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Massenprotest gegen Waffen in den USA: "Es sterben einfach zu viele Leute"

Massenprotest gegen Waffen  

Die Stimmen eines neuen Amerikas

25.03.2018, 12:35 Uhr
Massenprotest gegen Waffen in den USA: "Es sterben einfach zu viele Leute". Protest in Washington: Zwei Überlebende der Schießerei in Parkland, Tyra Hemans und Emma Gonzalez (Mitte), führten die Schülerdemonstraion an. (Quelle: Reuters/Aaron P. Bernstein)

Protest in Washington: Zwei Überlebende der Schießerei in Parkland, Tyra Hemans und Emma Gonzalez (Mitte), führten die Schülerdemonstraion an. (Quelle: Aaron P. Bernstein/Reuters)

Eine Jugendbewegung sagt Politik und Waffenlobby in den USA den Kampf an – und versammelt eine ganze Generation hinter sich. Hier erklären Amerikas Schüler, was sie so wütend macht.

Die Helden dieses bis vor kurzem noch unvorstellbaren Massenprotests gegen Waffen sind gleichzeitig Überlebende. Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool aus Parkland, Florida, an der im vergangenen Februar 17 Menschen bei einem Massaker starben, hielten bei der Großdemonstration am Samstag in Washington, D.C. die bewegendsten und kämpferischsten Reden.

Da ist Emma Gonzalez, deren minutenlanges Schweigen auf der Bühne zu Ehren der Opfer binnen Stunden um die Welt ging. Da ist ihr Mitschüler Cameron Kasky, der den "Skeptikern und Zynikern" entgegenrief: "Willkommen zur Revolution".

Sie selbst sind mittlerweile Stars, weil sie das Massaker an ihrer Schule vor sechs Wochen zum Anlass genommen, eine Bewegung loszutreten. Jetzt wird ihr Protest von einer ganzen Generation getragen. Daran gibt es nun keinen Zweifel mehr: In Hunderten US-Städten sammelten sie sich am Samstag, allein in der Hauptststadt Washington fanden sich Hunderttausende zusammen. Es ist der größte Waffenprotest, an den sich das Land erinnern kann.

Wer sind diese Schüler, die im Zeitalter der Schulmassaker aufgewachsen sind und, weil sie davon genug haben, jetzt der Politik und mächtigen Waffenlobby den Kampf ansagen? Wer mit ihnen spricht, spürt eine Mischung aus Wut und Entschlossenheit.

Hier erzählen sechs Schüler von ihrem Kampf, der Amerika verändern soll. 

Elijah Comas, 17 Jahre alt, aus Pennsylvania

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"Ich habe es einfach satt, dass meine Mitschüler im ganzen Land immer und immer wieder niedergeschossen werden. Unser Protest ist eine laute Anklage an die Abgeordneten und an den Präsidenten, denn zu lange haben sie einfach weggeschaut. Wir erheben doch keine verrückten Forderungen: Wir wollen, dass die Leute, die Waffen kaufen, besser überprüft werden, dass kriegsähnliche Waffen verboten werden, dass unsere Schulen sicherer werden. Wir müssen den zweiten  Verfassungszusatz [das Recht auf Waffenbesitz] neu interpretieren. Und sie sollten uns verdammt noch mal hören. Unsere Botschaft ist: Wir sind es leid. Wenn es jetzt nicht klappt, dann weiß ich auch nicht wann."

Isabella Kim, 14 Jahre alt, aus Virginia

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"An meiner Schule gibt es immer wieder Drohungen mit Amokläufen. Ich will mich als Schülerin einfach aufs Lernen konzentrieren können und nicht ständig darüber nachdenken müssen, wo ich mich verstecke, wenn jemand mal wieder eine Waffe in die Schule bringt. Ist das zu viel verlangt? Die Politiker haben schon viel zu lange versäumt, sich um uns zu kümmern. Sicher bin ich mir nicht, dass wir Erfolg haben werden, aber ich habe große Hoffnung."

Nicole Tackkenberg, 16 Jahre alt, aus Maryland

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"Die letzte Schießerei an einer Schule war am Dienstag, 30 Meilen von uns entfernt. Meine Highschool hatte letzte Woche einen lockdown, bei dem wir uns alle im Schulgebäude versammeln mussten, weil es eine Drohung gab. Ich musste schon in der Grundschule lernen, mich unter meiner Schulbank zu verstecken und still zu sein, bis die Lehrer einem sagen, dass es sicher ist. Diese Übungen begleiten mich bis heute. Zuletzt mussten wir anderthalb Stunden unter unseren Tischen hocken. Niemand hat uns gesagt, ob es eine Übung oder der Ernstfall ist. Das ist verrückt. Das ist doch in keinem anderen Land der Welt so, oder?"

Elizabeth Estifanos, 19 Jahre alt, aus Connecticut

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"Ich war 14 Jahre alt, als das Massaker von Sandy Hook passierte. Ich habe damals gar nicht so richtig verstanden, was passiert ist. Jetzt ist es anders. Wir sind die Generation, die den Pfad einschlagen muss, damit unser Land sein Denken über Waffen ändert. Dass hier jeder tödliche Waffen ohne eine gründliche Überprüfung bekommt, ist doch Wahnsinn. Wo sind wir denn noch sicher? Nirgends. Die Politiker zünden Nebelkerzen. Sie sprechen über psychische Probleme der Täter, wie jetzt in Parkland. Aber die Tatsache ist, dass der Täter ganz leicht an eine halbautomatische Waffe gelangen konnte. Wir müssen diese Waffen verbieten. Wird es so weit kommen? Ich weiß es nicht, aber ich weiß: Wir müssen es versuchen."

Elizabeth Eachus, 18 Jahre alt, aus Virginia

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"Ich weiß, wirkliche Veränderung braucht Zeit. Aber wir müssen diesen Moment nutzen, weil jeder über das Thema spricht und jetzt so viele Bürger für Waffenreformen sind wie seit langem nicht. Das Problem ist, dass viele gar nicht genügend Informationen darüber haben, was die Verbreitung von Waffen in unserem Land anrichtet. Daran ist die NRA Schuld und unsere Waffenkultur. Ich werde in diesem Jahr zum ersten Mal wählen und die Waffenfrage ist ganz entscheidend dafür, wem ich meine Stimme gebe."

Sergio Gonzalez, 17 Jahre alt, aus Florida

 (Quelle: t-online/Fabian Reinbold) (Quelle: Fabian Reinbold/t-online)

"Es sterben hier einfach zu viele Leute. Und daran sind die Politiker schuld. Die Gouverneure, die Abgeordneten, auch der Präsident, sie alle haben seit Jahren nichts getan. Ich werde bald 18 und meine Botschaft an die Politiker lautet: Ich werde gegen Euch stimmen, wenn Ihr nicht auf unserer Seite seid. Ich habe ein paar Tage Schule verpasst, um aus Florida hierher zu kommen, aber das ist es allemal wert. Für mich ist klar, dass die halbautomatischen AR-15-Waffen verboten werden müssen. Wir alle ahnen: Wenn es jetzt nicht passiert, wird es wohl nie passieren."

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