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Meinung
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"Das Virus lÀsst uns keine Zeit"

  • Luis Reiß
Von Daniel Schreckenberg, Luis Reiß

Aktualisiert am 17.11.2020Lesedauer: 1 Min.
Kanzlerin Merkel: Nach dem Corona-Gipfel mit den LĂ€nderchefs Ă€ußerte sie ihre Ungeduld.
Kanzlerin Merkel: Nach dem Corona-Gipfel mit den LĂ€nderchefs Ă€ußerte sie ihre Ungeduld. (Quelle: IPON/imago-images-bilder)
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Appelle statt neuer Maßnahmen: Die LĂ€nderchefs haben eine

Mit drastischen VorschlĂ€gen ist Kanzlerin Merkel in den Bund-LĂ€nder-Gipfel am vergangenen Montag gestartet. Doch mit der Runde der MinisterprĂ€sidenten hat sie kaum einen gemeinsamen Nenner gefunden. Die Landeschefs sind ĂŒberzeugt: Noch ist es zu frĂŒh fĂŒr einen schĂ€rferen Lockdown.

  • Corona-Gipfel: Die BeschlĂŒsse im Detail


"Dass es manchmal etwas zu langsam geht, das bedauere ich", sagte Merkel am Tag danach auf einer Veranstaltung der "SĂŒddeutschen Zeitung". Es gehe um die "Vorbeugung vor dem Schlimmsten, also der Überlastung unseres Gesundheitssystems".

Das fĂŒhrt zu der Frage:

Ist es richtig, dass es noch keine neuen Corona-Maßnahmen gibt?

Pro
Luis Reiß
Luis Reiß

Ja, denn es gibt noch Hoffnung

Mindestens zwei, eher drei Wochen – erst nach dieser Zeitspanne lĂ€sst sich die Wirkung von neuen Corona-Maßnahmen solide bewerten. Dass die MinisterprĂ€sidenten die Kanzlerin jetzt auf dem Weg zu einem scharfen Lockdown ausgebremst haben, ist also vor allem vernĂŒnftig.

Wer dermaßen gravierende Eingriffe in Grundrechte vornehmen will, sollte dies auf Grundlage von felsenfesten Fakten tun. Sonst wĂ€chst das Misstrauen in der Bevölkerung bloß weiter.

Und die Fakten sehen so aus: Die tĂ€gliche Zahl der Neuinfektionen ist seit Beginn des Teil-Lockdowns immer langsamer gewachsen, an diesem Dienstag ist sie im Vergleich zur Vorwoche zum zweiten Mal in Folge rĂŒcklĂ€ufig. Das ist zwar nur ein leichtes positives Signal und lĂ€ngst noch nicht ausreichend. Aber es ist genug, um eine weitere VerschĂ€rfung der Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt kritisch zu sehen.

Schließlich besteht auch die Gefahr, dass eine VerschĂ€rfung des Lockdowns von Gerichten wieder aufgehoben wird. Ein Eingriff in Grundrechte muss immer verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sein, alle milderen Mittel mĂŒssen sich als wirkungslos entpuppt haben. 16 MinisterprĂ€sidenten sagen: Dieser Punkt ist noch nicht erreicht. Wer die gesamte deutsche Landespolitik jetzt fĂŒr verantwortungslos erklĂ€ren will, sollte auch seinen eigenen Standpunkt hinterfragen.

Kontra
Daniel Schreckenberg

Corona lĂ€sst uns keine Zeit fĂŒr SchlafmĂŒtzigkeit

Die Ergebnisse des großen Halbzeitgipfels im Corona-Teil-Lockdown fasste gestern ein Nutzer auf Twitter perfekt zusammen: "Wie wir versuchen, seit acht Monaten an die RĂŒcksicht und den gesunden Menschenverstand einer Nation zu appellieren, in der besoffen Autofahren als schlitzohriges Kavaliersdelikt gilt." Ergo: Appelle bringen nichts – es hĂ€tte neue BeschrĂ€nkungen gebraucht.

Corona lĂ€sst uns keine Zeit fĂŒr SchlafmĂŒtzigkeit. WĂ€hrend LĂ€nder wie Österreich den Ernst der Lage begriffen haben und sofort mit einem kompletten Lockdown reagieren, passiert bei uns nun erst einmal zehn Tage lang nichts. WĂ€hrenddessen fĂŒllen sich die Intensivstationen: Mehr als 3.500 Corona-Schwerstkranke werden behandelt, ĂŒber die HĂ€lfte der verfĂŒgbaren Betten ist bereits belegt.

Corona ist eine Krankheit, die fĂŒr viele nervig, aber ungefĂ€hrlich ist – und die fĂŒr einige den Tod bedeutet. Strengere Corona-Maßnahmen mögen fĂŒr viele unangenehm sein, im Vergleich zum Tod sind sie dann aber doch die bessere Alternative.

Wie es scheint, ist das schwer zu verstehen. Das zeigen all die illegalen Partys, Demos ohne Masken und Abstand, sowie all die vielen kleinen Tricksereien, mit denen Kontaktbegrenzungen unterlaufen werden. Dazu passt: Statt des Kampfes gegen das Virus waren unsere Urlaubsreisen das alles beherrschende Thema dieses Sommers.

Dass jetzt wieder nicht verschĂ€rft wurde, bedeutet am Ende wahrscheinlich, dass es in diesem Jahr ĂŒberhaupt kein Weihnachtsfest geben wird. Vielleicht hĂ€tte es die Politik mit dieser dunklen Aussicht versuchen sollen: Denn Furcht erreicht den gesunden Menschenverstand mehr als jeder gut gemeinte Appell.

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