• Home
  • Politik
  • Kolumne - Fabian Reinbold
  • USA: Das sind drei unbequeme Wahrheiten ĂŒber Donald Trump – und uns


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Drei unbequeme Wahrheiten ĂŒber Trump – und uns

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 28.08.2020Lesedauer: 5 Min.
Donald und Melania Trump am Weißen Haus: Die Show kann funktionieren.
Donald und Melania Trump am Weißen Haus: Die Show kann funktionieren. (Quelle: Evan Vucci/ap-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextCorona-Herbst: Erste MaßnahmenSymbolbild fĂŒr einen TextNasa warnt vor Chinas MondplĂ€nenSymbolbild fĂŒr einen TextSchlagerstars sorgen fĂŒr SensationSymbolbild fĂŒr einen TextNawalny muss unter Putin-PortrĂ€t sitzenSymbolbild fĂŒr einen TextFußball-Traditionsklub verkauftSymbolbild fĂŒr einen TextRekordpreise fĂŒr Lufthansa-TicketsSymbolbild fĂŒr ein VideoKreuzfahrtschiff kollidiert mit EisbergSymbolbild fĂŒr einen TextNĂ€chste deutsche Wimbledon-SensationSymbolbild fĂŒr einen TextE-Mail bringt Innenminister unter DruckSymbolbild fĂŒr einen TextPrinzessin Victoria begeistert mit LookSymbolbild fĂŒr einen TextTeenager in Bayern vermisstSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserRTL-Star wĂŒtet gegen Boris BeckerSymbolbild fĂŒr einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

In den Umfragen liegt Trump hinten, doch jetzt kann der WahlkĂ€mpfer seine StĂ€rken ausspielen. Und er hat eine Lage, bei der er krĂ€ftig Öl ins Feuer gießen kann.

Donald Trump hat seine große Krönungsrede gehalten, und was soll ich Ihnen sagen: Er hat ein wahres Feuerwerk gezĂŒndet! Gut, nicht rhetorisch, aber im Anschluss ganz handfest: Raketen schossen in den Himmel ĂŒber dem Washington Monument, wie sonst am 4. Juli. Nur die Rede selbst war ein FehlzĂŒnder.


Vier Jahre PrÀsident Trump: Seine Amtszeit in Bildern

Immer wieder streitet Trump seit dem das Wahlergebnis ab. Mit mehreren Klagen versucht er die angeblich "gestohlene Wahl" zurĂŒckzugewinnen – bislang erfolglos.
Das AuszĂ€hlen der Stimmen dauerte lange. Und wĂ€hrend sich abzeichnete, dass Joe Biden die PrĂ€sidentschaftswahl gewinnen wĂŒrde, fuhr Trump auf den Golfplatz. Am 7. November erfuhr er dort dann von seiner Niederlage. Mit 46,9 Prozent verliert er gegen seinen Konkurrenten Joe Biden die US-Wahl.
+17

Ich lausche regelmĂ€ĂŸig den Reden des amerikanischen PrĂ€sidenten. Manchmal sind sie lustig, manchmal erschreckend. Diese Rede war öde. Es sprach Teleprompter-Trump, eng am Skript, ohne Leidenschaft oder Inspiration. Halbwertszeit: bis zum nĂ€chsten Twittersturm.

Die Rede fiel in eine Woche, die wie unter einem Brennglas das Amerika im Jahr 2020 zeigt. WaldbrĂ€nde und Stromausfall in Kalifornien, wĂ€hrend sich die GolfkĂŒste auf eine “nicht ĂŒberlebbare” Sturmflut einstellen sollte. In Kenosha, Wisconsin, schossen Polizisten einem Schwarzen sieben Mal in den RĂŒcken, dann brannte die Stadt, bis ein 17-jĂ€hriger Waffennarr, der allzu gern Hilfssheriff spielen wollte, zwei Demonstranten mit seinem Sturmgewehr erschoss, woraufhin die Basketballliga mitten in den Playoffs in den Streik ging.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putin hinter Gittern
Wladimir Putin ist im Westen isoliert.


Jeden Abend erstrahlte auf allen Sendern eine Parallelwelt, in der sich ein Held im Weißen Haus quasi im Alleingang gegen den drohenden Untergang der Nation stemmt: nicht gegen BrĂ€nde/Fluten/Rassismus, sondern gegen Sozialisten/Anarchisten/Gottlose.

