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Zehnjährigem Vergewaltigungsopfer wurde die Abtreibung verweigert

Von t-online, jro

Aktualisiert am 04.07.2022Lesedauer: 3 Min.
"Vergewaltiger tragen keine Kondome": Auch in Ohio wurde nach dem Urteil des Supreme Courts für das Recht auf Abtreibung demonstriert.
"Vergewaltiger tragen keine Kondome": Auch in Ohio wurde nach dem Urteil des Supreme Courts für das Recht auf Abtreibung demonstriert. (Quelle: Jason Whitman/imago-images-bilder)
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Das Oberste Gericht der USA hatte den Weg für Abtreibungsverbote frei gemacht. Nun wird ein Fall publik, wie ihn Kritiker befürchtet hatten.

Sie ist zehn Jahre alt, wurde vergewaltigt und war danach schwanger. Doch ein Schwangerschaftsabbruch wurde dem Mädchen verweigert, das berichtet die regionale Tageszeitung "Indianapolis Star" – dieser steht nach aktueller Rechtssprechung im Bundesstaat Ohio, wo die Zehnjährige lebt, unter Strafe.

Fälle wie dieser waren befürchtet worden: Vor rund einer Woche hatte der Supreme Court in den Vereinigten Staaten das wegweisende Urteil "Roe v. Wade" aufgehoben und damit das US-weite Recht auf Schwangerschaftsabbrüche gekippt. Somit war der Weg für zahlreiche erzkonservativ geführte Bundesstaaten frei, Abtreibungen zu verbieten. Dies stieß national wie international auf viel Kritik und löste massive Proteste in der Bevölkerung aus. Selbst US-Präsident Joe Biden distanzierte sich von dem Urteil des Supreme Courts.

Für die Zehnjährige wurde dem Bericht zufolge schließlich doch noch eine Lösung gefunden: Nachdem ihr die Abtreibung in Ohio verweigert worden war, wandte sich der Arzt des Mädchens offenbar an eine Frauenärztin im benachbarten Indiana. Dort gelten liberale Abtreibungsgesetze. Die Gynäkologin konnte die gewünschte Behandlung zwar durchführen – sie befürchtet aber, dass ihr Bundesstaat bald ähnlich restriktive Gesetze beschließen könnte, so der Bericht.

Verstärkte Nachfrage aus anderen Bundesstaaten

In Indiana berichten Mediziner seit dem Urteil des Supreme Court von einer verstärkten Nachfrage nach Abtreibungen aus benachbarten Bundesstaaten. Wir sehen eine "wahnsinnige Menge an Anfragen" aus Kentucky und Ohio, sagte eine andere Frauenärztin dem "Indianapolis Star". Ihr Angebot wollten die Klinken aber weiter für alle aufrechterhalten: "Wir tun unser Bestes, um die Verfügbarkeit und den Zugang so lange wie möglich zu verbessern, wohl wissend, dass dies nur ein vorübergehender Zeitrahmen ist, in dem wir diese Hilfe anbieten können", so die Fachärztin.

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Mädchen war wenige Tage über dem Stichtag

In Ohio ist die Abtreibung mittlerweile ab dem Punkt illegal, an dem bei dem Embryo eine Herztätigkeit nachgewiesen werden kann. Das ist üblicherweise nach sechs Wochen der Fall. Im Fall der Zehnjährigen bestand die Schwangerschaft nach Aussage ihrer Ärzte für sechs Wochen und drei Tage, als ihr der Abbruch verweigert wurde.

In Indiana kann ein solcher Eingriff bis zur 22. Woche erfolgen. Ausnahmen sieht das Gesetz in Ohio nur für den Fall einer lebensgefährlichen Bedrohung durch die Schwangerschaft vor – nicht für Opfer einer Vergewaltigung.

Andere Bundesstaaten könnten bald nachziehen

Seine volle Wirksamkeit konnte die Gesetzgebung Ohios erst durch die Entscheidung des Supreme Court am 24. Juni 2022 entfalten. Nachdem das Grundsatzurteil "Roe v. Wade" aus dem Jahr 1973 gekippt worden war, hatte der Oberste Gerichtshof von Ohio dem Bundesstaat grünes Licht für die Durchsetzung des Abtreibungsverbotes nach der sechsten Schwangerschaftswoche gegeben.

Auch in Indiana erwarten Beobachter eine Verschärfung des Abtreibungsrechts. In dem republikanisch regierten Bundesstaat kommt Ende Juli die Generalversammlung in einer Sondersitzung zusammen – das Thema steht auf der Tagesordnung. Führende Republikaner kündigten Maßnahmen "zum weiteren Schutz des Lebens" an. "Pro-Leben" nennen sich in den USA die Abtreibungsgegner.

Im Weißen Haus arbeitet man unterdessen an einem Weg, das Urteil des Supreme Courts überflüssig zu machen. Dafür müsste ein landesweites Recht auf Abtreibungen im US-Senat beschlossen werden. Noch fehlt den Demokraten aber die nötige Mehrheit von 60 der 100 Sitze. Im November sind Wahlen – Abtreibungen dürften somit wohl zum Wahlkampfthema werden.

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Von Patrick Diekmann
  • Luis Reiß
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