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Nachruf auf Michael Jürgs: Er war der ultimative Journalist

Zum Tod von Michael Jürgs  

Er war der ultimative Journalist

Ein Nachruf von Gerhard Spörl

06.07.2019, 10:58 Uhr
Nachruf auf Michael Jürgs: Er war der ultimative Journalist. Michael Jürgs: Der Journalist ist im Alter von 74 Jahren verstorben. (Quelle: imago images/Müller-Stauffenberg )

Michael Jürgs: Der Journalist ist im Alter von 74 Jahren verstorben. (Quelle: Müller-Stauffenberg /imago images)

Journalist, Autor, Idealist – Michael Jürgs war einer der Großen der Zunft. Bewundert auch vom t-online.de-Kolumnisten Gerhard Spörl. Eine Würdigung des Ausnahme-Talents.

Es war immer ein großes Vergnügen und ein großer Vorwurf, wenn ich auf Michael Jürgs traf. Ein großes Vergnügen, weil er unter uns Journalisten ein Idealist war, der unbeirrbar an die Macht des Wortes glaubte und herrlich über Autoren und Artikel plaudern konnte. Ein Menschenfreund.

Ein großer Vorwurf, weil er immer mehr gelesen hatte und besser informiert war als ich. Da konnte er streng sein, aber auch großzügig, denn er bombardierte mich dann mit Vorschlägen, wie ich meinen erstaunlichen Mangel an Wissen wieder gut machen konnte. Der Menschenfreund als Nachhilfelehrer.

Hamburger aus Leidenschaft

Ich traf ihn öfter im letzten Zug von Berlin nach Hamburg. Er reiste nachts noch nach Hause, er war Hamburger so sehr, wie man nur sein konnte, wenn man in Ellwangen auf die Welt gekommen war. Sein Lebensgrund war Eppendorf zwischen dem Isemarkt und der "Brücke". Berlin war für ihn wichtig, keine Frage, die Musik spielte hier, doch sie ließ sich besser aus der Ferne beobachten und beschreiben.

In Hamburg hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg die großen Verlage angesiedelt, weil die britische Besatzungsmacht eine liberale Lizenzierung betrieb. In der ersten Generation waren es Axel Springer (über den Jürgs ein richtig gutes Buch schrieb), Henri Nannen (der Jürgs zum "Stern"-Chefredakteur erhob), Theo Sommer und Marion Gräfin Dönhoff, die Maßstäbe setzten. In der nächsten Generation waren es Stefan Aust, Manfred Kissinger und Michael Jürgs, die selbstverständlich linksliberalen Journalismus betrieben. Aust gründete "Spiegel TV" und war viele Jahre ein überaus erfolgreichen Chefredakteur des Blattes. Bissinger riss "Konkret" hoch, war beim "Stern", gründete die "Woche", verlegte Bücher und wurde spät zum Unternehmer.


Aust und Bissinger sind Doppelbegabungen als Journalisten und Kaufleute. Jürgs war und blieb Schreiber. Beim "Stern" flog er raus, als er Skepsis wegen der Wiedervereinigung äußerte. Fortan verfasste er Bücher, die sich auch noch gut verkauften, vor allem das über Romy Schneider, die er ziemlich gut kannte. Im Film "Drei Tage in Quiberon" ist Robert Gwisdek als der junge Michael Jürgs zu sehen, der zu einem Interview angereist war und von der zerbrechlichen, selbstzerstörerischen schönen Frau (Marie Bäumer) in den Bann gezogen wird.

Er war ein Energiebündel

Jürgs steckte immer voller Ideen. Projekte zu entwerfen und zu verfolgen, waren ihm ein Leichtes. Jedes seiner Bücher recherchierte er bis ins Kleinste und schrieb es schnell auf, weil schon das nächste drängte. Er hatte mehr Energie und mehr Einfälle als so ziemlich jeder von uns.

Als er von der Krankheit zum Tode erfuhr, zog er sich zunächst zurück. Kurz vor seinem Tode gab er Interviews und freute sich über die Ehrung für sein Lebenswerk. Er widerstand dem Tode so lange wie möglich. Nun fehlt er als der ultimative Journalist, der er war.

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