WĂ€hrend draußen in der Wirklichkeit jeden Tag mehr als tausend Amerikaner an Covid starben, war in der Parallelwelt Corona lĂ€ngst besiegt, Polizeigewalt nur ein Fiebertraum der Linken, Donald Trump der grĂ¶ĂŸte KĂ€mpfer fĂŒr Wahrheit, Frauen und Schwarze. Kalenderwoche 35, Jahr 2020, Vereinigte Staaten von Amerika.

Offiziell trug das allabendliche Programm den Titel “Republican National Convention”. Faktisch war es nicht der Parteitag der Republikaner, sondern die große Trump-Show, in der die Partei ihr Wahlprogramm auf die zwei Worte Donald und Trump eindampfte und wie eine Sekte ihrem AnfĂŒhrer huldigte.

Es wĂ€re ein Spaß, Ihnen das Absurde dieser Veranstaltung in den schönsten BlĂŒten zu schildern, aber es gibt eine wichtigere Geschichte: Ich will Ihnen erklĂ€ren, warum ich fĂŒrchte, dass diese Show sogar funktioniert. Der Kontrast war klar, die Botschaften simpel, dafĂŒr sind Parteitage hier gedacht.

Wie zum Teufel können die Amerikaner nach allem, was passiert ist, noch einmal Trump wĂ€hlen, haben Sie gefragt, liebe Leserinnen und Leser. Hier meine drei unbequemen Wahrheiten ĂŒber Donald Trump und uns.

Erstens: Er hat keine AnhĂ€nger, er hat JĂŒnger. Wer dem Trump-Kult verfallen ist, sieht nur noch Schwarz und Weiß: Bösewichte bei den Demokraten, Medien und sonstigen Eliten, die nur dafĂŒr leben, den einsamen Helden Trump zu erlegen. Trump hat hier, in gegenseitiger Befruchtung mit Fox News und Verschwörungstheoretikern, eine eigene RealitĂ€t geschaffen. Er kann diese UnterstĂŒtzung nicht verlieren, weil sich seine treuen AnhĂ€nger in einer Parallelwelt eingenistet haben, in der es andere Bedrohungen gibt (etwa: linke Gesinnungspolizei statt Klimawandel).

Sie sehen in Trump jemanden, der es genauso falsch findet wie sie, dass Amerika weniger weiß und christlich wird, und beim Wandel krĂ€ftig auf die Bremse tritt. Trump bestĂ€tigt jene, die Amerika weiterhin fĂŒr das allerbeste Land auf Erden halten. Ein Drittel der WĂ€hler hat er so unverrĂŒckbar an seiner Seite. Trump, die “LĂŒge auf zwei Beinen” (Biograf Michael D'Antonio), sprach also die Wahrheit, als er sagte: Er könnte jemanden auf der Fifth Avenue erschießen und wĂŒrde keine Stimme verlieren.

Zweitens: Es gibt viele, die Trump durchschauen, aber ihn dennoch wĂ€hlen. Sie sind diejenigen, die wir ĂŒbersehen, wenn wir nur auf Trumps schlechte Zustimmungswerte blicken. Sie mĂŒssen ihn ja nicht gut benoten, um bei ihm ihr Kreuz zu machen. Sie leben oft in den VorstĂ€dten, sind gut ausgebildet. FĂŒr sie waren viele Botschaften auf dem Parteitag gedacht. Das SchĂŒren von Angst vor gewaltsamen Protesten – “Niemand ist sicher in Joe Bidens Amerika” – die Warnung vor Joe Bidens angeblichen SteuerplĂ€nen. Die Botschaft: Ihr mĂŒsst Trump nicht mögen, aber er beschĂŒtzt euch und euren Wohlstand.

Ein Anruf in der Vorstadt, bei einem Jugendfreund von mir. Er sagte es so: “Will ich, dass meine Kinder wie Trump werden? Auf keinen Fall! Aber er macht Politik fĂŒr mich.” Mein Bekannter nennt sich libertĂ€r, er will wenig Staat und keine hohen Steuern nach Washington ĂŒberweisen. Er wird wieder fĂŒr Trump stimmen.

