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Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Das wurde aber auch Zeit!

Von Sebastian Sp├Ąth

Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Corona-Gipfel in Berlin: Ministerpr├Ąsidenten verk├╝nden mit Bundeskanzler Olaf Scholz die Ergebnisse ihrer Beratungen.
Corona-Gipfel in Berlin: Ministerpr├Ąsidenten verk├╝nden mit Bundeskanzler Olaf Scholz die Ergebnisse ihrer Beratungen. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/Reuters-bilder)
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Das Ergebnis des Corona-Gipfels markiert einen Paradigmenwechsel und beweist, dass es

Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ministerpr├Ąsidenten haben im Kampf gegen das Coronavirus das Werkzeug gewechselt. Obwohl die Fallzahlen drastisch steigen, bedienen sie sich nicht mehr des Vorschlaghammers ÔÇô wie so oft in der Vergangenheit. Nun kommt vielmehr ein H├Ąmmerchen zum Einsatz, der das Virus zielgerichtet bek├Ąmpft, den Menschen aber keine allgemeinen Schmerzen mehr zuf├╝gt.

Unter anderem mehr Corona-Tests soll es geben. So wie es Experten seit Langem fordern, um die Dunkelziffer zu reduzieren.

Auch sollen h├Ąufiger FFP-Masken getragen werden, etwa in der Bahn, weil sie eben besser sch├╝tzen als medizinische Masken.

Die Schwarzmaler werden sich melden

Und wer ins Restaurant will, muss geboostert oder zweifach geimpft bzw. genesen und getestet sein, weil dort das Ansteckungsrisiko tendenziell h├Âher ist.

Es ist absehbar, dass viele Kritiker nach dieser Ministerpr├Ąsidentenkonferenz tun werden, was sie eigentlich immer getan haben: schwarzmalen. Schlimm, schlimm, das reicht alles nicht, die Politik wird der Gr├Â├če der Herausforderungen nicht gerecht. Und so weiter.

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Doch wer derlei behauptet, t├Ąuscht sich. Denn die Beschl├╝sse vom Freitag sind absolut angemessen. Schlie├člich geht ihre Wirkung ├╝ber das, was auf ein paar DIN-A4-Seiten zusammengetragen wurde, hinaus: Die deutsche Politik hat sich endg├╝ltig vom Panikmodus verabschiedet und vollzieht einen Paradigmenwechsel. Der war l├Ąngst ├╝berf├Ąllig. Aber gerade bei einer Jahrhundertkrise sollte gelten: lieber sp├Ąt als nie.

Deutschland geht k├╝nftig einen pragmatischeren Weg ÔÇô wie ihn viele andere L├Ąnder schon l├Ąnger beschreiten. Und das sei den Kritikern an dieser Stelle auch gesagt: Auf einen Lockdown zu verzichten, hei├čt eben nicht Laisser-faire.

Wir sind strenger als China

Denn unter anderem die Kontaktbeschr├Ąnkungen aus dem Dezember, die bereits wegen Omikron beschlossen wurden, bleiben ja bestehen. Und glaubt man dem "Covid 19 Government Reponse Tracker" der Universit├Ąt Oxford, der die allgemeinen Eind├Ąmmungsma├čnahmen in den einzelnen Staaten miteinander vergleicht, haben wir bereits die zweith├Ąrtesten Corona-Regeln der Welt. Wir sind strenger als China! Wer also findet: Was Deutschland jetzt macht, reicht nicht, m├╝sste fast ├╝berall auf der Welt noch deutlich mehr ├ťberzeugungsarbeit leisten.

Vermutlich erfolglos. Denn l├Ąngst hat sich weltweit die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir lernen m├╝ssen, mit dem Virus zu leben. Konkret bedeutet das: Jede und jeder wird sich fr├╝her oder sp├Ąter anstecken. Das Beste ist, auf diesen Fall optimal vorbereitet zu sein ÔÇô mit einer Impfung. Auf absehbare Zeit wird es keine medizinische L├Âsung geben, die besser wirkt.

Gastst├Ątte in Hamburg: Auch Genesene und doppelt Geimpfte m├╝ssen bei Bar- und Restaurantbesuchen k├╝nftig einen Schnelltest vorlegen.
Gastst├Ątte in Hamburg: Auch Genesene und doppelt Geimpfte m├╝ssen bei Bar- und Restaurantbesuchen k├╝nftig einen Schnelltest vorlegen. (Quelle: ÔÇő Marcus Brandt/dpa-bilder)

Wozu aber sch├Ąrfere Corona-Regeln oder noch schlimmer: neuerliche Ausgangsbeschr├Ąnkungen, wenn wir mit der Booster-Impfung ein Mittel haben, das wirksam einen schweren Krankheitsverlauf auch bei Omikron verhindern kann? Die Strategie darf deshalb nicht lauten "Alles dichtmachen!", sondern es muss die Parole gelten: "Alle boostern!"

Zumal nach fast zwei Jahren Pandemie die meisten Menschen coronam├╝de sind. Die Sehnsucht nach einem weitestgehend normalen Leben wird sich immer st├Ąrker durchsetzen ÔÇô egal, wie hart die Regeln sind. Strengere Ma├čnahmen w├╝rden deshalb vor allem zu mehr Verst├Â├čen f├╝hren, aber vermutlich nicht zu einem signifikant anderen Verhalten.

Das Unverst├Ąndnis ├╝ber eine neuerliche Regelwut w├Ąre noch aus einem anderen Grund gro├č. Auch am Ende der ersten Januarwoche hat sich der Nebel bei den Fallzahlen, den wir nach Feiertagen bereits gew├Âhnt sind, noch immer nicht gelichtet. Belastbare Zahlen wird es aller Voraussicht nach erst wieder Mitte des Monats geben. Ohne eine verl├Ąssliche Basis w├Ąren sch├Ąrfere Regeln aber schon gar nicht vermittelbar.

Zumal ausgerechnet jene Zahl seit Wochen sinkt, die in dieser Pandemie seit jeher die verl├Ąsslichste ist: die Zahl der Corona-Intensivpatienten.

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