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Laschet ist Kanzlerkandidat: CDU-Funktionär fühlt sich "hundsmiserabel"


CDU-Basis zerrissen: "Ich fühle mich hundsmiserabel"

  • Saskia Leidinger
  • Camilla Kohrs
Von Saskia Leidinger, Camilla Kohrs

Aktualisiert am 20.04.2021Lesedauer: 4 Min.
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Armin Laschet: Der NRW-Ministerpräsident wird als Kanzlerkandidat der Union antreten.
Armin Laschet: Der NRW-Ministerpräsident wird als Kanzlerkandidat der Union antreten. (Quelle: Michael Sohn/ap-bilder)
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Die CDU hat entschieden: Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union. Die Entscheidung fiel in den Führungsgremien. Die Basis aber ist aufgewühlt.

Tagelang wurde öffentlich diskutiert, Meinungsumfragen analysiert und in Nachtsitzungen gestritten. Jetzt hat Markus Söder nachgegeben: "Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union", verkündete der zur Abwechslung mal sehr ernste CSU-Chef am Dienstagmittag.


Armin Laschet – die Meilensteine des Rheinländers

Armin Laschet war Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, CDU-Vorsitzender und in der Bundestagswahl auch Spitzenkandidat der Union. Nun hat er sowohl sein Amt als Landeschef als auch den Parteivorsitz abgegeben und agiert als Bundestagsabgeordneter. Der Werdegang des Aacheners in Bildern.
Armin Laschets politischer Weg begann in der Kirche. Noch während der Schulzeit wurde er dort von einem Freund in die Junge Union (JU) eingeladen. So gehört Laschet seit 1979 der CDU an. Ehrenamtlich war er zunächst 1989 bis 2004 Ratsherr der Stadt Aachen. 1994 zog er dann in den Deutschen Bundestag ein.
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Er beschwor dabei ein gutes Miteinander. Ganz ohne Seitenhiebe aber wollte die CSU ihr Statement nicht beenden: "Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen. Aber in der Demokratie und gerade auch in der innerparteilichen Demokratie entscheidet etwas anderes, nämlich am Ende die Mehrheit", sagte CSU-Generalsekretär Blume, der direkt neben Söder stand.


Um dieses Statement richtig zu deuten, muss man wissen, was die "Herzen" und was die "Mehrheit" ist. In der Nacht zuvor, kurz vor ein Uhr am frühen Dienstagmorgen, haben die 46 Mitglieder des Bundesvorstands ihre Entscheidung getroffen: 77 Prozent stimmten für Armin Laschet, zählt man die Enthaltungen rein, immerhin noch mehr als 60 Prozent – die Mehrheit. Vielerorts regt sich nun trotzdem Kritik. Thüringens Landeschef wertete das Votum für Laschet gar als eine "Entscheidung gegen die CDU-Basis".

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"Die Stimmung ist desaströs"

Es ist das Bild, das nun viele Unterstützer des unterlegenen Kandidaten zeichnen: Die Chefs haben entschieden, nicht die "Herzen". In zahlreichen Landesverbänden hatten nämlich die Mitglieder Söder unterstützt. Dort herrscht nun vielerorts Enttäuschung und mancherorts sogar regelrechte Wut. Einige berichten gar über Parteiaustritte.


Einer davon ist Stephan Schmidt. "Diese Entscheidung nachts um fast 1 Uhr zu treffen, ist unwürdig", sagt der stellvertretende CDU-Vorsitzende in Berlin-Reinickendorf t-online. Schon zum Frühstück habe er drei E-Mails mit Austritten erhalten. Die Menschen würden sich vor den Kopf gestoßen fühlen, beklagt Schmidt. "Die Stimmung ist desaströs."

Auch Michael Ludwig ist aufgebracht. Der Vorsitzende des Kreisverbands Bitburg-Prüm und Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz sagte: "Ich fühle mich hundsmiserabel." Das Verfahren sei seiner Ansicht nach ein "Schlag ins Gesicht für die Basis", denn die hatte offenbar einen klaren Favoriten. In einer Schalte der CDU-Kreisvorsitzenden Rheinland-Pfalz sollen sich fast alle Teilnehmer für Söder ausgesprochen haben. "Es liegen Welten zwischen Führung und Basis. Man hat nicht mehr das Ohr dort, wo es sein müsste."

