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Verspielt Armin Laschet seine Chancen auf den CDU-Vorsitz?

PRO & KONTRAKritik an CDU-Mann  

"Krisenzeiten sind Kanzler-, aber keine Laschet-Zeiten"

Von Patrick Diekmann und Peter Schink

27.06.2020, 10:34 Uhr
Verspielt Armin Laschet seine Chancen auf den CDU-Vorsitz?. Armin Laschet im Plenum des Landtags in einer Box aus Plexiglas. (Quelle: dpa/Rolf Vennenbernd)

Armin Laschet im Plenum des Landtags in einer Box aus Plexiglas. (Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa)

Armin Laschet will neuer CDU-Chef werden – doch die Kritik am NRW-Ministerpräsidenten wächst. Verspielt er seine Chancen? | Von Patrick Diekmann und Peter Schink.

Noch vor Monaten galt Armin Laschet als aussichtsreicher Kandidat für den CDU-Vorsitz und damit die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer. Eine Kanzlerkandidatur? Damit absolut in Reichweite. Dann kam Corona.

Schon an dem Tag, an dem Laschet seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gab, wurde der Corona-Ausbruch im Kreis Heinsberg öffentlich. Seitdem kämpft Deutschland gegen die Pandemie – und Laschet als NRW-Ministerpräsident gegen die Krise.

In den Gesprächen mit der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten der anderen Länder war es stets Laschet, der nach dem bundesweiten Lockdown für frühe Lockerungen der Corona-Beschränkungen plädierte und vorpreschte. Zumindest bis der Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies ihn unter der Woche zwang, bundesweit als erstes Land eine Region "komplett zurückzuführen" in einen Lockdown.

Es folgte: Kritik. Die Landesregierung habe das Leben in den betroffenen Kreisen zu spät heruntergefahren. Laschet entgegnet: "Es ist eine Abwägung erforderlich." Eine gute Figur macht er dabei nicht immer. 

Verspielt Laschet durch sein Corona-Krisenmanagement die Chance auf den CDU-Vorsitz?

Patrick Diekmann

Redakteur Politik

Pro

Ja, Laschet hat seinen Vorsprung verspielt

Drei Dinge sind es, die einen CDU-Vorsitzenden und möglichen Kanzlerkandidaten ausmachen sollten und die die Menschen erwarten: Politische Führungsstärke, eine Vision für das Land und in diesen Zeiten natürlich auch ein durchdachtes Krisenmanagement. Armin Laschet hat in der Corona-Krise bislang nichts davon verkörpert – und sich damit für diese Ämter disqualifiziert.

Natürlich gibt es in dieser undurchsichtigen Lage in der Corona-Pandemie Raum für Fehler. Die richtige Balance zwischen Beschränkungen und Lockerungen zu finden, ist nahezu unmöglich. Dennoch darf ein Ministerpräsident wie Laschet gern auch mal etwas richtig machen. Stattdessen ließ Laschet in den vergangenen Monaten kein Fettnäpfchen aus und sorgte mit Fehltritten für Diskussionen und Negativschlagzeilen: mit einer verrutschten Gesichtsmaske, einem fahrigen Talkshow-Auftritt oder einer unüberlegten Äußerung zu Arbeitern in der Tönnies-Fabrik, die das Coronavirus aus Rumänien und Bulgarien eingeschleppt haben sollen.

Der Gipfel der Katastrophen: Laschet warb permanent für Lockerungen, nun musste ausgerechnet er Lockdowns in zwei NRW-Landkreisen verkünden. Ob Laschets Lockerungen dabei eine Rolle gespielt haben, interessiert dabei niemanden. Es passt einfach ins Bild, weil Laschet ohnehin wie ein angeschlagener Boxer durch die Pandemie taumelt.

Fest steht: Seinen Vorsprung hat er mehr als verspielt – zumal die Corona-Krise und ihre Folgen ganz sicher auch bei der Wahl im Dezember noch spürbar sind. Werden die CDU und die Wähler die Führung der Partei und womöglich des Landes in seine Hände legen? Ich denke: nein. Krisenzeiten sind auch immer Kanzlerzeiten. Aber keine Laschet-Zeiten.

Peter Schink

Stellvertr. Chefredakeur

Kontra

Nein, wir werden noch sehen, ob sich eine Politik bewährt

Im Dezember will die CDU einen neuen Parteivorsitzenden bestimmen. Bei einem durchschnittlichen Pegel fließen bis dahin circa 31 Billionen Liter Wasser den Rhein hinunter. Auch wenn Laschets Konkurrenten schon Morgenluft wittern – der CDU-Vorsitz wird erst in knapp sechs Monaten entschieden. Bis dahin werden wir sehen, ob sich Laschets Corona-Politik bewährt hat, ob der Mann eine Idee für Deutschlands Zukunft hat und ob er die Menschen begeistern kann.

Als Ministerpräsident hat Laschet eine große Bühne, aber in Krisenzeiten auch eine Menge Möglichkeiten, Fehler zu machen. Die Verantwortung, die er für das einwohnerreichste Bundesland trägt, ist enorm. Die Aufmerksamkeit ist hoch. Umso größer ist sie, weil Laschet in der Corona-Krise einen anderen Kurs gefahren hat als Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Viele halten ihm zu Gute, dass er die Sorgen der Menschen ernst genommen hat.

Nun ist ausgerechnet in NRW der größte aktuelle Corona-Hotspot zu finden. Laschets Schuld ist das nicht. Kritiker sagen, er habe den Lockdown zu spät ausgerufen. Doch das ist nicht, was in sechs Monaten zählt, wenn die CDU einen neuen Vorsitzenden wählt. Dann wird es darauf ankommen, wie Laschet aus der aktuellen Krise heraussteuert. Anders ausgedrückt: Der Rhein vor der Düsseldorfer Staatskanzlei hat Hochwasser. Entscheidend wird sein, dass der Deich hält.

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