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Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican: Friedensnobelpreis – Botschaft an Trump und Kim


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Ein Nobelpreis als Botschaft an Trump und Kim

Von reuters, dpa, df

Aktualisiert am 06.10.2017Lesedauer: 3 Min.
Nach der Explosion einer französischen Atombombe im Jahr 1971 steigt ein Atompilz über dem Mururoa-Atoll auf.
Nach der Explosion einer französischen Atombombe im Jahr 1971 steigt ein Atompilz über dem Mururoa-Atoll auf. (Quelle: dpa-bilder)
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Die Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) erhält den Friedensnobelpreis. Die Chefin der Organisation interpretierte den Preis als Zeichen an aggressive Atommächte.

Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", so das norwegische Nobelkomitee. Ican habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffen bemüht.

Risiko eines Atomkriegs so groß wie lange nicht mehr

"Wir leben in einer Welt, in der das Risiko, dass Atomwaffen eingesetzt werden, größer ist, als es lange Zeit war", heißt es in der Begründung des Komitees. Der diesjährige Friedensnobelpreis sei als Aufforderung an die Atommächte zu verstehen, "ernsthafte Verhandlungen über eine schrittweise, balancierte und sorgfältig überwachte Vernichtung der fast 15.000 Atomwaffen auf der Welt zu beginnen".

Die Kampagne sah sich durch den Gewinn des Preises in ihrer Arbeit bestätigt. Die Auszeichnung sende eine Botschaft an alle Staaten, die im Besitz von Atomwaffen sind, sagte Ican-Direktorin Beatrice Fihn in einer ersten Reaktion auf die Bekanntgabe des Norwegischen Nobelkomitees.

"Wir können nicht damit drohen, Zivilsten zu schlachten"

Es sei inakzeptabel, darauf zu vertrauen, dass Atomwaffen Sicherheit bedeuteten, sagte Fihn. Ohne Nordkorea und die USA namentlich zu erwähnen, kritisierte sie die jüngsten Drohgebärden der beiden Widersacher im Konflikt um das Atomwaffenprogramm Pjöngjangs: "Wir können nicht damit drohen, wahllos Hunderttausende Zivilisten im Namen der Sicherheit zu schlachten. So baut man keine Sicherheit auf."

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Ican wurde vor zehn Jahren in Wien mit dem Ziel gegründet, einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag über die Abschaffung aller Atomwaffen zu erreichen. Der Kampagne gehören über 400 Organisationen aus der ganzen Welt an.

"Verpflichtung für eine atomwaffenfreie Welt"

Mit dem Atomwaffenverbotsvertrag, den auf der jüngsten UN-Generalversammlung im September 53 Staaten unterzeichneten, ist die Kampagne ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Aus Sicht seiner Befürworter stellt das Abkommen eine "unzweideutige politische Verpflichtung" dar, eine atomwaffenfreie Welt zu erreichen. Konkrete Maßnahmen zur nuklearen Abrüstung sieht es nicht vor. Deutschland gehört bisher nicht zu den Unterzeichnern des Vertrages.

Die Grafik zeigt, welche Staaten 2017 wie viele Atomwaffen besaßen. Die Zahlen hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelt.
Die Grafik zeigt, welche Staaten 2017 wie viele Atomwaffen besaßen. Die Zahlen hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelt. (Quelle: Statista/Sipri)

Die Bundesregierung gratulierte der Kampagne zum Erhalt des Friedensnobelpreises gratuliert: "Die Bundesregierung unterstützt das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Gleichzeitig bekräftigte die Bundesregierung aber ihre Ablehnung des von Ican unterstützten UN-Vertrags zum Verbot von Atomwaffen.

Nato kritisiert Ican-Ziel

Die vermutlich neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten - darunter Deutschland - hatten die Verhandlungen über den Vertrag boykottiert. Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, können die Verhandlungen nichts ändern. Die Nato kritisierte den UN-Vertrag sogar als kontraproduktiv. Er drohe die Weltgemeinschaft zu spalten und behindere bestehende Abrüstungsinitiativen.

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Unter die ersten Reaktionen auf die Bekanntgabe des Preisträgers mischte sich Kritik an der Bundesregierung. Der Linken-Politiker Jan van Aken sprach gar von einer "Ohrfeige" für die Regierung. "Die muss das Atomwaffenverbot nun auch unterschreiben", forderte van Aken auf Twitter. Jürgen Trittin von den Grünen schrieb, der Preis gehe "explizit nicht" an die Bundesregierung.

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Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt. Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Nur wenige Nominierungen waren im Vorhinein bekannt.

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden".

Wenige Wochen zuvor hatten Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño alias "Timochenko", Geschichte geschrieben, als sie nach Jahrzehnten des Konflikts mit mehr als 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen einen Friedensvertrag unterzeichneten.

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung anders als die anderen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Warum Nobel dies entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.

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  • Jonas Mueller-Töwe
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