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Die Hitzewelle wird zu einer gefährlichen Bedrohung


Darauf sind wir nicht eingestellt

  • David Schafbuch
Von David Schafbuch

Aktualisiert am 04.08.2022Lesedauer: 6 Min.
Meinung
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Feldbrand in Hedersleben (Sachsen-Anhalt): Aufgrund von Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in vielen deutschen Regionen im Moment hoch.Vergrößern des Bildes
Feldbrand in Hedersleben (Sachsen-Anhalt): Aufgrund von Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in vielen deutschen Regionen im Moment hoch. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-bilder)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

fühlen Sie es auch schon? Ich werde in meiner Wohnung im Moment meistens etwas früher wach, wenn wie heute ein neuer heißer Tag bevorsteht. Aber vielleicht haben Sie mehr Glück und es ist bei Ihnen zu Hause am Morgen noch etwas kühler. Daher hier eine kurze Wetterübersicht für heute:

Abgesehen vom Nordwesten Deutschlands erwarten uns überall Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Marke. Vor allem im Südwesten könnte es fast 40 Grad heiß werden, auch in Berlin werden bis zu 37 Grad erwartet. Die Waldbrandgefahr steigt heute in vielen Regionen auf die höchsten Stufen vier und fünf. Auch die Nacht wird wohl kaum Abkühlung bringen: Vielerorts soll das Thermometer auch in den späten Stunden noch mehr als 20 Grad anzeigen.

Wenn Sie gut durch den heißen Donnerstag kommen wollen, sollten Sie Folgendes beachten: Körperliche Arbeit verrichten Sie möglichst nur am frühen Morgen, wenn es noch einigermaßen erträglich ist. Halten Sie die Fenster geschlossen, wenn die Temperaturen langsam steigen. Dunkeln Sie zudem alle Räume ab, um die Wärme aus dem Haus zu halten. Während der Nachmittagshitze sollten Sie nicht draußen sein, und natürlich am wichtigsten: viel Wasser trinken, nur leichte Mahlzeiten und vor allem kein Alkohol.

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Zugegeben: Neu ist das alles nicht, was ich Ihnen hier erzähle. Vielleicht machen Sie auch gerade Urlaub und sitzen am kühlen Pool. Ein heißer Tag im August mehr oder weniger: Was macht das schon? Schließlich ist es Hochsommer, da wären Kälte und Regen noch schlimmer.

Doch die Auswirkungen der Hitze nehmen inzwischen dramatische Ausmaße an. Seit mehr als einer Woche brennt der Nationalpark Sächsische Schweiz auf rund 500 Hektar. In Brandenburg loderten die Flammen zwischenzeitlich auf etwa 800 Hektar – eine Fläche viermal so groß wie Monaco.

Am Rhein machen sich Unternehmen Sorgen wegen des sinkenden Wasserpegels. Der Wassermangel führt dazu, dass Güterschiffe nicht mehr vollgeladen werden können. In Kaub bei Koblenz ist der Stand so niedrig, dass einige Schiffe nur noch 25 Prozent Fracht aufnehmen.

Womit wir auch beim nächsten Punkt wären: Gerade erst teilte der Bauernverband mit, dass die Weizenernte in diesem Jahr zwischen 10 und 12 Prozent niedriger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen wird. Besonders stark davon betroffen ist der Nordosten – genauso wie bei Waldbränden.

Vielleicht rollen Sie jetzt mit den Augen. Es stimmt schon: Ein heißer Sommer ist noch kein Ausdruck der globalen Erwärmung, Klima und Wetter sind zwei verschiedene Dinge. Das Problem ist nur: Statistiken zeigen, dass es nicht bei dem ein oder anderen heißen Tag bleiben wird. Es wird sie in Zukunft immer häufiger geben – und Deutschland ist nicht darauf eingestellt.

Der Deutsche Wetterdienst hat errechnet, dass es derzeit etwa acht Tage pro Jahr gibt, in denen es wärmer als 30 Grad wird. 1951 gab es im Durchschnitt drei solcher Tage. Setzten wir unseren Ausstoß von Treibhausgasen weiter fort, könnten in den nächsten 30 Jahren je nach Region zwischen fünf und fünfzehn Hitzetage dazukommen.