"Im Abklingbecken planschen"

Doch ist die Entrüstung nur ein Teil der Wahrheit. Denn bei vielen Lokal- und Regionalpolitikern herrscht auch Erleichterung, dass nun endlich ein Spitzenkandidat feststeht und der Wahlkampf beginnen kann. "Der Prozess war nötig, aber er hat zu lange gedauert", sagt etwa Günther Bergmann, Vorsitzender des Kreises Kleve in NRW. Er hat einen humorvoll gemeinten Rat: "Die Leute müssen jetzt ein bisschen im Abklingbecken planschen. Wenn die Emotionen vorbei sind, kommen auch alle wieder im Sachlichen an."

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Sepp Müller, Bundestagsabgeordneter und Mitgliederbeauftragter im CDU-Kreisverband Wittenberg, berichtet t-online von vielen positiven Rückmeldungen: "Viele sind nun erleichtert, dass die Entscheidung gefallen ist." Laschet erschließe der Partei neue Wählergruppen. Er habe nach dessen Wahl zum CDU-Vorsitzenden mehr Anfragen von Frauen bekommen, die der Partei beitreten wollen oder sogar schon beigetreten sind.

Dass die Basis nicht angehört wurde, kann er nicht bestätigen. Im Gegenteil: Es wurde intensiv diskutiert. "Ich betone auch gern dazu, dass wir in einer repräsentativen Demokratie leben." Und dieses repräsentative CDU-Gremium, der Bundesvorstand, habe nun eine eindeutige Entscheidung getroffen.

"Motivation im Wahlkampf wird schwierig"

Eindeutig waren allerdings auch die Umfragen in der Bevölkerung. Im ARD-Deutschlandtrend vom 16. April haben sich 44 Prozent der Befragten für Söder und nur 15 Prozent für Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Im ZDF-Politbarometer wurde nach der Kanzlereignung der Kandidaten gefragt. Auch hier lag Söder mit 63 zu 29 Prozent Zustimmung vorn.

Stephan Schmidt aus Berlin sorgt sich angesichts der Umfragen nicht nur um das Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl, sondern auch in Berlin, wo am selben Tag das Abgeordnetenhaus neu gewählt wird. "Derzeit ist die Motivation schmal", sagt Schmidt mit Blick auf die Mitglieder, die den Wahlkampf vor Ort betreiben. "Söder ist ein Kandidat, der die Menschen erreicht, ihre Sprache spricht und eine hohe Zustimmung hat", meint er. "Nun stehen wir unmittelbar vor Beginn des Wahlkampfs und haben uns einer wichtigen Chance beraubt."

Auch Michael Ludwig aus Bitburg-Prüm sieht deshalb einen schweren Wahlkampf auf die CDU zukommen: "Beide Kandidaten sind nun beschädigt. Nach einem solchen Verfahren wird es mit der Motivation im Wahlkampf schwierig", so der Landtagsabgeordnete. In dem Streit der vergangenen Tage sieht er aber auch etwas Positives. "Ich bekomme viele Nachrichten von Parteimitgliedern, die sich darüber freuen, dass in der CDU gestritten wird. Da verspüre ich enorme Lebenszeichen", erzählt Ludwig.

"Einer hat die Nase vorn und einer nicht"

Ob nun enttäuscht oder erfreut, ein bitterer Nachgeschmack bleibt bei vielen: das Gefühl, nicht richtig gehört worden zu sein. Maren von der Heide etwa freut sich, dass Laschet nun Spitzenkandidat ist, wünscht sich aber dennoch mehr Einfluss für die Basis. "Ich habe aber das Gefühl, dass man mehr darüber nachdenkt, wie eine getroffene Entscheidung verkauft wird, als der Basis zuzuhören", sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kreistag von Osnabrück t-online. Das Wichtigste sei nun aber, dass Laschet die Reihen in der Partei schließe. "Von unserem Kandidaten erhoffe ich mir nun Profil und eine klare Kante. Das brauchen wir, um die Wähler zu motivieren."

Auf Veränderungen pocht auch Carsten Müller, Kreisvorsitzender aus Braunschweig und Bundestagsabgeordneter. Er hat sich klar für Markus Söder positioniert, sagt aber nun: "Einer hat die Nase vorn und einer nicht, so ist das in einem Wettbewerb." Er sei froh, dass es nun eine Entscheidung gebe, hinter die sich die Partei nun geschlossen stellen müsse. Er wünscht sich trotzdem, dass die mehr als 300 Kreisvorsitzenden in Zukunft intensiver eingebunden werden.

"Der Prozess kann besser laufen", sagt Müller. Nun aber müsse man nach vorne gucken und einen kräftigen Wahlkampf absolvieren. Der Kampf zwischen den "Herzen" und der "Mehrheit", er wird wohl bis nach der Bundestagswahl warten müssen.

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Verwendete Quellen
  • Interviews mit t-online
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Von Lisa Fritsch
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