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Bürgerwehren haben in den USA Hochkonjunktur

Rüsten gegen imaginären Feind  

Unter Trump haben Bürgerwehren Konjunktur

13.06.2017, 14:46 Uhr | Lisa Marie Pane, AP

Bürgerwehren haben in den USA Hochkonjunktur. Chad Carroll von der Bürgerwehr Georgia Security Force beim Training im Wald mit Tarnanzug. (Quelle: AP/dpa)

Chad Carroll von der Bürgerwehr Georgia Security Force beim Training im Wald mit Tarnanzug. (Quelle: AP/dpa)

Bürgerwehren haben in den USA schon länger Konjunktur. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben die Freizeitsoldaten fast durchgängig bejubelt. An ihrer "Mission" hat dies jedoch nichts geändert.

Die ersten beiden Runden sind ohne scharfe Munition, bei der dritten laden die Frauen und Männer der Georgia Security Force durch. In den Wäldern des US-Staats, südlich von Atlanta, üben gut ein Dutzend Mitglieder der Bürgerwehr ein Wochenende pro Monat den Kampf gegen den Feind. Der ist nicht so recht greifbar, aber die Gruppe will gewappnet sein. Sei es bei Unruhen in Zeiten wirtschaftlicher Flaute, bei Attacken von außen oder bei Angriffen auf die Rechte und eigenen Überzeugungen.

"Ich merkte den Ärger aufsteigen"

Für John DeMaria steckt der Feind in der Gesellschaft. "Ich merkte den Ärger aufsteigen, weil das System mehr und mehr ausgenutzt wird und Leute sich Rechte herausnehmen, die es nicht verdienen, überhaupt etwas zu bekommen", sagt er. Auch seine Frau ist dabei. Sie hätten bereits vor Jahren nach Gleichgesinnten gesucht, erzählt Yvette DeMaria. Die Georgia Security Force, auf die sie bei Facebook und über einen Freund gestoßen seien, habe sie überzeugt. Damals habe die Gruppe nach einem Waldbrand mit angepackt, das habe sie beeindruckt.

Die Suche der DeMarias begann etwa um die Zeit, als Barack Obama ins Weiße Haus einzog. Zwar hätten sie schon zuvor das Gefühl gehabt, dass ihr Land den falschen Weg einschlage und Militär und Ordnung nichts mehr zählten. Doch die Sorge wuchs immer mehr: Die politische Korrektheit habe Amok laufen dürfen, sagt Yvette DeMaria. Es seien Rechte geschaffen worden, die weit von den Absichten der Gründerväter der Nation entfernt seien, erklärt sie etwa mit Verweis auf die Homo-Ehe.

Derzeit gibt es rund 165 Bürgerwehren in den USA

"Wir können nicht mehr ruhig bleiben. Wir haben Stimmen. Wir müssen uns erheben", betont DeMaria. "Wir müssen Gleichgesinnte finden." Die heutigen Bürgerwehren in den USA begannen in den 1990er Jahren aus dem Boden zu sprießen, als der Demokrat Bill Clinton Präsident war. Unter seinem Nachfolger, dem Republikaner George W. Bush, ebbte die Welle ab. Doch mit dem Demokrat Obama erreichte sie einen neuen Höhepunkt. Derzeit gibt es schätzungsweise 165 Bürgerwehren in den USA, wie Ryan Lenz von der Forschungs- und Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center erklärt.

Die genaue Zahl ist schwer zu fassen. Oft handelt es sich nur um ein kleines Grüppchen, das sich zum Training im Wald trifft. Tendenziell nimmt die Aktivität nach Recherchen von Experten unter demokratischer Regierung zu und fällt unter republikanischen Präsidenten ab. Dieses Mal scheint dies aber nicht zuzutreffen.

Auch die Georgia Security Force zeigt sich erleichtert, dass Donald Trump das Rennen ums Weiße Haus machte. Ans Aufhören denkt sie aber nicht. "Viele Leute lassen in ihrer Wachsamkeit nach, weil er gewählt wurde", sagt der Bürgerwehranführer Chris Hill mit Blick auf den Wahlsieg Trumps. "Ich sage mit voller Überzeugung, dass das ein Fehler ist." Vielmehr müsse die Zeit jetzt weise genutzt werden, betont er.

Außerdem gebe es da noch die Abgeordneten, die Trump ausbremsen könnten, mahnt der Mann mit dem Kämpfernamen General BloodAgent. "Auch wenn Präsident Trump die Dinge tun kann, die er tun möchte, muss er immer noch mit dem Kongress kämpfen. Der Kongress ist immer noch das gleiche alte Kasperletheater."

"Niemand wird wütender als ein verschmähter Anhänger"

Beobachter der Bürgerwehrszene fürchten indessen, dass die Aggressivität unter Trump sogar zunehmen könnte - wenn der Präsident die Erwartungen enttäuscht. "Niemand wird wütender als ein verschmähter Anhänger", sagt James Corcoran vom Simmons College in Boston.

Die DeMarias und ihre Mitstreiter trainieren derweil weiter. Mit Walkie-Talkies durchstreifen sie den Wald von Georgia. Bei der dritten Trainingseinheit jedes Treffens laden sie ihre Schusswaffen auf. Wenn die Ziele durchlöchert sind, geht es zum geselligen Teil über: dem Lagerfeuer mit Musik und Barbecue.

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