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Coronavirus: FDP warnt vor Blutspenden-Engpass – Kritik an Bundesregierung

Kritik an Bundesregierung  

FDP warnt vor Blutspenden-Engpass in Corona-Krise

Von David Ruch

30.03.2020, 15:52 Uhr
Coronavirus: FDP warnt vor Blutspenden-Engpass – Kritik an Bundesregierung. Blutspendeaktion des DRK in Erfurt: Die FDP befürchtet Engpässe wegen der Corona-Pandemie bei der Blutbereitstellung. (Quelle: imago images)

Blutspendeaktion des DRK in Erfurt: Die FDP befürchtet Engpässe wegen der Corona-Pandemie bei der Blutbereitstellung. (Quelle: imago images)

Das Rote Kreuz ist alarmiert wegen des Rückgangs der Blutspenden inmitten der Corona-Krise. Die FDP wirft der Bundesregierung vor, untätig zu bleiben.

Die sinkende Zahl der Blutspenden in Deutschland bereitet der FDP mit Blick auf die Corona-Pandemie zunehmend Sorgen. Sie befürchtet wegen der Ausbreitung des Virus eine wachsende Zahl von Abweisungen potenzieller Spender und warnt vor Engpässen bei der Versorgung mit Blutpräparaten. Der Bundesregierung warf sie vor, trotz dieser Entwicklung tatenlos zu bleiben.

Die Partei bezieht sich mit ihrer Kritik auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion im Bundestag, die t-online.de vorliegt. Aus den Antworten geht hervor, dass die Zahl der Blutspenden seit 2011 kontinuierlich abgenommen hat – von damals rund 4,8 Millionen Spenden auf etwa 3,7 Millionen im Jahr 2018. Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus brach die Spendenbereitschaft zu Beginn der Pandemie sogar regelrecht ein. Der Blutspendedienst Nord-Ost des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnte Mitte des Monats, sollte die Spendenbereitschaft auf diesem niedrigen Niveau verharren, "wäre die Patientenversorgung innerhalb kurzer Zeit nicht mehr lückenlos abgesichert".

FDP kritisiert Spenderauswahl der Regierung

Die Liberalen kritisieren, dass die Bundesregierung trotz dieser Entwicklung an einer aus ihrer Sicht übermäßig restriktiven Spenderauswahl festhalte und sich innovativen Verfahren der Blutaufbereitung verweigere. "Die Bundesregierung sagt es selber: Die Anzahl der Vollblutspenden ist rückläufig, eine Zunahme von Rückstellungen ist zu erwarten – nur Konsequenzen zieht sie daraus keine", sagte Katrin Helling-Plahr (FDP), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, zu t-online.de.

So würde etwa innovativen Technologien, wie der Pathogeninaktivierung, bei der mögliche Bakterien im Blut abgetötet werden, die Notwendigkeit abgesprochen. Vor allem aber würde immer noch vielen homo- und bisexuellen Männern sowie transgeschlechtlichen Personen die Möglichkeit zur Blutspende genommen. Ihnen wird ein ganzes Jahr nach Geschlechtsverkehr die Spende verweigert.

Die Bundesregierung verteidigte die Spenderauswahl unter Bezug auf Daten des RKI als angemessen. Demnach bestehe bei den genannten Gruppen eine höhere Gefahr, an schweren, durch Blut übertragbaren Infektionen zu erkranken. In ihrer Antwort betonte die Bundesregierung, dass dies nicht auf die sexuelle Orientierung anspiele, sondern auf das "sexuelle Risikoverhalten" in diesen Gruppen, womit etwa der häufigere Wechsel von Sexualpartnern gemeint sein kann.

Zugleich wies die Bundesregierung in ihrer Antwort darauf hin, dass dem Rückgang bei den Blutspenden ein geringerer Bedarf an Blutpräparaten in ähnlichem Umfang gegenüberstehe, was durch verschiedene medizinische Maßnahmen erreicht worden sei. Sie sieht somit auch keine Notwendigkeit einer generellen Einführung der Pathogeninaktivierung. Die bestehenden Test- und Auswahlverfahren seien ausreichend, um die Versorgung mit Transfusionen zu gewährleisten.

Die FDP sieht dennoch Handlungsbedarf. Sie fordert die Abschaffung des Spendeverbots für homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen. Einen entsprechenden Antrag brachte sie in der vergangenen Woche in den Bundestag ein. "Angesichts der jüngsten eindringlichen Warnungen vor drohenden Engpässen ist die abwartende Haltung der Bundesregierung nicht zu rechtfertigen", erklärte Helling-Plahr. "Ich fordere die Bundesregierung auf, ein zukunftsfähiges Konzept der Versorgung mit Spenderblut vorzulegen, das nicht auf pauschale Ausgrenzungen gewisser Personengruppen setzt."

DRK: "Hoffen auf Welle der Solidarität"

Nach dem Einbruch bei den Blutspenden zu Beginn des Monats hat sich die Situation inzwischen wieder stabilisiert. In der vergangenen Woche seien viele Menschen dem Aufruf zu Spenden gefolgt, sagte ein Sprecher des Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Donnerstag. "Wir hoffen, dass die Welle der Solidarität weiter anhält."

Ähnliches berichtet das Rote Kreuz aus Nordrhein-Westfallen. Dort habe sich das Spendenaufkommen nach einer leichten Delle wieder nachhaltig gebessert und sei nun trotz oder auch gerade wegen der Coronavirus-Pandemie besonders hoch, sagte Stephan David Küpper, Sprecher des DRK Blutspendedienstes West am Montag. "Wir appellieren derzeit sogar an Spender, daran zu denken, dass wir auch in den kommenden Wochen für Kontinuität sorgen müssen", sagte Küpper.

Um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, habe das Rote Kreuz Bayern Schutzmaßnahmen getroffen, so der Sprecher. So wird bei jedem Spender die Temperatur gemessen. Grundsätzlich kann jeder, der gesund und fit ist spenden. Wer Krankheitssymptome hat oder in einem Risikogebiet war, wird zurückgewiesen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Nachrichtenagentur dpa

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