Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

"Er will alle mit in den Abgrund reißen"

dpa, J√ľrgen B√§tz

Aktualisiert am 07.11.2020Lesedauer: 4 Min.
Denkw√ľrdiges Pressestatement: Donald Trump beendet am Donnerstag eine Erkl√§rung im Presseraum des Wei√üen Hauses.
Denkw√ľrdiges Pressestatement: Donald Trump beendet am Donnerstag eine Erkl√§rung im Presseraum des Wei√üen Hauses. (Quelle: Evan Vucci/ap-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Etwas ver√§ndert sich. Pr√§sident Trump w√ľtet, aber die US-Medien wollen das nicht mehr unkommentiert transportieren. Seine Betrugsvorw√ľrfe nach der Wahl gehen vielen zu weit. Es stellt sich ein neuer Ton ein.

"Twitter ist au√üer Kontrolle" ‚Äď so klingt der w√ľtende US-Pr√§sident am Freitag. Der m√§chtigste Mann der westlichen Welt kann Atomsprengk√∂pfe abfeuern lassen, aber er darf auf Twitter nicht mehr unkontrolliert jede falsche oder irref√ľhrende Behauptung √§u√üern. Und damit nicht genug: Bei Pr√§sident Donald Trumps Auftritt am Donnerstag unterbrachen mehrere US-Medien ihre Live-√úbertragungen, weil seine Vorw√ľrfe zum angeblichem Wahlbetrug so scharf wie unbelegt waren.


Die besten Bilder des Wahltags

USA, Portland: Ein Demonstrant steht neben einer brennenden US-Flagge nach einem Protestmarsch in der Wahlnacht.
USA, Beverly Hills: Polizisten stehen am Wahlabend in der Nähe von Anhängern von US-Präsident Trump.
+28

Drei Tage nach der Wahl deuten sich klare Trends an: Der Demokrat Joe Biden scheint die Wahl gewonnen zu haben, Trump schl√§gt daher umso mehr um sich, aber US-Medien wollen das ‚Äď ehrw√ľrdiges Pr√§sidentenamt hin oder her ‚Äď nicht unkritisch transportieren.

Sendepause f√ľr den Pr√§sidenten

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Sanktionen treffen jetzt auch manche deutsche Rentner
Anti-Kriegs-Demo in M√ľnchen (Symbolbild): Mit Sanktionen gegen Russland versucht der Westen, das Kriegstreiben Putins aufzuhalten.


Die nicht als besonders Trump-kritisch bekannte Zeitung "USA Today" etwa stoppte ihren Live-Stream von Trumps Pressekonferenz und l√∂schte das Video von allen Plattformen. "Unser Job ist es, die Wahrheit zu verbreiten ‚Äď nicht unbegr√ľndete Verschw√∂rungstheorien", erkl√§rte Chefredakteurin Nicole Carroll die Entscheidung des Medienhauses. "Pr√§sident Trump hat ohne Beweise behauptet, die Pr√§sidentenwahl war korrupt und von Betrug gekennzeichnet", schrieb Carroll.

Statements und Pressekonferenzen des Pr√§sidenten werden von den gro√üen US-Sendern in der Regel in voller L√§nge √ľbertragen ‚Äď unabh√§ngig von der politischen Tendenz der Medien. Doch sein Auftritt am Donnerstagabend (Ortszeit) √ľberschritt eine Grenze: Die Sender ABC, CBS, CNBC, NBC und MSNBC kappten ihr unkommentiertes Live-Signal w√§hrend Trumps Rede. "Hier sind wir wieder in der ungew√∂hnlichen Situation, den Pr√§sident der Vereinigten Staaten nicht nur zu unterbrechen, sondern den Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten auch zu korrigieren", sagte etwa MSNBC-Moderator Brian Williams.

Trump versuche nur, die gute Sendezeit am Abend daf√ľr zu nutzen, w√§hrend der laufenden Stimmausz√§hlung seine kruden Thesen zum angeblich gestohlenen Wahlsieg zu verbreiten, sagte ABC-Moderator David Muir. "Wir sind heute Abend nicht Zeugen, dass irgendjemand irgendetwas stiehlt. Das ist Demokratie, und wir haben die Menschen in Amerika gebeten, sich zu gedulden", sagte Muir.

