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Wie sich Trump in einen Rausch redete

Von Fabian Reinbold, Washington

03.03.2019Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump mit Fahne: "Ich halte mich nicht mehr an Manuskript"
Donald Trump mit Fahne: "Ich halte mich nicht mehr an Manuskript" (Quelle: Carolyn Kaster/ap-bilder)
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Nach seiner Nordkorea-Pleite meldet sich Donald Trump wieder zu Wort: Er hält die längste und wildeste Rede seiner Präsidentschaft. Unser Korrespondent war dabei.

Als er gerade die Zwei-Stunden-Marke überschreitet, fällt Donald Trump selbst auf, dass er die Zeit längst vergessen hat. Mehrere Dutzend Zuschauer verlassen bereits den großen Ballsaal, und weil die Ausgänge nur auf der linken Seite liegen, kann man die kleinen Schlangen, die sich dorthin schleichen, nicht übersehen.

Mann, habe ich lange gesprochen, sagt Trump sinngemäß, aber es sei kein Mensch vorzeitig gegangen. Er verneint also das, was gerade alle im Raum gesehen haben. "Morgen werdet ihr lesen, es seien Leute vorzeitig gegangen. Aber es ist niemand vorzeitig gegangen!"

Mit dieser offensichtlichen Unwahrheit beendet Donald Trump die längste, die wildeste Rede seiner Präsidentschaft – eine, die mit großer Spannung erwartet wurde.

Denn sie war Trumps erster Auftritt in Washington, seit er am Donnerstagabend von seinem geplatzten Gipfel in Hanoi zurückgekehrt war. Dafür wählte er am Samstag einen Auftritt auf der CPAC-Konferenz, ein jährliches Treffen von Konservativen. 10.000 Politiker, Aktivisten, Medienmacher versammelten sich in einem riesigen Hotelkomplex am Ufer des Potomac vor den Toren Washingtons.

Drei Probleme

Trumps Rede war mit Spannung erwartet worden, weil der US-Präsident selbst für die Verhältnisse seiner turbulenten Präsidentschaft eine sehr problematische Woche hinter sich hat.

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  • Am Mittwoch legte sein ehemaliger Vertrauter Michael Cohen vor dem Kongress dar, wie sehr das System Donald Trump auf Lügen und Einschüchterungen beruhe und dass Trump charakterlich ungeeignet sei.
  • Am Donnerstag scheiterte seine Nordkorea-Politik vorerst auf spektakuläre Weise. Sein Gipfeltreffen mit Kim Jong Un musste abgebrochen werden – Trump flog einmal um die Welt und kehrte mit leeren Händen zurück.
  • Am Freitag musste er nach einem Aufschrei über einen Kommentar über Otto Warmbier zurückrudern, dem US-Studenten, der an den Folgen einer anderthalbjährigen Haft in Nordkorea gestorben war. Trump sagte noch in Hanoi, Nordkoreas Alleinherscher Kim Jong Un habe davon nichts gewusst, da nehme er "ihn beim Wort". Nach einer Welle der Entrüstung, nicht nur von Warmbiers Eltern, musste Trump, selten genug, einen Tweet absetzen, in dem er zurückruderte.

Wie würde Trump darauf nun reagieren? Als er die Bühne betritt, umarmt er erst einmal breit grinsend eine US-Flagge. Damit setzt er bereits den Ton. Es tut ihm gut, ein Heimspiel zu haben, und für seine Anhänger wird er eine große Show abziehen.

Trump redet sich regelrecht in einen Rausch und berauscht sich dann noch weiter, als ihm die Tatsache bewusst wird. "Ich breche mit dem Manuskript", sagt er, "so habe ich auch die Wahl gewonnen." Zu den Krisen, die diese Woche dominierten, sagt er lange gar nichts.

Nordkorea? Amtseinführung!

Er spricht schon seit einer Stunde und 56 Minuten, da kommt Trump endlich doch noch auf das Thema, das die ganze Zeit unsichtbar im Raum schwebt: Nordkorea. War nicht ganz einfach, sagt der Präsident sinngemäß. Aber das Verhältnis zu Kim Jong Un sei gut, der Prozess werde schon weitergehen. Zur Entrüstung über Warmbier wiederholt er nur, was er bereits getwittert hatte: Dass er Otto Warmbier "liebe".

Der Applaus tröpfelt nur, und Trump scheint noch keine Botschaft gefunden zu haben, mit der er das dramatische Platzen des Gipfels in Hanoi erklären kann.

Stattdessen flüchtet er sich bei seinem Auftritt vor allem in seine Lieblingsthemen, seine Befindlichkeiten und Attacken auf Lieblingsgegner.

Tatsächlich spricht Trump noch einmal ausgiebig über die Besuchermassen bei seiner Amtseinführung im Januar 2017. Er sagt, dass ihm seine eigenen Medienstrategen erklären würden, dass das niemanden mehr interessiere. Doch Trump kann nicht davon lassen. Da ist selbst der Applaus seiner Anhänger bestenfalls höflich.

"Bull-shit! Bull-shit!"

Richtig laut wird es, wenn Trump pauschal gegen jene wettert, die er als seine Gegner ausmacht. Man wolle ihn absägen, sagt Trump, mit "Bullshit". Damit meint er die Untersuchungen im Kongress und der Ermittler, etwa wegen seiner Geschäfte und seiner Verbindungen nach Russland. Der Bericht von Sonderermittler Robert Mueller wird bald erwartet. Da schwellen im Publikum im feinen Hotel "Bull-shit! Bull-shit!"-Gesänge an.

Seine Gegner attackiert Trump wie üblich auf sehr zugespitzte Art. Die Demokraten seien "krank", sie würden ihr Land nicht lieben, und so weiter und so fort.

Es ist großes Theater für die Trump-treue Blase. Nach langen Passagen, die vor allem der Unterhaltung dienen, spricht Trump im programmatischen Teil über drei Themen: seine Verhandlungen mit China – es ist das Feld, wo er noch keine Niederlage hinnehmen musste. Bislang hat er nur die Deadline für die Verhandlungen verlängert. Über die linken Demokraten, die den "Sozialismus" einführen wollten und keine Patrioten seien. Und über die Südgrenze, Einwanderung und natürlich seine Grenzmauer. Das ist bereits ein Ausblick auf die Wahlkampfthemen 2020.


Über Michael Cohen, der drei Tage zuvor vor der versammelten Nation mit Trump abgerechnet hat wie noch niemand vor ihm, verliert Donald Trump in zwei Stunden und drei Minuten kein Wort.

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