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Ukrainischer Reporter Maks Levin offenbar "kaltblütig hingerichtet"


Ukrainischer Reporter offenbar "kaltblütig hingerichtet"

Von t-online, lw

22.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Maks Levin im Jahr 2018: Der ukrainische Fotograf wurde erschossen.Vergrößern des BildesMaks Levin im Jahr 2018: Der ukrainische Fotograf wurde erschossen. (Quelle: Inna Varenytsia/ap-bilder)
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Verhört, gefoltert, erschossen: Ein Bericht offenbart die grausamen Todesumstände des ukrainischen Fotografen Maks Levin im Kriegsgebiet.

Mitte März verschwand der bekannte ukrainische Fotograf und Dokumentarfilmer Maks Levin im Krieg, Anfang April wurde seine Leiche nördlich der Hauptstadt Kiew gefunden. Um seinen Tod vollumfänglich aufzuklären, reiste ein Ermittlerteam der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" in die Ukraine – und veröffentlichte nun erschreckende Details über den Fall.

In dem 16-seitigen Bericht heißt es, Levin und sein Begleiter, ein ukrainischer Soldat, seien "kaltblütig hingerichtet" worden. Vor ihrem Tod sollen sie verhört und gefoltert worden sein.

Levin wurde zuletzt am 13. März gesehen

Bereits zuvor hatte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mitgeteilt, Levin sei von russischen Soldaten erschossen worden. Der Fotograf sei unbewaffnet gewesen und von zwei Kugeln aus Kleinfeuerwaffen getroffen worden. Zudem habe er ein Presseband getragen. Die Behörde hatte nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen eines mutmaßlichen Kriegsverbrechens und zu den genauen Todesumständen Levins aufgenommen.

Der 40-Jährige war zuletzt am 13. März gesehen worden. Er hatte Bilder in dem Dorf Huta Meschyhriska gemacht, das schwer unter Beschuss stand. Seit Beginn des Krieges hatte der Journalist die Folgen der russischen Invasion mithilfe von Fotos und Videos dokumentiert.

Suche nach verlorener Drohne

Dem Bericht zufolge soll er am 10. März seine Drohne aus den Augen verloren und diese in einem Waldstück gesucht haben. Während der Suche sollen Levin und sein Begleiter, ein ukrainischer Kämpfer namens Oleksiy Tschernyschow, von russischen Soldaten beschossen worden sein. Daraufhin zogen sie sich zurück.

Am 13. März suchten Levin und Tschernyschow den Wald erneut auf, um die Drohne wiederzufinden, da der Fotograf wichtige Aufnahmen auf dem Gerät vermutete. Dann riss der Kontakt zu den beiden ab. Am 1. April wurden das ausgebrannte Auto und die beiden Leichen in dem Waldstück, rund 30 Kilometer von Kiew entdeckt. Kurz zuvor hatten sich die russischen Truppen aus dem Gebiet zurückgezogen.

14 Einschusslöcher in Auto

In dem Wrack fanden die Ermittler dem Bericht zufolge 14 Einschusslöcher. Auch Eigentum von Levin und Tschernyschow, darunter die Ausweispapiere des Soldaten, Teile seiner kugelsicheren Weste und der Helm des Fotografen, wurden demnach sichergestellt. An der Stelle, an der Levins Leichnam gefunden worden war, entdeckten die Ermittler eine Kugel, die im Boden eingegraben war.

Dieser Fund deute darauf hin, dass der Journalist wahrscheinlich durch ein oder zwei Kugeln aus nächster Nähe getötet worden sei, als er bereits am Boden lag, heißt es in dem Bericht.

Levin arbeitete für ukrainische und internationale Medien, unter anderem für die Nachrichtenagentur Reuters. "Reporter ohne Grenzen" teilte mit, Levin habe gelegentlich Informationen, die er mithilfe seiner Drohne gesammelt habe, an die ukrainischen Truppen weitergegeben. Die Organisation übergab die Ergebnisse der Untersuchung an ukrainische Ermittler.

"Kampf um verlässliche Informationen mit dem Leben bezahlt"

"Vor dem Hintergrund eines von Propaganda und Kremlzensur stark geprägten Krieges haben Maks Levin und sein Freund ihren Kampf um verlässliche Informationen mit dem Leben bezahlt", teilte der Generaldirektor von "Reporter ohne Grenzen", Christoph Deloire, mit. "Wir schulden ihnen die Wahrheit. Und wir werden kämpfen, um diejenigen zu identifizieren und zu finden, die sie hingerichtet haben." Seine Hinrichtung sei ein Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit gewesen, sagte Patrick Chauvel, einer der Autoren des Berichts.

Levin galt als sehr erfahrener Fotograf. Während der Kämpfe zwischen ukrainischen Truppen und von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine im Jahr 2014 war es ihm gelungen, aus einer eingekesselten Stadt zu fliehen, in der Hunderte ukrainische Soldaten getötet wurden. Er hinterlässt vier Kinder.

Sei Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sollen "Reporter ohne Grenzen" zufolge acht Journalisten gestorben sein. Zuletzt sorgte der Fall des französischen TV-Journalisten Frédéric Leclerc-Imhoff Mitte Mai für Aufsehen: Der 32-Jährige kam bei Sjewjerodonezk in der Ostukraine ums Leben, als er eine humanitäre Evakuierung begleitete. Der Reporter wurde von einem Bombensplitter getroffen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Verwendete Quellen
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