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USA: Mehr Selbstmörder als Gefallene bei US-Soldaten

Mehr Selbstmörder als Gefallene bei US-Soldaten

08.06.2012, 10:14 Uhr | dapd

USA: Mehr Selbstmörder als Gefallene bei US-Soldaten. US-Soldaten werden für Kampfeinsätze gedrillt - viele jedoch im entscheidenden Augenblick alleine gelassen (Quelle: Reuters)

US-Soldaten werden für Kampfeinsätze gedrillt - viele jedoch im entscheidenden Augenblick alleine gelassen (Quelle: Reuters)

Nahezu täglich nimmt sich irgendwo auf der Welt ein amerikanischer Soldat das Leben. Damit ist die Selbstmordrate im US-Militär dieses Jahr so stark angestiegen wie niemals zuvor in den vergangenen zehn Jahren.

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Experten führen eine Vielzahl von Gründen an, warum das so ist: unter anderem mehr Kampfeinsätze, posttraumatischer Stress, Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente sowie persönliche und finanzielle Probleme. Auch sexuelle Übergriffe, Alkoholmissbrauch und häusliche Gewalt kommen unter US-Soldaten im aktiven Dienst immer häufiger vor, wie aus Statistiken des Pentagons hervorgeht.

Zahl der Suizide wächst besorgniserregend

In den ersten 155 Tagen dieses Jahres nahmen sich 154 Soldaten das Leben. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Basierend auf der Entwicklung von 2001 bis 2011 hatte das Pentagon für den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. Juni mit 136,2 Selbstmorden gerechnet. Von Januar bis Mai nahmen sich 25 Prozent mehr US-Soldaten das Leben als vor zwei Jahren. Im Vergleich zu 2009, dem Jahr mit der bislang höchsten Selbstmordrate auf Jahressicht, liegt der Anstieg bei immerhin 16 Prozent.

Damit starben insgesamt mehr US-Soldaten durch die eigene Hand als bei Kämpfen in Afghanistan in der Vergangenheit, die Jahre 2008 und 2009 mitgerechnet. In die Statistiken eingeflossen sind nur die Selbstmorde von Soldaten im aktiven Dienst, Selbstmorde von Veteranen wurden nicht berücksichtigt. Aus den Daten geht hervor, dass Soldaten mit mehreren Kampfeinsätzen stärker selbstmordgefährdet sind. Zudem ist unter US-Soldaten die Ansicht weitverbreitet, dass jegliches Ersuchen um Hilfe als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird und dem beruflichen Fortkommen schadet.

Die Witwe eines Hubschrauberpiloten, der sich 2005 zwischen zwei Einsätzen im Irak erhängte, bestätigte dies. "Er hatte solche Angst davor, was die Leute über ihn denken könnten, wenn er um Hilfe bittet", sagte sie. Er habe gedacht, dass die anderen ihn für schwach oder einfach nicht Manns genug halten oder denken könnten, dass er sich vor dem Dienst drücken wolle. "Er litt an Kriegsverletzungen und Depressionen, die er jahrelang nicht behandeln ließ. Darum ist er heute tot."

Pentagon gibt sich verwundert

Das US-Verteidigungsministerium zeigte sich überrascht. Jackie Garrick, Leiterin der neu eingerichteten Abteilung für Selbstmordprävention, sagte, die jüngsten Zahlen seien besorgniserregend, denn das Pentagon habe mit weitaus weniger Selbstmorden gerechnet. In den vergangenen beiden Jahren war die Selbstmordrate leicht rückläufig gewesen.

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