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Gaulands Vogelschiss-Vergleich ist menschenverachtend

MEINUNGGaulands Vogelschiss-Vergleich  

Das subtile Spiel mit der Provokation

Von Jan Hollitzer

02.06.2018, 21:28 Uhr
Gaulands Vogelschiss-Vergleich ist menschenverachtend. AfD-Bundessprecher Alexander Gauland auf dem Kongress der Nachwuchsorganisation Junge Alternative (Quelle: dpa/Alexander Prautzsch)

AfD-Bundessprecher Alexander Gauland auf dem Kongress der Nachwuchsorganisation Junge Alternative (Quelle: Alexander Prautzsch/dpa)

Alexander Gauland vergleicht die NS-Zeit mit einem Vogelschiss. Der AfD-Vorsitzende provoziert bewusst. Gefährlicher ist aber eine andere Formulierung.

Die Rollenverteilung von Alexander Gauland und Björn Höcke scheinen zur Perfektion getrieben zu sein. Dort, wo Höcke, gerade erst hat er ein Parteiausschlussverfahren überstanden, vor einem Jahr bereits eine neue Erinnerungskultur in Bezug auf die NS-Zeit forderte, legt Gauland nun nach.

Auf dem Bundeskongress der Nachwuchsorganisation der AfD, Junge Alternative, bekannte er sich zwar zur Verantwortung Deutschlands für die NS-Zeit: "Nur wer sich zur Geschichte bekennt, hat die Kraft, die Zukunft zu gestalten." Und: "Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre." Der Partei- und Fraktionsvorsitzende im Bundestag machte aber auch deutlich, dass das nur ein Teil der deutschen Geschichte sei: "Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre."

Gauland überschreitet eine Grenze

Dann verglich er sie aber perfide: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte."

Dass Politiker von Provokationen Gebrauch machen, um Debatten anzustoßen und Themen zu platzieren, ist nicht neu. Auch der scharfe Ton der AfD nicht, den zugegebenermaßen mittlerweile viele Vertreter des politischen Spektrums adaptieren. Allerdings wurde hier eine Grenze überschritten. Und es muss widersprochen werden, sobald solche Aussagen und Provokationen eine Öffentlichkeit bekommen. Denn sonst bleiben sie unkommentiert im Gedächtnis.

Und das, was Alexander Gauland sagte, ist gefährlich.

Der Vogelschiss-Vergleich, ist eine bewusste Provokation. Aber er ist auch ein Vehikel, um darüber Öffentlichkeit zu generieren, eine Denkweise streuen und diese subtil in das Bewusstsein der Menschen pflanzen zu können.

Der Vogelschiss-Vergleich ist menschenverachtend

Die NS-Diktatur, den Holocaust, den Tod von 50 Millionen Menschen, präzise geplanten Massenmord mit einem Vogelschiss zu vergleichen, ist abscheulich, menschenverachtend und auf das Schlimmste verklärend. Gefährlich wird es aber vor allem dann, wenn mit Aussagen Wahrnehmungen manipuliert werden.

Und das macht Gauland, in dem er euphemistisch von zwölf Jahren in Bezug auf die NS-Zeit spricht. Betrachtet man nur die zeitliche Dimension, sind zwölf Jahre im Verhältnis zur gesamten deutschen Geschichte tatsächlich nur eine kurze Zeit.
Und hier wird es dann richtig gefährlich.

Gaulands Motto: "Es waren ja nur zwölf Jahre."

Politiker versuchen Begriffe zu prägen, um Menschen zu beeinflussen. Wird die NS-Diktatur also nur auf die Zeit von zwölf Jahren reduziert und sei es nur eine Konnotation, könnte dies den psychologischen Effekt haben, dass vor allem junge Generationen auf diese einfache Art der Argumentation zurückgreifen, unvorstellbare Gräueltaten und geschichtliche Tatsachen ausblenden und somit das ganze Thema verharmlosen. Frei nach dem Motto: "Es waren ja nur zwölf Jahre."

Dieses Ad-absurdum-Führen der Erinnerungskultur und der deutschen Vergangenheit durch zugleich plumpe wie filigrane rhetorische Beeinflussung von Menschen gilt es weiterhin zu entlarven.

Deshalb müssen wir auf diese Provokation reagieren und widersprechen. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche 

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