Trump, die "fette Schildkröte"

Der Trump-kritische Sender CNN und Trumps Haussender Fox News √ľbertrugen den Auftritt in voller L√§nger live. Doch im Anschluss wirkte es bei den ‚Äď immer kritischen ‚Äď Moderatoren bei CNN fast so, als h√§tte der Kaiser aus ihrer Sicht nun endg√ľltig keine Kleider mehr. "Das ist der Pr√§sident der Vereinigten Staaten, das ist die m√§chtigste Person der Welt. Und wir sehen ihn wie eine fette Schildkr√∂te, die in der hei√üen Sonne auf dem R√ľcken liegt und um sich schl√§gt, weil er realisiert, dass seine Zeit vorbei ist", sagte Anderson Cooper. "Aber er hat es nicht akzeptiert, und jetzt will er alle mit in den Abgrund rei√üen, inklusive dieses Land", sagte Cooper.

Loading...
Symbolbild f√ľr eingebettete Inhalte

Embed

Auch beim recht neutralen Wirtschaftssender CNBC schien sich angesichts von Trumps rund 16 Minuten langem Auftritt Ratlosigkeit breit zu machen. Der Moderator Shepard Smith, der fr√ľher bei Fox News arbeitete, sagte zur Abschaltung des Live-Signals: "In meiner 30-j√§hrigen Karriere habe ich niemals einen Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten unterbrochen. Wir haben uns immer wieder davor gescheut, auch als es andere getan haben. Aber wenn irgendein anderer Mensch unsere Plattform nutzen w√ľrde, um unsere Zuschauer anzul√ľgen, dann w√ľrden wir ihn stoppen. Und ehrlich gesagt: Es reicht."

Fox News: Trump sucht alternativen Weg zum Sieg

Selbst bei dem Trump nahe stehenden Sender Fox News sagte ein Moderator nach der √úbertragung, man habe noch keine Beweise f√ľr Trumps Vorw√ľrfe gesehen. Der normalerweise auch von Trump gesch√§tzte Korrespondent des Senders im Wei√üen Haus, John Roberts, sagte, dem Pr√§sidenten werde angesichts des Stands der Stimmausz√§hlung wohl seine Niederlage bewusst. Deswegen versuche er √ľber Klagen und Prozesse, "einen alternativen Weg zu finden, das Wei√üe Haus zu behalten."

Interessieren Sie sich f√ľr die US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt √ľber seine Arbeit im Wei√üen Haus und seine Eindr√ľcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier k√∂nnen Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Selbst Trumps Lieblingsmedium, der Kurznachrichtendienst Twitter, wo er 88 Millionen Follower hat, schien dem Pr√§sidenten immer weniger Freude zu bereiten. Sein Profil dort sieht seit der Wahl wie eine Sammlung von Warnhinweisen aus. "Einige oder alle der Inhalte in diesem Tweet sind umstritten und k√∂nnten irref√ľhrend sein in Bezug auf eine Wahl oder einen gesellschaftlichen Prozess", hie√ü es in Warnhinweisen, die Trumps Nachrichten vorgeschaltet waren. Twitter schr√§nkte damit auch die M√∂glichkeit der Weiterverbreitung der Tweets ein. Trump sah darin Zensur einer liberalen Elite. "Twitter ist au√üer Kontrolle", z√ľrnte er am Freitagmorgen ‚Äď in einem Tweet.

Weitere Artikel


Der Konflikt d√ľrfte sich in den n√§chsten Wochen noch weiter zuspitzen, falls sich Bidens absehbarer Wahlsieg best√§tigen sollte. Trump ist bis zum 20. Januar weiter der rechtm√§√üige Pr√§sident ‚Äď und er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er bis zur letzten Klage um einen Sieg k√§mpfen wird. Es scheint aber so, als w√ľrden US-Medien seine teils grundlosen Behauptungen nicht mehr reflexartig transportieren wollen. Anders als die Atombomben kann Trump, der Oberbefehlshaber des US-Milit√§rs, die Medien nicht kontrollieren.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Houston
CNNDonald TrumpTwitterUSA
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f√ľr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website