Drittens: Trump hat uns dressiert. Er ist ein Meister darin, die geballte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sie zu fesseln. Er setzt die Themen, haut die Unwahrheiten und die LĂŒgen in die Welt, denen Öffentlichkeit, Faktenchecker und Gegner dann hinterherhecheln. Tagein, tagaus, ganz ohne Parteitag, per Tweet, mit jedem Auftritt. Im großen Trump-Zirkus ist er GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Hauptattraktion und Dompteur zugleich, und wir verrichten in der Manege brav das einstudierte KunststĂŒck.

Die Folgen: Zum einen kann er ĂŒber das Dauerfeuer sein Zerrbild von Joe Biden verbreiten – wovor dessen Team mĂ€chtig Angst hat. Gibt es Empörung ĂŒber das, was er tut oder sagt, zahlt das auf sein GeschĂ€ftsmodell ein: Seht her, wie unfair mich die Medien behandeln. Und schließlich zerfließt jede GrenzĂŒberschreitung, die bei jedem anderen PrĂ€sidenten ein Skandal wĂ€re, in einem Brei aus den nĂ€chsten GrenzĂŒberschreitungen, der kommenden Attacke, der grĂ¶ĂŸeren LĂŒge. Die Folge: allgemeine Erschöpfung und Resignation.

Ein Beispiel: Es war natĂŒrlich schamlos, wie Trump das Weiße Haus Tag fĂŒr Tag als BĂŒhne beim Parteitag nutzte, also verbotenerweise das RegierungsgeschĂ€ft mit dem ParteigeschĂ€ft vermengte. Das wĂŒrde jedem anderen PrĂ€sidenten wohl einen Untersuchungsausschuss einbrocken. Ob irgendetwas daraus folgt?

Interessieren Sie sich fĂŒr die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

WĂ€hrend der nicht einfach wegzutwitternden Corona- und Wirtschaftskrise und dem anhaltenden Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt steht Trumps Methode Dauerbeschuss vor ihrer grĂ¶ĂŸten BewĂ€hrungsprobe.

Was tut er jetzt? Vor das eine Feuer, Pandemie, zieht er einen Sichtschutz – wer keine Symptome hat, soll nicht mehr getestet werden. Beschlossen wurde es, wĂ€hrend der zustĂ€ndige Experte Anthony Fauci fĂŒr eine OP unter Narkose lag. So sollen die lĂ€stigen Fallzahlen runtergehen, nur weiß man dann noch weniger darĂŒber, wo das Virus gerade tobt.

Auf das andere Feuer, Rassismusprotest, gießt er krĂ€ftig Öl: Je mehr bei Protesten nun zu Bruch geht, desto besser fĂŒr ihn. Kellyanne Conway, die scheidende Kommunikationsberaterin, machte es in ihren letzten Tagen im Weißen Haus noch einmal klar. Je mehr Gewalt, desto besser fĂŒr uns. (Sie formulierte es nur einen Tick vornehmer: “Je mehr Chaos, Anarchie, Vandalismus und Gewalt herrschen, desto besser fĂŒr die sehr klare Wahl, wer der beste Kandidat fĂŒr Sicherheit und Recht und Ordnung ist.“)

Loading...
Loading...
Loading...

Verantwortung ĂŒbernehmen? Nein, lieber ausschlachten. Trumps Hoffnung ist jetzt, dass die Zustimmung zu "Black lives matter” sinkt, dass die ĂŒberzeugbaren WĂ€hlerinnen die Gewalt in den – ja meist von Demokraten regierten – StĂ€dten abschreckt, dass sie Trump, der nie viel fĂŒr den Rechtsstaat ĂŒbrig hatte, den Wahlkampf mit Recht und Ordnung abkaufen.

Schon jetzt sind die Umfragen nicht so eindeutig, wie manche Experten es darstellen. Ja, Biden liegt vorn, bundesweit und in den meisten SchlĂŒsselstaaten, das ist richtig und bedeutsam. Doch der Vorsprung in den umkĂ€mpften Bundesstaaten ist knapp, Trump in Schlagdistanz. Und einen PrĂ€sidenten, der ergebene JĂŒnger hat, anderen WĂ€hlern einen Deal ĂŒber Sicherheit und Wohlstand anbietet und die Methode Dauerbeschuss perfektioniert hat, den sollte niemand unterschĂ€tzen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
BrandDonald TrumpJoe BidenKalifornienMelania TrumpRepublikanerWashington
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website