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Kim Jong Un macht ein überraschendes Angebot

t-online, Finn Mayer-Kuckuk

Aktualisiert am 02.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Kim Jong-un: Der nordkoreanische Machthaber deutet an, dass sein Land Sportler zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea schicken könnte.
Kim Jong-un: Der nordkoreanische Machthaber deutet an, dass sein Land Sportler zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea schicken könnte. (Quelle: KCNA/dpa-bilder)
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In seiner Neujahrsansprache prahlt Nordkoreas Diktator Kim mit Atomwaffen. Zugleich kündigt er ein "besonderes Jahr" an. Für Experten ist das ein deutliches Signal.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat viele Beobachter durch seine Neujahrsansprache überrascht. Während er einerseits seiner Rolle treu blieb und der Welt mit seinen Atomwaffen drohte, bot er zugleich Ansatzpunkte für Gespräche an. So stellte er die Teilnahme einer nordkoreanischen Mannschaft an den olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar in Aussicht. "Wir sollten die eingefrorenen Beziehungen zwischen Süd und Nord auftauen und damit dieses bedeutungsvolle Jahr als besonderes Jahr in die Geschichte der Nation eingehen lassen", sagte Kim am Montag in Pjöngjang. Experten werten das als deutliches Signal für einen moderateren Kurs.


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Kim gab sich bei der Ansprache nicht als militärischer, sondern als ziviler Führer. Experten achten bei solchen Gelegenheiten auch auf die symbolischen Details. Der Diktator trug einen hellgrauen Anzug im westlichen Stil mit modischer, silbergrauer Krawatte, während er sonst meist in schwarzer Uniform auftritt. Er verbeugte sich vor dem Volk, wie es die kommunistischen Führer in China regelmäßig, in Nordkorea jedoch nur selten machen.

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Kim trat für seine 20-minütige Ansprache vor dem Hintergrund einer Backsteinmauer auf, an der die Symbole seines Staats angebracht sind, Hammer, Sichel und Tuschepinsel. Das Staatsfernsehen schnitt nach jedem Absatz Applaus in Kims Rede und zeigte dabei Standbilder der Mansudae-Kongresshalle, offenbar um den Eindruck zu erwecken, dass Kim die Rede direkt vor der Obersten Volksversammlung oder vor Parteikadern hält. In keiner Einstellung ist er jedoch gleichzeitig mit dem Publikum zu sehen oder zu hören. Stattdessen sind Aufnahmen von startenden Raketen, von modernen Traktoren und von vollen Geschäften dazwischen geschnitten.

Der militärische Teil der Rede nahm den meisten Raum ein. Kim prahlte damit, das gesamte Gebiet der USA jederzeit mit Kernwaffen angreifen zu können. "Das ist keine bloße Drohung, das ist die Realität." Der Atomknopf befinde sich immer in Reichweite auf seinem Schreibtisch. Die Armee befinde sich im höchsten Alarmzustand, um "Angriffe des Feindes abzuwehren". Der abschließende Aufstieg seines Landes zur Atommacht sei "das historische Ereignis des Jahres 2017" gewesen.

Kim nimmt Donald Trump den Wind aus den Segeln

Das kommunistische Nordkorea und das kapitalistische Südkorea sind seit der Teilung des Landes Ende der 1940er-Jahre verfeindet. Nordkoreas Machthaber Kim hat allein in diesem Jahr 20 Raketen testen lassen und den Bau von Atombomben vorangetrieben. Damit verfügt er sowohl über Massenvernichtungswaffen als auch über die nötigen Trägersysteme, um sie in anderen Ländern detonieren zu lassen. Experten zweifeln jedoch noch an der Zielgenauigkeit und Praxistauglichkeit der nordkoreanischen Waffensysteme.

An Kims Rede war vor allem bemerkenswert, dass er Südkorea und die bevorstehenden olympischen Spiele überhaupt erwähnt hat. Im Allgemeinen hat er es bei Anspielungen auf ein "Marionettenregime der US-Imperialisten" auf koreanischem Boden belassen, oft verbunden mit Todesdrohungen. Die Ansprache nimmt US-Präsident Donald Trump den Wind aus den Segeln – dieser hatte zuletzt einen besonders harten Kurs gegen Nordkorea angeordnet.

Der Richtungswechsel gibt zugleich Südkorea Präsident Moon Jae-in die Chance, ein Wahlversprechen einzulösen: Dieser hatte eine Entschärfung der Lage durch Annäherung und Dialog versprochen. Kim hatte ihm bisher jedoch keine Chance gegeben. Nun begrüßte die Regierung in Seoul die Rede noch am Neujahrstag. "Ein erfolgreicher Start der Spiele würde zur Stabilität auf der südkoreanischen Halbinsel und weltweit beitragen." Auch die Olympia-Organisatoren hießen die Teilnehmer aus Nordkorea noch am gleichen Tag herzlich willkommen.

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  • Arno Wölk
  • Sophie Loelke
Von Arno Wölk, Sophie Loelke
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