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Namibia: Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

Abkommen mit Namibia  

Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

28.05.2021, 09:33 Uhr | AFP

 (Quelle: Glomex)
Deutschland bekennt sich zu Völkermord in Namibia

Mehr als 100 Jahre sind seit den Verbrechen der Deutschen im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Genozid an.

Nach mehr als 100 Jahren: Deutschland erkennt seine Kolonialverbrechen in Namibia an. (Quelle: Euronews)


Deutschland will sich mit seiner früheren Kolonie – dem heutigen Namibia – aussöhnen. Es geht um ein Schuldeingeständnis, eine Bitte um Vergebung – und um einen Milliardenbetrag.

Deutschland wird die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen an den Herero und Nama im heutigen Namibia zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen – und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung bitten. Nach mehr als fünfjährigen Verhandlungen erzielten Deutschland und Namibia eine "Einigung über den gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte", wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag mitteilte. Als "Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids" werde Deutschland Wiederaufbauhilfen in Milliardenhöhe zahlen.

Ziel der Verhandlungen sei es gewesen, "einen gemeinsamen Weg zu echter Versöhnung im Angedenken der Opfer zu finden", erklärte Maas. Dazu gehöre, die Ereignisse der deutschen Kolonialzeit im heutigen Namibia und insbesondere die Gräueltaten in der Zeit von 1904 bis 1908 "ohne Schonung und Beschönigung" zu benennen. "Wir werden diese Ereignisse jetzt auch offiziell als das bezeichnen, was sie aus heutiger Perspektive waren: ein Völkermord", erklärte Maas.

Deutschland werde Namibia und die Nachfahren der Opfer des Völkermords mit einem "substanziellen Programm in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung" unterstützen, kündigte Maas weiter an. Bei der Gestaltung und Umsetzung des Programms würden die vom Völkermord betroffenen Gemeinschaften eine entscheidende Rolle einnehmen. Vertreter der Herero und Nama seien auf namibischer Seite auch eng in den Verhandlungsprozess eingebunden gewesen.

Maas stellt klar: Es handelt sich nicht um Reparationsleistungen

Bei den von Deutschland finanzierten Projekten soll es nach Angaben des Auswärtigen Amts auf Wunsch der namibischen Seite um die Bereiche Landreform, einschließlich Landkauf und Landentwicklung, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen.

Die Projekte in den teilweise an den Rand gedrängten Siedlungsgebieten der Herero und Nama sollen demnach zusätzlich zur bestehenden bilateralen Entwicklungszusammenarbeit laufen, die ebenfalls weitergeführt werden soll.

Maas hob hervor, dass sich aus der Anerkennung der deutschen Gräueltaten an den Herero und Nama als Völkermord keine rechtlichen Ansprüche auf Entschädigung ableiten ließen. Um Reparationen handelt es sich bei den vereinbarten finanziellen Leistungen nicht. Um diesen Punkt war während der mehr als fünfjährigen Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia lange gerungen worden.

"Gelebte Versöhnung kann nicht dekretiert werden", erklärte Maas weiter. Die Verbrechen der deutschen Kolonialherrschaft hätten die Beziehungen mit Namibia lange belastet. Einen Schlussstrich unter der Vergangenheit könne es nicht geben. "Die Anerkennung der Schuld und unsere Bitte um Entschuldigung ist aber ein wichtiger Schritt, um die Verbrechen aufzuarbeiten und gemeinsam die Zukunft zu gestalten", erklärte Maas.

Namibia – damals Deutsch-Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Kolonialherrschaft Zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama von Truppen des deutschen Kaiserreichs getötet. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Die Verhandlungen Namibias und Deutschlands über die Aufarbeitung der Kolonialverbrechen hatten 2015 begonnen, Verhandlungsführer der deutschen Seite war der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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