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Familiennachzug: Forscher rechnen mit 120.000 Frauen und Kindern

Familiennachzug bei Migranten  

Bisherige Zahlen offenbar weit übertrieben

19.10.2017, 17:44 Uhr | dpa

Familiennachzug: Forscher rechnen mit 120.000 Frauen und Kindern. Verheiratete Geflüchtete waren meist mit ihren Ehepartnern und Kindern nach Deutschland geflohen. (Quelle: dpa)

Verheiratete Geflüchtete waren meist mit ihren Ehepartnern und Kindern nach Deutschland geflohen. Foto: Carsten Rehder. (Quelle: dpa)

Von bis zu einer Million Angehörigen, die im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland kommen könnten, war die Rede. Nun stellt sich heraus, dass es deutlich weniger sein dürften.

Forscher rechnen beim Familiennachzug von Geflüchteten, die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind, allenfalls mit 100.000 bis 120.000 Frauen und Kindern. Diese Einschätzung deckt sich mit Zahlen, die t-online.de bereits im Juli recherchierte. Dass die Zahl deutlich das zuletzt diskutierte Volumen von einer Million Angehörigen unterschreite, liege an der Alters- und Familienstruktur der Flüchtlinge

Viele der 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen Asylbewerber seien jung und ledig, nur 46 Prozent verheiratet. Nur 43 Prozent hätten Kinder, berichtet der Migrationsforscher Herbert Brücker in einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Verheiratete Geflüchtete wiederum seien meist mit ihren Ehepartnern und Kindern nach Deutschland geflohen. Nur 27 Prozent der verheirateten Geflüchteten hätten hingegen ihre Ehepartner in dem Herkunfts- oder einem Transitland zurückgelassen.

Der Anteil der zurückgelassenen Kinder liege bei 31 Prozent, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Das Institut beruft sich dabei auf die zusammen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführte Befragung von 4800 Geflüchteten im zweiten Halbjahr 2016.

Bis zu 60.000 Menschen zusätzlich

Höher ausfallen würde die Zahl der Anspruchsberechtigten allerdings für den Fall, dass im nächsten Jahr auch Geflüchtete mit einem eingeschränkten ("subsidiären") Schutzstatus ihre Ehefrauen und Kinder nach Deutschland nachholen könnten. Der Wert würde in diesem Fall um 50.000 bis 60.000 auf voraussichtlich 150.000 bis 180.000 ansteigen, haben die Forscher ermittelt.

Für Geflüchtete mit einem subsidiären Schutz ist der Familiennachzug bis zum 15. März 2018 beschränkt. Die Umfrage habe aber gezeigt, dass auch in dieser Gruppe viele Geflüchtete gerne ihre Familien nach Deutschland nachholen würden.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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