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"Bilanz des Schreckens" - Gutachten belastet Benedikt

Von dpa
Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI 2014 im Vatikan.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI 2014 im Vatikan. (Quelle: Andrew Medichini/AP/dpa./dpa)
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MĂŒnchen (dpa) - Eine neues Gutachten ĂŒber sexuellen Missbrauch im Erzbistum MĂŒnchen und Freising erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI.

Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe in seiner Zeit als MĂŒnchner Erzbischof MissbrauchstĂ€ter "mit hoher Wahrscheinlichkeit" wissentlich in der Seelsorge eingesetzt und darĂŒber die Unwahrheit gesagt. So beurteilt es die vom Bistum beauftragte Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW). In insgesamt vier FĂ€llen werfen ihm die Gutachter Fehlerverhalten vor.

Mindestens 497 Kinder und Jugendliche sind laut der am Donnerstag vorgestellten Studie zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Kirche sexuell missbraucht worden. Mindestens 235 mutmaßliche TĂ€ter gab es laut der Anwaltskanzlei - darunter 173 Priester. Allerdings sei dies nur das sogenannte Hellfeld. Es sei von einer deutlich grĂ¶ĂŸeren Dunkelziffer auszugehen. Gutachter Ulrich Wastl nannte dies eine "Bilanz des Schreckens". Der Sprecher der Opferinitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, sprach in einer Stellungnahme von einer "historischen ErschĂŒtterung" der katholischen Kirche.

"Scham und Bedauern"

Der heute 94 Jahre alte Benedikt bedauert nach den Worten seines PrivatsekretĂ€rs Georg GĂ€nswein den Missbrauch von Kirchenbediensteten an MinderjĂ€hrigen. Benedikt drĂŒcke wie bereits mehrmals zuvor "seine Scham und sein Bedauern" aus und erneuere "sein Gebet fĂŒr alle Opfer", zitierte das Medienportal "Vatican News" GĂ€nswein am Donnerstag.

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Benedikt wolle das Gutachten in den kommenden Tagen studieren und prĂŒfen, erklĂ€rte Kurienerzbischof GĂ€nswein weiter. FĂŒr den Vatikan kĂŒndigte der Sprecher des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, ebenfalls an, sich die Ergebnisse genau anschauen zu wollen.

In dem fast 2000-seitigen Gutachten heißt es, 40 Kleriker seien auch nach MissbrauchsfĂ€llen weiterhin in der Seelsorge tĂ€tig gewesen beziehungsweise sei dies geduldet worden. Bei 18 davon erfolgte dies sogar nach "einschlĂ€giger Verurteilung", wie der Jurist Martin Pusch sagte. Insgesamt seien bei 43 Klerikern "gebotene Maßnahmen mit Sanktionscharakter" unterblieben.

Verantwortliche in MĂŒnchen

DafĂŒr verantwortlich - auch das macht das Gutachten klar - sind aus Sicht der AnwĂ€lte vor allem die MĂŒnchner Bischöfe und Generalvikare und damit auch der spĂ€tere Papst Benedikt XVI., der von 1977 bis 1982 Erzbischof von MĂŒnchen und Freising war.

Fehlverhalten in vier FĂ€llen halten die AnwĂ€lte Ratzinger vor. In zwei davon soll er Priester, bei denen er "ĂŒberwiegend wahrscheinlich" von ihrer Missbrauchsvergangenheit wusste, nach Bayern geholt haben. In allen FĂ€llen habe Benedikt ein Fehlverhalten strikt zurĂŒckgewiesen. Seine 82 Seiten lange Stellungnahme ist im Anhang des Gutachtens zu lesen, das inzwischen auf der Internetseite der Kanzlei veröffentlicht wurde.

In einem dieser FÀlle geht es um einen Priester, der im Ausland rechtskrÀftig wegen Missbrauchs verurteilt worden war, in einem anderen um den bekannten Fall eines Priesters aus Essen, der trotz VorfÀllen in Nordrhein-Westfalen in Bayern wieder als Seelsorger mit Kindern und Jugendlichen arbeitete.

Sagt Ratzinger nicht die Wahrheit?

Besonders brisant: Die Gutachter gehen davon aus, dass Ratzinger in Bezug auf die FĂ€lle nicht die Wahrheit gesagt hat. Denn laut der Studie legt ein Sitzungsprotokoll nahe, dass er - anders als er selbst behauptet - 1980 als Erzbischof von MĂŒnchen sehr wohl bei dem heiklen Treffen dabei war, bei dem beschlossen wurde, dass der Priester nach Bayern ĂŒbersiedeln soll. Der Geistliche missbrauchte dort spĂ€ter erneut Kinder und wurde dafĂŒr rechtskrĂ€ftig verurteilt. Der Jurist Wastl sagte, er halte Benedikts Angabe, er sei in dieser Sitzung nicht anwesend gewesen, fĂŒr "wenig glaubwĂŒrdig".

Auch Ratzingers direktem Nachfolger als MĂŒnchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, wirft das Gutachten Fehlverhalten in 21 FĂ€llen vor. Wetter habe die FĂ€lle zwar nicht bestritten, ein Fehlverhalten seinerseits aber schon, sagte Pusch. Dem amtierenden Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird Fehlverhalten in zwei FĂ€llen vorgeworfen. Es gehe dabei um Meldungen an die Glaubenskongregation in Rom.

Selbst bis heute nichts geÀndert

Das Gutachten stellt der katholischen Diözese insgesamt ein schlechtes Zeugnis aus. Auch in jĂŒngster Zeit habe kein "Paradigmenwechsel" mit dem Fokus auf die Betroffenen stattgefunden, sagte Pusch. "Bis in die jĂŒngste Vergangenheit und teils auch heute noch begegnen GeschĂ€digte HĂŒrden."

Kardinal Marx zeigte sich in einer ersten Stellungnahme "erschĂŒttert und beschĂ€mt". GesprĂ€che mit Betroffenen hĂ€tten bei ihm dazu gefĂŒhrt, seine Kirche heute in einem anderen Licht zu sehen: "FĂŒr mich haben die Begegnungen mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs eine Wende bewirkt. Sie haben meine Wahrnehmung der Kirche verĂ€ndert und verĂ€ndern diese auch weiterhin", sagte Marx.

Als heutiger Erzbischof von MĂŒnchen und Freising fĂŒhle er sich "mitverantwortlich fĂŒr die Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten" und bitte "im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung fĂŒr das Leid, das Menschen im Raum der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zugefĂŒgt wurde".

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, warf der katholischen Kirche nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens "kalten Pragmatismus" vor. Auch nach zehn Jahren im Amt habe ihm das Gutachten fast die Sprache verschlagen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Irme Stetter-Karp, die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken - der Vertretung der sogenannten Laien - schrieb in einer Mitteilung: "Auch im Jahr 2022 heißt die bittere RealitĂ€t: Das System der Vertuschung, des Vergessens und der schnellen Vergebung ist nicht aufgebrochen worden."

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