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Gaskrise | Deutschland steht vor einem Horror-Winter: Warum tut die Politik nicht mehr?


Warum tut ihr denn nicht mehr?

  • Marianne Max
Von Marianne Max

Aktualisiert am 12.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister: Mit Tipps und Tricks zum Energiesparen will er die Gaskrise abfedern.
Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister: Mit Tipps und Tricks zum Energiesparen will er die Gaskrise abfedern. (Quelle: Chris Emil Janßen/imago-images-bilder)
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Die Politik warnt lautstark vor einem Horror-Winter, in dem Gas knapp werden könnte. Vor Prävention schreckt sie zurück. Es ist Zeit für mehr Verzicht.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht von einer "Zerreißprobe", von einem "Albtraumszenario" und warnt vor dem "Schlimmsten": Der Grünen-Politiker befürchtet aufgrund der drohenden Gaskrise einen harten Winter. Die Industrie könnte in Schwierigkeiten geraten, Menschen ihre Jobs verlieren – und ja, im Extremfall auch in einer kalten Wohnung sitzen. Entweder, weil Gas zu teuer oder zu knapp ist.

So schrill die politische Kommunikation dazu klingt, auf den Alltag der meisten Menschen wirkt sie sich derzeit kaum aus. Es ist ein Szenario, das sich bei schönstem Sommerwetter für viele Bürger und Bürgerinnen bislang nur am Kassenzettel erahnen lässt. Doch wenn wir eins aus der Corona-Zeit gelernt haben, dann dass Präventionsmaßnahmen am Ende darüber entscheiden, wie groß die Krise schließlich wird. Noch ist Zeit, zu handeln.

Es braucht mehr als nur Duschkopf-Tipps

Schon vor Wochen gab Habecks Ministerium deshalb in einer Kampagne Tipps zum Energiesparen. "Liebe Eis-Fans, danke fürs Gefrierfachabtauen: Das spart bis zu 50 Prozent Energie", hieß es da etwa. Oder: "Liebe Duschfans, ein Energiespar-Duschkopf spart 30 Prozent Energie für Warmwasser." Aber auch: "Liebe Häuslebauer, liebe Hausbesitzerinnen, Solarstrom vom Dach zahlt sich gleich dreifach aus."

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Zwischen der bedrohlichen Tonalität von Habecks "Albtraumszenario" und energiesparenden Duschköpfen liegen Welten. Es sind milde Bitten an den Verbraucher, mit denen der Wirtschaftsminister verzweifelt versucht, die Gasvorräte Deutschlands für den Winter zu bewahren. Doch so richtig es auch sein mag, kälter oder kürzer zu duschen – das kann doch nicht alles sein. Es braucht mehr als nur Duschkopf-Tipps.

Rund ein Viertel des deutschen Energieverbrauchs geht auf private Haushalte zurück. Der große Rest entfällt auf Industrie, Wirtschaft und Verkehr.

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Städte in der Verantwortung

Eine erste Entscheidung wurde in Nürnberg getroffen: Die Stadt geht einen radikalen Schritt. Sie kündigte an, drei ihrer vier Hallenbäder vorerst zu schließen – und damit den nach eigenen Angaben größten Einzelfaktor für den städtischen Energieverbrauch auszuschalten. Durch die Bäderschließung für 72 Tage werde Wärmeenergie für insgesamt 383 Haushalte und Stromenergie für 789 Haushalte gespart, heißt es in einer Pressemitteilung. "Wir müssen uns auf mögliche Einschränkungen der Gasversorgung rechtzeitig vorbereiten", sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König.

Für Leistungssport und Schwimmunterricht stünden nun nur noch ein Hallenbad und die Freibäder zur Verfügung – mit einem Sprung ins kalte Wasser. Während an anderen Orten die Wassertemperatur in den Freibädern lediglich um zwei Grad gesenkt wird, werden die Becken in Nürnberg gar nicht mehr beheizt.

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Andernorts wird Einsparpotenzial etwa bei der Beleuchtung von Gebäuden gesucht. In Augsburg und Ludwigshafen zum Beispiel bleibt sie am Rathaus vorerst aus. Doch einen so radikalen Schritt wie in Nürnberg will niemand wagen.

Warum? Und: Warum hält sich der Wirtschaftsminister in diesem Punkt mit Tipps und Tricks zurück? Angesichts des enormen Schadens, den eine Gasknappheit mindestens in der deutschen Wirtschaft, wenn nicht gar in der Gesellschaft anrichten könnte, sind geschlossene Hallenbäder ein vertretbares Mittel. Sie sind ein verzichtbarer Luxus angesichts einer möglicherweise historischen Notlage. Gerade jetzt müssten alle Gemeinden und Kommunen an einem Strang ziehen.

Lebensmittelverschwendung als Energiekiller

Auch in einem anderen Bereich könnte längst mehr getan werden. Denn während sich die Gaskrise zuspitzt und weltweit wieder deutlich mehr Menschen Hunger leiden, wandern in Deutschland noch immer Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr in den Müllcontainer.

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Von insgesamt elf Millionen Tonnen verschwendeter Lebensmittel gehen fast fünf Millionen auf Handel und Produktion zurück, so berichtet es das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. 84 Prozent dieser Abfälle gelten laut Verbraucherzentrale als vermeidbar.

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Was das mit der Gaskrise zu tun hat? Die Lebensmittelindustrie hat den zweithöchsten Gasverbrauch gleich nach der chemischen Industrie. Verschwenden wir weiterhin Millionen Tonnen von Lebensmitteln, können wir die Pipeline Nord Stream 1 – so sie denn wieder funktionieren sollte – also gleich Richtung Abfallcontainer lenken. Das Ergebnis wäre dasselbe: Das ohnehin knappe Gas wird verschwendet. Das kann niemand wollen.

"Hier ist die Politik gefragt, endlich aktiv zu werden und einen gesetzlichen Rahmen gegen die Lebensmittelverschwendung zu schaffen", sagt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND). Er fordert ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung.

Hallenbäder und Lebensmittelverschwendung stehen exemplarisch für mögliche Einsparpotenziale, wahrscheinlich gibt es viele weitere und einfachere Gelegenheiten. Was es braucht, ist die konsequente Umsetzung vieler verschiedener Ideen – in allen Bereichen. Nicht nur unter der Dusche der Bürger.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • bmel.de: "Lebensmittelabfälle in Deutschland"
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  • Theresa Crysmann
Von Theresa Crysmann
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