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Corona-Demo: Rentner mit trauriger Liebeserklärung an seine Frau im Heim

Von Ehefrau im Heim getrennt  

Rentner rührt bei Corona-Demo mit trauriger Liebeserklärung

19.05.2020, 16:04 Uhr
Corona-Demo: Rentner mit trauriger Liebeserklärung an seine Frau im Heim. Tränen im Interview: Alfons Blum will seine Frau wiedersehen, mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist. Deshalb ging er zu einer Demo in Gera.  (Quelle: Screenshot: ARD)

Tränen im Interview: Alfons Blum will seine Frau wiedersehen, mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist. Deshalb ging er zu einer Demo in Gera. (Quelle: Screenshot: ARD)

Von Aluhüten und Unterwanderung durch Extremisten ist oft die Rede bei den Corona-Demonstrationen. Doch darunter mischen sich auch Menschen wie ein 84-jähriger Geraer, der aus Verzweifelung weinen muss.

Ein Teilnehmer einer Demonstration gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Krise bewegt die Menschen in Deutschland: Der 84-jährige Alfons Blum aus Gera nahm teil, weil er seit acht Wochen nicht mehr bei seiner Frau im Pflegeheim sein konnte. "Ich habe immer ihr verzweifeltes, hilfesuchendes Gesicht vor mir, als ich mich beim letzten Mal von ihr verabschiedet habe", sagt er t-online.de.

In einem Beitrag der ARD war auch zu sehen, wie anderen wütenden Demonstranten sein Schicksal offensichtlich egal war. Der Ausschnitt wird in den sozialen Netzwerken rege geteilt.

"Wenn ich wieder zu ihr darf und es geht, dann werde ich vormittags und nachmittags zu ihr gehen": Alfons Blum braucht mit seinem Rollator acht Minuten bis zu dem Pflegeheim, in dem seine Frau Gisela 24 Stunden am Tag auf dem Rücken im Bett liegt. Aktuell ist das für den Rentner unerreichbar weit weg.

Nach dem Besuch völlig aufgewühlt

Seit acht Wochen hat er sie nicht mehr besuchen können, weil die Bewohner des Pflegeheimes geschützt werden sollen vor dem Virus. "Papilein", wie sie ihn nennt, darf "Mamilein", wie er sie nennt, nicht sehen. Wenn Alfons Blum davon spricht, wird seine Stimme sehr schnell brüchig.

Einmal, zur Mittagszeit, als alle anderen ruhten, habe das Personal seine Frau mit dem Bett vom dritten Stock ins Erdgeschoss gefahren in einen Raum mit offener Tür, die dann durch einen Tisch blockiert wurde. Er konnte sie von draußen für 20 Minuten sehen und musste dann wieder gehen. Das Personal sei toll, es habe ja auch ihn und seine Frau lieb gewonnen.

Nach dem Besuch, so sagte ihm eine Pflegerin, sei seine Frau für Stunden völlig aufgewühlt gewesen. Sie ist dement, durch einen Vorfall im vergangenen Sommer hat sich ihr Zustand deutlich verschlechtert. "Am 12. Juli sind wir beide gestürzt." Seine Frau auch auf den Kopf, mit schweren Folgen, seither muss sie im Bett liegen. Sie spreche wenig, Telefonieren sei keine Alternative.

"Wir haben eine fantastische Ehe geführt"

Es tut ihm erkennbar gut, mit jemandem darüber zu reden, wie sehr ihm seine Frau fehlt, wie wichtig sie ihm ist, was für eine wunderbare Frau sie ist. "Wir sind am 8. Juni 63 Jahre verheiratet und haben eine fantastische Ehe geführt. Als sie im Dezember ins Heim gekommen ist, habe ich ihr gesagt: 'Ich lass Dich nicht allein.' Ich kann ohne meinen Schatz nicht leben, das ist seelische Folter."

Deshalb ist er auch auf die Demo gegangen, sagt er. Weil ihn dieses Coronavirus auch trifft. Es war für ihn irgendwie ein Protest gegen das Virus, seine Art, dem Virus zu zeigen, was der unsichtbare Feind ihm antut. "Es trifft mich so hart", sagt Blum t-online.de. "Ich danke jedem Menschen, der mir zuhört."

Er war nicht auf der Demo, um irgendwem Vorwürfe zu machen. "Es muss wohl so sein", sagt er. Blum will keine Revolution, Blum will sein Schicksal mit anderen teilen. Es war seine erste Teilnahme an einer Demo überhaupt, und er hatte es sich anders vorgestellt. "Da waren so aggressive Menschen, meines Erachtens ging es vielen nur darum, Radau zu machen."

"Manchen ist Freiheit nicht bekommen"

Mit den Worten "Danke Merkel-Regime!" unterbrach ein anderer Demo-Teilnehmer sein Interview mit der ARD, wollte ihm erzählen, dass Influenza 2017/2018 gefährlicher gewesen sei, ließ keinen Widerspruch zu. "Ich hatte es nicht leicht auf der Demo", sagt Blum. "Man muss auch vernünftig bleiben."


Vordergründig ging es bei der Demonstration um die Einschränkungen der Freiheitsrechte. Sein Eindruck: "Manchen ist zu viel Freiheit nicht bekommen, es ist traurig, was die sich erlauben." In der DDR durfte er als Maschinenschlosser die Meisterschule nicht besuchen, sagt er, weil er West-Verwandtschaft hatte, nicht in die Partei wollte und auch nicht hinter dem Berg hielt mit seiner Meinung.

Er sei ein äußerst vorsichtiger Mensch, natürlich war er mit Maske zu dem sogenannten Corona-Spaziergang gegangen. Noch ehe er losging, war der Spaziergang schon vorbei. Andere Teilnehmer hatten sich geweigert, eine Abdeckung über Mund und Nase zu ziehen, der Versammlungsleiter sagte den Spaziergang ab.

Vage Hoffnung auf das Wiedersehen

Wenn noch einer stattfinden sollte, weiß der 84-Jährige noch nicht, ob er wieder hingehen würde. Am Rande der Demonstration hat seine Nichte mit einem Verantwortlichen der Stadt darüber sprechen können, wann die Beschränkungen für Altenheime aufgehoben werden; Thüringen erlaubt Besuche für eine Person für eine beschränkte Zeit wieder. Das Heim, in dem Blums Frau ist, aber noch nicht. Am Freitag soll er wieder anrufen, sei ihm gesagt worden. "Es wäre so ein Geschenk. Aber ich glaube noch nicht daran. Ich fürchte, es kann noch lange dauern."

Am Mittwoch wird er wieder dort sein, wie jeden Mittwoch in den vergangenen Wochen. Er wird zwei Flaschen Fruchtsaft abgeben und Pudding, den seine Frau mag. Zu Hause wird er vor ihrem Foto stehen, das im Regal steht. "Manchmal stehe ich minutenlang davor."

Verwendete Quellen:

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