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"Die m├╝ssen hinausgeworfen werden" - Zitat von 1947 oder 2015?

dpa, Von Carsten Hoefer

Aktualisiert am 12.10.2015Lesedauer: 4 Min.
Fl├╝chtlinge in Bayern 1945 und 2015
Wie sich die Bilder ├Ąhneln: Fl├╝chtlinge in Bayern 1945 und 2015. (Quelle: dpa & imago/Michael Westermann)
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Wer die aktuelle Fluchtwelle mit der Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg vergleicht, muss mit b├Âsen Reaktionen rechnen. Aber der Blick zur├╝ck zeigt, dass die Belastung f├╝r die einheimische Bev├Âlkerung damals ungleich h├Âher war als heute.

Beispiel Bayern: ein nicht enden wollender Strom von Fl├╝chtlingen, Angst vor wachsender Kriminalit├Ąt, Fremdenfeindlichkeit. "Die Fl├╝chtlinge m├╝ssen hinausgeworfen werden, und die Bauern m├╝ssen dabei tatkr├Ąftig mithelfen", heizt ein Redner die w├╝tende Stimmung bei einer Kundgebung ein.


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Eine Pegida-Demonstration im Herbst 2015? Mitnichten. Diese S├Ątze fallen am Osterfeiertag 1947 auf dem Bauerntag im bayerischen Traunstein. Das Presseecho ist gro├č. Der Redner ist Jakob Fischbacher, Mitgr├╝nder der Bayernpartei und des Bayerischen Bauernverbands.

Ihn treiben der Hass und die Angst vor ├ťberfremdung - obwohl es doch "Volksdeutsche" und keine Syrer sind, die da nach Bayern kommen. Fischbacher schimpft gar ├╝ber "Blutschande". Gemeint sind Heiraten zwischen bayerischen Bauernburschen und zugewanderten Frauen - "diese geschminkten Weibsen mit lackierten Fingern├Ągeln". Diese Spr├╝che finden gar den Weg in die Hamburger Redaktion des "Spiegel", der ausf├╝hrlich berichtet.

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"Pogrome f├╝r die Gerechtigkeit"

Es bedienten sich so viele Fremde an den bayerischen Futterkrippen, klagt einige Monate sp├Ąter Fischbachers Parteifreund Andreas Schachner in einem Brief, "dass Pogrome n├Âtig w├Ąren, um die Gerechtigkeit wiederherzustellen".

Die Massenflucht vor der Roten Armee und die anschlie├čende Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa brachte 1944 und 1945 knapp 700.000 Fl├╝chtlinge nach Bayern, 1946 folgten etwa 800.000 Menschen.

Insgesamt nahm Bayern bis 1950 1,8 Millionen Fl├╝chtlinge und Vertriebene auf; ein Bev├Âlkerungszuwachs um knapp 30 Prozent und Vielfaches der heutigen Fl├╝chtlingszahlen. Zum Vergleich: 2014 wurden knapp 26.000 Asylbewerber in Bayern untergebracht, dieses Jahr waren es bis Ende September etwa 110.000 - bei einer heute ungleich h├Âheren Gesamtbev├Âlkerung.

"Verteilungsk├Ąmpfe" wegen Mangel

Anders als heute waren Massenflucht und Vertreibung f├╝r die einheimische Bev├Âlkerung sofort mit schweren Belastungen und Einschnitten verbunden. "Gr├Â├čere und viele kleinere St├Ądte waren schwer zerst├Ârt, die Wirtschaft lag darnieder, und die Versorgung in den st├Ądtischen Zentren war zusammen gebrochen", erkl├Ąrt der Historiker Thomas Schlemmer, Spezialist f├╝r die bayerische Nachkriegsgeschichte am M├╝nchner Institut f├╝r Zeitgeschichte.

"Der Alltag war gepr├Ągt von allgegenw├Ąrtigem Mangel. Da kam es nat├╝rlich zu Verteilungsk├Ąmpfen." Denn f├╝r die Fl├╝chtlinge gab es nicht genug Platz. "Wohnungsbeschlagnahme, Einquartierung und andere Zwangsma├čnahmen f├╝hrten zu schweren Verwerfungen", berichtet Schlemmer.

