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Russischer Menschenrechtler Osetschkin berichtet von Anschlagsversuch


Im französischen Exil
Anschlagsversuch auf russischen Menschenrechtler

Von t-online, mk

Aktualisiert am 20.09.2022Lesedauer: 3 Min.
Der russische Menschenrechtler Wladimir Osetschkin: "Es gab eine Nachricht von Christo und seiner Quelle, die geholfen hat, den Mord zu verhindern".Vergrößern des BildesDer russische Menschenrechtler Wladimir Osetschkin: "Es gab eine Nachricht von Christo und seiner Quelle, die geholfen hat, den Mord zu verhindern". (Quelle: Screenshot/Youtube@Yulia Latynina)
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Wladimir Osetschkin kämpft gegen Folter in russischen Gefängnissen. Eine Warnung rettete ihm jetzt womöglich das Leben.

Es klingt wie ein Agentenfilm, was Wladimir Osetschkin berichtet, aber wie ein ziemlich glaubwürdiger: Der russische Menschenrechtler und seine Familie sind nach eigenen Angaben vorige Woche nur knapp einem Mordanschlag entgangen – mutmaßlich durch Putins Geheimdienst FSB. Osetschkin lebt mit Frau und Kindern im französischen Exil in Biarritz.

"Ich brachte den Kindern gerade die Teller mit dem Essen an den Tisch, als ich im Augenwinkel einen roten Punkt über das Geländer auf der Terrasse in meine Richtung huschen sah", berichtet Osetschkin im Podcast der freien Journalistin Julia Latynina. "Wir haben sofort die Lichter ausgemacht, die Kinder warfen sich auf den Boden, wir machten die Jalousien runter, Sicherheitsdienste erschienen und nahmen die Ermittlungen auf." Er habe noch mehrere Schüsse gehört, erinnert sich Osetschkin, das hätten auch Nachbarn zu Protokoll gegeben. Seine Frau und die Kinder hätten noch über eine Stunde in einem geschützten Raum verbracht.

FSB-Experte Grozev soll Osetschkin gewarnt haben

Ob der Attentäter gefasst wurde, wollte Osetschkin unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht preisgeben. Weder die französische Polizei noch die russischen Behörden haben sich bislang zu Osetschkins Bericht geäußert. Er selbst sagt, dass ihn der bulgarische Investigativjournalist und FSB-Experte Christo Grozev vor dem Anschlag gewarnt habe. Grozev ist Teil des britischen Recherchenetzwerks Bellingcat und gilt als einer der besten Kenner der russischen Geheimdienste.

"Es gab eine Nachricht von Christo und seiner Quelle, die geholfen hat, den Mord zu verhindern", so Osetschkin. "Es hieß, ein Mann mit engen Verbindungen zum FSB und zum organisierten Verbrechen habe Russland in Richtung Biarritz verlassen. Sie überredeten mich, für zwei Tage zu gehen, obwohl ich das nicht wollte." Osetschkin sei dann übers Wochenende mit der Familie in die Berge gefahren. Der Anschlag habe sich kurz nach ihrer Rückkehr ereignet.

Es wäre nicht der erste Anschlag

Plausibel erscheinen die Schilderungen Osetschkins auch vor dem Hintergrund seiner bisherigen Tätigkeit. Osetschkin ist Gründer des Portals "Gulagu.net", mit dem er sich gegen Menschenrechtsverletzungen im russischen Strafvollzug engagiert. Im Oktober 2021 etwa veröffentlichte Osetschkin auf seiner Seite 40 Gigabite an Videos, Fotos und Dokumenten, die systematische Folter in russischen Bundesgefängnissen dokumentierten. Die Aktion brachte Osetschkin auf eine Fahndungsliste der russischen Behörden. Ins französische Exil hatte sich Osetschkin schon 2015 begeben.

Es wäre nicht der erste Anschlag auf einen Kremlgegner im Ausland. Im August 2019 erschoss der frühere FSB-Oberst Vadim K. den tschetschenischen Georgier Selimchan Changoschwili im Kleinen Tiergarten in Berlin. Changoschwili hatte für die Unabhängikeit Tschetscheniens von Russland gekämpft. Im März 2018 wurden der frühere russische Agent Sergeij Skripal und dessen Tochter Yulia im englischen Exil in Salisbury mit dem Nervengift Nowitschok attackiert. Die britische Justiz ermittelt in dem Fall gegen drei Angehörige des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Schon länger zurück liegt der Giftanschlag auf den früheren FSB-Agenten und Kremlgegner Alexander Litwinenko. Litwinenko starb im November 2006 nach wochenlangen Qualen in einem Londoner Krankenhaus, nachdem ihm jemand das Strahlengift Polonium 210 verabreicht hatte. Die Bilder des ausgemergelten Litwinenko gingen damals um die Welt. Für den Anschlag machte die britische Justiz zwei russische Staatsbürger verantwortlich, die allerdings bis heute nie vor Gericht standen.

Verwendete Quellen
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