Frankreichs stammt aus der Atomkraft. (Quelle: CHROMORANGE/imago-images-bilder)
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Frankreich setzt auf Atomenergie. Erst k├╝rzlich aber mussten mehrere Reaktoren aus Sicherheitsgr├╝nden abgeschaltet werden ÔÇô nur eines von mehreren Problemen.

Atomkraft? Oui merci! ÔÇô das ist die Devise der franz├Âsischen Regierung, um klimasch├Ądliche CO2-Emissionen zu senken. In Br├╝ssel setzt sich Frankreich daf├╝r ein, Atomkraft als nachhaltig einstufen zu lassen, um Investoren anzuziehen.

Dabei bereitet der franz├Âsische Atompark eine Menge Probleme ÔÇô von aktuellen Versorgungsschwierigkeiten bis zu einer fehlenden Strategie der Erneuerung. Ein ├ťberblick:

Wie steht es um die aktiven Atomkraftwerke?

Seit dem Abschalten des Atomkraftwerks in Fessenheim 2020 verf├╝gt Frankreich ├╝ber 56 Reaktoren an 18 Standorten. Sie produzieren knapp 70 Prozent der Energie ÔÇô mehr als in jedem anderen Land. In den vergangenen Wochen waren allerdings bis zu 17 Reaktoren gleichzeitig abgeschaltet. In den meisten F├Ąllen handelte es sich um geplante Wartungsarbeiten. Wegen der Pandemie hatten sich einige Eingriffe verz├Âgert.

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Seit Oktober wurden zudem vier der leistungsst├Ąrksten Reaktoren Frankreichs aus Sicherheitsgr├╝nden abgeschaltet. Zwei von ihnen befinden sich in Chooz nahe der belgischen Grenze, die beiden anderen im westfranz├Âsischen Civeaux. Der Betreiber EDF meldete Risse an Schwei├čn├Ąhten und Probleme mit Korrosion.

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Das Abschalten der Reaktoren f├╝hrte dazu, dass die Atomkraftwerke im Januar nur noch zwischen 43 und 51 Gigawatt statt 60 Gigawatt produzierten ÔÇô und das ausgerechnet im Winter, wo allein die Elektroheizungen etwa 30 Gigawatt erfordern. Der Netzbetreiber RTE warnte bereits davor, dass im Fall einer K├Ąltewelle Industriebetriebe heruntergefahren werden m├╝ssen oder es in Privathaushalten stundenweise zu Stromausf├Ąllen kommen k├Ânne.

Welche Zukunftsperspektive haben die Atomkraftwerke?

Frankreich will den Anteil der Atomenergie bis 2035 auf 50 Prozent verringern. Das bedeutet, dass die dann noch laufenden Reaktoren im Schnitt 50 Jahre alt sind. Die Atomaufsicht hat bereits eine Verl├Ąngerung der Laufzeiten f├╝r einen Teil der Reaktoren von 40 auf 50 Jahre mit Auflagen genehmigt.

Der Rechnungshof dr├Ąngt darauf, dass Frankreich sich f├╝r eine langfristige Strategie entscheidet, um die Stromproduktion zu modernisieren. Daf├╝r w├╝rden Kosten in H├Âhe von mehreren hundert Milliarden anfallen, sch├Ątzt die Beh├Ârde.

Wie weit ist der Bau des EPR-Reaktors in Flamanville?

Der Europ├Ąische Druckwasserreaktor (EPR), an dessen Entwicklung anfangs auch Siemens beteiligt war, sollte das Prestigeprojekt der franz├Âsischen Atomindustrie werden. Doch dann stiegen die Kosten von 3,3 auf mehr als 19 Milliarden Euro, und der Reaktor soll erst mit elf Jahren Versp├Ątung 2023 ans Netz gehen. Es hat mehrfach technische Probleme gegeben. Unter anderem m├╝ssen noch etwa hundert Schwei├čn├Ąhte ausgebessert werden.

Seit Dezember l├Ąuft immerhin ein EPR-Reaktor in Finnland, dessen Bau sich ebenfalls massiv verz├Âgert und verteuert hatte. In China hingegen war einer der beiden ersten in Betrieb genommenen EPR-Reaktoren im Sommer wegen eines technischen Problems vom Netz genommen worden.

Wo lagert Frankreich seinen Atomm├╝ll?

Ein gro├čer Teil des franz├Âsischen Atomm├╝lls lagert in der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague. Das Lagerbecken k├Ânnte bereits 2030 voll sein, ein weiteres Becken ist in Planung. Im lothringischen ├ľrtchen Bure befindet sich der Prototyp eines Endlagers 500 Meter unter der Erdoberfl├Ąche. Es handelt sich jedoch lediglich um ein "Labor". Der Ausbau zu einem Endlager ist noch nicht genehmigt.

Was ist Emmanuel Macrons Atomstrategie?

Macron bezeichnet Atomkraft als einen "Gl├╝cksfall" f├╝r Frankreich und verweist auf deren gute CO2-Bilanz. Er hat Investitionen in H├Âhe von einer Milliarde Euro in die Atomkraft und den Bau neuer Reaktoren versprochen. Bislang hat er sich nicht auf den Typ der neuen Reaktoren festgelegt. EDF hat bereits den Bau von sechs weiteren EPR-Reaktoren ins Auge gefasst.

Der Rechnungshof geht von einer Bauzeit von 15 Jahren pro Reaktor aus. Geforscht wird auch an neuen Mini-Reaktoren (SMR), die aber eher f├╝r den Export gedacht sind und auch fr├╝hestens 2035 einsatzf├Ąhig sein sollen.

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