Verhasst bei vielen Einheimischen war der sogenannte "Lastenausgleich": Die Vertriebenen erhielten Wiedergutmachung f├╝r ihr verlorenes Eigentum im Osten - widerwillig bezahlt von der einheimischen Bev├Âlkerung, die oft selbst schwere wirtschaftliche Verluste erlitten hatte. Die Zahler mussten die H├Ąlfte ihres Verm├Âgens abgeben, gestreckt ├╝ber drei├čig Jahre.

Da w├╝rde selbst die CSU verlieren

70 Jahre sp├Ąter ist weitgehend in Vergessenheit geraten, wie ungeheuer schwierig die Integration der Vertriebenen war. Auf die heutige Bev├Âlkerungszahl umgerechnet, w├╝rde dies bedeuten, dass 3,8 Millionen deutschsprachige Neub├╝rger zwangsweise nach Bayern umsiedeln m├╝ssten, und die Kosten durch eine 50-prozentige Verm├Âgensabgabe den Einheimischen aufgeb├╝rdet w├╝rden. M├Âglicherweise w├╝rde heutzutage damit sogar die CSU einmal eine Landtagswahl verlieren.

Zudem war die bayerische Bev├Âlkerung Fremde damals noch weit weniger gewohnt als heute. Die Sudetendeutschen standen den Bayern vergleichsweise nah, nicht jedoch Ostpreu├čen, Schlesier oder die deutschen Minderheiten vom Balkan.

Der Protestant war der Moslem von damals

Und: Die beiden gro├čen christlichen Konfessionen einte nicht die ├ľkumene, sondern trennte eine tiefe Kluft. "Es kamen bewusste Protestanten in fast 100-prozentig katholische Gegenden", sagt Schlemmer. Welche Anfeindungen sich Protestanten damals gefallen lassen mussten, k├Ânnen manche noch heute berichten: "Eine evangelisch-lutherische Frau zu heiraten, konnte dazu f├╝hren, dass zwei Familien gesprengt wurden", wei├č Schlemmer.

Und dennoch: Trotz der katastrophalen Voraussetzungen gelang die Integration - sehr viel besser, als notleidende B├╝rger und Politiker das in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu hoffen wagten.

Ein ganz wesentliches Element war naturgem├Ą├č, dass die damaligen Fl├╝chtlinge und Vertriebenen ungeachtet aller Anfeindungen und Diskriminierung Deutsche waren und ├╝ber ein vergleichbares, in vielen F├Ąllen sogar h├Âheres Bildungsniveau verf├╝gten als die Einheimischen.

Ein weiterer Faktor: Zwang. Weder B├╝rger noch bayerische Beh├Ârden hatten ein Mittel des Widerstands gegen die Anordnungen des Alliierten Kontrollrats.

Der Boom hat geholfen

Nicht zuletzt erleichterte der Boom der 1950er-Jahre die Integration ganz ungemein: "Die Bedeutung des Wirtschaftswunders ist dabei ├╝berhaupt nicht zu ├╝bersch├Ątzen", sagt Historiker Schlemmer. "Auch die Sozialpolitik hat eine Rolle gespielt. Durch Umverteilung von Verm├Âgen wurde es den Vertriebenen erm├Âglicht, eine neue Existenz aufzubauen." Es habe jedoch viele gegeben, "die vom Verlust der Heimat sowie von Flucht und Vertreibung traumatisiert waren und nie wieder auf die F├╝├če gekommen sind".

Und heute? Als Muster f├╝r die aktuelle Situation taugen die aus der Not geborenen Zwangsma├čnahmen der Nachkriegsgeschichte sicher nicht. Wohnungen zu beschlagnahmen ist so undenkbar wie eine 50-prozentige Verm├Âgensabgabe.

Doch sind die Ausgangsvoraussetzungen heute um ein Vielfaches g├╝nstiger als 1945. Und die erfolgreiche Integration der Vertriebenen zeigt zumindest, dass auch zun├Ąchst ganz unm├Âglich erscheinende Aufgaben gemeistert werden k├Ânnen.

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