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Bundestag beschließt Teil-Impfpflicht: Manch einer sieht das kritisch

MEINUNGTeil-Impfpflicht beschlossen  

"In dem Fall muss ich aus der Pflege ausscheiden"

Von Mario Thieme

10.12.2021, 18:01 Uhr
Karl Lauterbach: "Das ist in keiner Weise akzeptabel, dass dort noch Menschen sterben"

Vom Mahner zum Macher: Karl Lauterbach hat seine erste Rede als Gesundheitsminister gehalten. Er macht Hoffnung auf uneingeschränkte Besuche zu Weihnachten – und erteilt der AfD eine klare Absage. (Quelle: Bundestag)

"Das ist in keiner Weise akzeptabel, dass dort noch Menschen sterben": Karl Lauterbach spricht über die berufsbezogene Impfpflicht, die nun kommen soll. (Quelle: t-online / Bundestag)


Das Ergebnis der Abstimmung im Bundestag war eindeutig: Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten votierte für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Viele Leser sehen die Entscheidung jedoch kritisch.

Es ist beschlossene Sache: Personal, das in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen, Rettungsdiensten oder ähnlichen Einrichtungen arbeitet, das mit vulnerablen Gruppen zu tun hat, muss sich gegen das Coronavirus impfen lassen. t-online wollte von seiner Leserschaft wissen, was sie darüber denkt.

In Hunderten uns erreichten Mails ist vor allem Kritik zu lesen. Diese richtet sich selten gegen das Impfen allgemein, sondern mehr gegen die Fixierung auf bestimmte Berufsgruppen. Eine Auswahl von Leserstimmen lesen Sie im Folgenden.

"Leute in solchen Einrichtungen haben eine Verpflichtung"

t-online-Leserin Maria Lindberg folgte unserem Leseraufruf und schrieb: "Ich finde es gut und richtig, dass Leute, die in solchen Einrichtungen arbeiten, geimpft sein müssen, da sie eine Verpflichtung den Patienten gegenüber haben."

"In dem Fall muss ich aus der Pflege ausscheiden"

Eine andere Meinung vertritt t-online-Leserin Judith Fels: "Ich finde es nicht richtig, eine Impfpflicht einzuführen, solange nicht weitere Impfmöglichkeiten wie beispielsweise mit den sogenannten Totimpfstoffen zur Verfügung stehen. Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, welchen Impfstoff er haben möchte. Ich bin mir auch sicher, dass wenn andere Impfstoffe verfügbar wären, sich viel mehr impfen lassen würden."

Judith Fels arbeitet selbst in der Pflege und hat über Wochen an Covid-19 erkrankte Patienten gepflegt, wie sie berichtet. Bis heute wurde sie nie positiv getestet. "Sehr schade, in dem Fall muss ich mich um eine andere Arbeit bemühen und aus der Pflege ausscheiden", kündigt sie an.

"Hoffentlich macht die neue Regierung so weiter"

"Die jetzige Pflicht zum Impfen ist längst überfällig. Auch ist es gut, dass diese Verpflichtung länderübergreifend ist, sodass nicht wieder einer dieser unsäglichen Flickenteppiche entsteht", findet t-online-Leserin Johanna Goetze. "Die dümmlichen Gegenargumente einer gewissen Partei kann man getrost als das nehmen, was sie sind: unqualifiziert. Hoffentlich macht die neue Regierung so weiter, auch in dem Tempo."

"Pflichten, die die körperliche Unversehrtheit anbelangen, sehr kritisch"

t-online-Leser Patrick Schwarz sieht die Sache anders: "Ich halte Pflichten, die die körperliche Unversehrtheit anbelangen, für sehr kritisch. Ich arbeite als Pflegedienstleitung bei einem ambulanten Pflegedienst, bei dem – inklusive mir – fast alle Mitarbeiter vollimmunisiert sind. Nun müssen sich die restlichen Mitarbeiter auch impfen lassen oder dürfen nicht mehr arbeiten."

Er berichtet von einer mittlerweile 61-jährigen Mitarbeiterin, die als Kind eine schwere Komplikation nach einer Tetanusimpfung hatte und sich seither nicht mehr impfen ließ. Ihr leuchte es nicht ein, weshalb sie sich nun impfen lassen muss, obwohl sich einige ihrer Patienten selbst nicht impfen lassen wollen.

"Ich denke, jeder der sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, hat einen persönlichen Grund dafür. Ob der für Andersdenkende jetzt nachvollziehbar ist oder nicht: Für den, der sich nicht impfen lassen möchte, ist es auf jeden Fall ein guter Grund", meint Patrick Schwarz.

"Nur eine allgemeine Impfpflicht wird helfen"

t-online-Leser Harald Hacker schreibt: "Die Entscheidungen zur Überwindung der Coronakrise durch die Legislative treffen zu lassen, sind grundsätzlich richtig. Unsere gewählten Vertreter haben die Verantwortung für republikanische Grundsatzentscheidungen nach unserer Verfassung. Wir stellen hiermit endlich wieder die parlamentarische Demokratie her. Endlich besser und richtiger als das Nichtregierungskonstrukt von Merkel mit den Ministerpräsidentenkonferenzen."

Allerdings ist seiner Ansicht nach heute eine Chance vertan und Zeit verloren worden, denn: "Nur eine allgemeine Impfpflicht wird helfen, zu einem 'normalen Leben' zurückzukommen. Mit dieser eingeschränkten Impflicht fokussieren wir eine Gruppe von Menschen, die nicht die allgemeinen Treiber der Pandemie sind. Die meisten Menschen in Deutschland arbeiten nicht in der Impfpflichtgruppe. Wir müssen alle Bürger in Deutschland erreichen, auch unsere Kinder gehören dazu."

"Diese Regelung ist überfällig"

"Ich denke, dass diese Regelung überfällig ist. Es kann nicht angehen, dass gefährdeten Menschen durch Pflegepersonal ein unnötiges Risiko entsteht, dem sie sich ja nicht entziehen können", äußert t-online-Leserin Friederike Pröpper.

Ebenso wie Harald Hacker fände sie eine generelle Impfpflicht sinnvoller. "Das Gespräch mit den unterschiedlichsten Impfgegnern zu suchen, hat ja nicht funktioniert. Wenn Menschen in ihrer spätpubertierenden Trotzhaltung bleiben, muss man ihnen eben Grenzen setzen."

"Zwei Kolleginnen halten bereits ihre Kündigungen bereit"

Eine anonyme t-online-Leserin, die als Krankenschwester arbeitet, hält die einrichtungsbezogene Impfpflicht für einen Schlag ins Gesicht. "Wir arbeiten alle schon am Limit, mit doch manchmal dürftigen Schutzkleidungen, dürfen den Frust der Patienten und Angehörigen ausbaden, haben extremen Mehraufwand auf den Stationen."

Sie hat kein Verständnis dafür, dass eine Impfpflicht nicht universell gelten soll. "Wenn, dann doch bitte alle", fordert die Leserin. Außerdem fragte sie: "Wer schützt uns denn bitte? Wir erstellen Listen, wer von den Begleitpersonen nicht geimpft ist. Ich bin erschüttert, wie viele es sind."

In ihrer Mail schildert sie: "Zwei Kolleginnen halten bereits ihre Kündigungen bereit, sollte es zu der einseitigen Impfpflicht kommen – und das, obwohl sie bereits geimpft sind. Sie empfinden es aber als Ungerechtigkeit, wie so viele. Wir können nicht alles ausbaden. Wir sind einfach erschöpft!"

Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von t-online-Lesern

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