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Linke nominiert Sozialmediziner Trabert gegen Steinmeier

Von dpa
Aktualisiert am 10.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Sozialmediziner Gerhard Trabert im dpa-RedaktionsgesprÀch.
Sozialmediziner Gerhard Trabert im dpa-RedaktionsgesprÀch. (Quelle: Andreas Arnold/dpa./dpa)
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Berlin/Mainz (dpa) - Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert bewirbt sich fĂŒr die Linke um das Amt des BundesprĂ€sidenten.

Zwar hat der 65-JĂ€hrige bei der Wahl im Februar praktisch keine Chance gegen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier, der mit UnterstĂŒtzung der Regierungsparteien und der Union fĂŒr weitere fĂŒnf Jahre kandidiert. Doch hoffen Trabert und die Linke auf Aufmerksamkeit fĂŒr ihre Politik und ihre sozialen Ziele.

Die Spitzen von Partei und Fraktion beschlossen die Nominierung am Montag einstimmig, wie Linken-Chefin Janine Wissler auf Twitter schrieb. Die Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow wĂŒrdigte den parteilosen Trabert als "Menschen der Tat mit großem Herzen", Fraktionschef Dietmar Bartsch nannte ihn eine gute Wahl. Offiziell vorgestellt werden soll der Kandidat am Dienstagnachmittag.

Trabert selbst sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Meine Kandidatur steht unter dem Slogan: Mehr soziale Gerechtigkeit wagen." Viele Politiker seien weit entfernt von der LebensrealitĂ€t der EmpfĂ€nger von Transferleistungen. Sie wĂŒssten nicht, was es bedeute, von Hartz IV leben zu mĂŒssen. Es mĂŒsse Aufgabe eines BundesprĂ€sidenten sein, das Thema der Ungleichheit in Deutschland stĂ€rker zu akzentuieren.

Trabert ist Arzt und Professor fĂŒr Sozialmedizin in Mainz und GrĂŒnder des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland. Seit Jahrzehnten engagiert er sich fĂŒr die medizinische Versorgung von Obdachlosen, aber auch in der FlĂŒchtlingshilfe. GeprĂ€gt habe ihn die Bergpredigt im Neuen Testament mit ihrer radikalen NĂ€chstenliebe, sagte der Vater von vier Kindern. FĂŒr seine Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Bei der Bundestagswahl 2021 hatte er sich fĂŒr die Linke um ein Direktmandat beworben - vergeblich, aber mit beachtlichen 12,7 Prozent der Erststimmen.

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Die Bundesversammlung tritt am 13. Februar zur Wahl des BundesprĂ€sidenten zusammen. Sie wird 1472 Mitglieder zĂ€hlen - die 736 Abgeordneten des Bundestags und eine gleich große Zahl von Menschen, die die 16 Landtage entsenden. Mit den Stimmen von SPD, GrĂŒnen, FDP und CDU/CSU kann Steinmeier praktisch sicher mit einer Wiederwahl rechnen. Die Linke hat hingegen nach dpa-Recherchen nur 71 Stimmen.

FĂŒr die Partei ist es nach ihrem schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl dennoch eine Chance, im GesprĂ€ch zu bleiben. Wissler habe ihn angesprochen, ob er zu einer Kandidatur bereit sei, sagte Trabert. Eigentlich finde er, dass es höchste Zeit sei fĂŒr eine erste BundesprĂ€sidentin. Aber er sehe es als seine Pflicht an, das Thema der sozialen Ungleichheit in die öffentliche Diskussion zu bringen.

Die AfD will ebenfalls einen Kandidaten aufstellen. "Der Bundesvorstand der AfD ist sich einig, in der Bundesversammlung am 13. Februar 2022 einen eigenen Kandidaten fĂŒr das Amt des BundesprĂ€sidenten vorzuschlagen", teilte ein Sprecher am Montag nach Beratungen des Vorstandes mit. Der Kandidat werde voraussichtlich Ende Januar vorgestellt. Einzelheiten nannte der Sprecher nicht.

Oppositionsparteien haben immer wieder eigene Bewerber ins Rennen ums höchste Staatsamt geschickt, auch wenn dies aussichtslos war. Bei Steinmeiers erster Wahl zum BundesprĂ€sidenten vor fĂŒnf Jahren war es fĂŒr die Linke der Armutsforscher Christoph Butterwegge.

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