Das bedeutet nicht, dass wir in Zukunft nur etwas mehr Sonnencreme brauchen werden. Überhaupt sollte die menschengemachte Klimakrise eigentlich Motivation genug sein, die Klimaänderungen zu stoppen – auch wenn die Politik das vielerorts noch immer nicht begriffen hat. Stärkere und häufigere Hitzewellen bedeuten aber auch schon jetzt mehr Tote. Die ungewöhnlich heißen Sommer zwischen 2018 und 2020 führten laut einer Studie des RKI, DWD und des Umweltbundesamtes zu schätzungsweise mehr als 19.000 Hitzetoten. Besonders alte Menschen sind gefährdet, deren Hitze- und Durstempfinden gestört sein kann. Auch vor zwei Monaten verzeichnete das Statistische Bundesamt eine ungewöhnlich hohe Zahl an Toten, während sehr hohe Temperaturen herrschten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sorgt sich um ältere Menschen. Ihr Leben sei in den nächsten Tagen in Gefahr, twitterte er im vergangenen Monat. Doch viel mehr als das kam nicht vonseiten der Bundesregierung: Denn eine nationale Strategie bei hohen Temperaturen – ein sogenannter Hitzeaktionsplan – ist nicht in Sicht. Gesundheits- wie Umweltministerium verweisen bei dem Thema dieser Tage auf die Länder und Kommunen.

Dort scheinen einige aufgewacht zu sein. Städte wie Dresden, Erfurt oder Mannheim haben schon einen eigenen Fahrplan gegen Hitzewellen erarbeitet. Brandenburg könnte als erstes Bundesland ein Notfallkonzept aufstellen.

Heißt umgekehrt: Für den Moment bleiben wir auf uns allein gestellt, wenn wir der Hitze trotzen wollen – womit wir wieder am Anfang dieses Textes wären. Die Entscheider in unseren Städten, Bundesländern oder im Berliner Regierungsviertel dürfen sich nicht länger darum drücken, die Hitze als eine Bedrohung einzustufen. Denn die Folgen tragen die Schwächsten. Die Senioren, die alleingelassen werden, oder die vielen Tausend Obdachlosen in Deutschland, die vergeblich auf Hilfe von einem der wenigen Hitzebusse warten.


Wie bestellt und nicht abgeholt

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Etwas verloren wirkte der Kanzler am gestrigen Tag, als er vor dieser großen Turbine stand. Dabei wollte Olaf Scholz mit seinem Besuch in Mülheim an der Ruhr zeigen, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Maschine nur als Vorwand nutzt, um Deutschland weniger Gas zu liefern. Jederzeit könne die Turbine nach Russland geschickt werden, wenn es denn in Moskau erwünscht sei.

Nun ist es aber weder neu noch überraschend, dass der Kreml Unwahrheiten verbreitet. Schließlich ist die "Militäroperation" Putins in Wahrheit ein Krieg und weder die Nato noch angebliche Nazis in der Ukraine sind der Grund, warum er diesen Überfall angeordnet hat. Zu einem Einlenken Russlands hat der Auftritt des Kanzlers jedenfalls nicht geführt: Gazprom teilte am Abend mit, die Rückführung der Turbine sei aktuell "unmöglich". Die Argumentation diesmal: Die gegen Russland verhängten Sanktionen und angeblich vertragliche Unklarheiten mit Turbinen-Hersteller Siemens Energy.


Ein letztes Mal?

In einer Ehe feiert man nach sechzig Jahren die diamantene Hochzeit – was in der heutigen Zeit wohl immer seltener vorkommt. Aber wie muss es sein, sechzig Jahre in der gleichen Band zu spielen? Das wissen wohl nur Mick Jagger und Keith Richards: Gestern feierten sie mit den Rolling Stones den Abschluss ihrer Europatour "Sixty" auf der Berliner Waldbühne, nachdem sie die Band 1962 gegründet hatten.

Anders als bei ihrem ersten Auftritt 1965 auf der Bühne lief es aber deutlich geordneter ab. Damals zertrümmerten ihre Fans Bänke und randalierten in der S-Bahn. "Das war schon ungewöhnlich, dass eine ganze Bühne zerkloppt wurde", sagte zuletzt Reporter-Legende und Stones-Fan Ulli Zelle t-online, der das Konzert miterlebt hat. Dass der Auftritt der letzte der Stones war, ist schwer vorstellbar.


Was steht an?

Flüssiggas oder zurück zur Kernkraft? Wie macht sich Deutschland unabhängiger von russischer Energie? Heute startet dazu in Wilhelmshaven der Bau einer Leitung, mit der in Zukunft das erste LNG-Terminal ans Netz angeschlossen werden soll. Die Union wirbt zusätzlich dafür, die verbliebenen Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Die Parteichefs Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) besuchen wohl auch deshalb heute zusammen das Kernkraftwerk Isar 2 in Landshut.

Konservative unter sich: Auf der "Conservative Political Action Conference" (kurz: CPAC) kommen bis zum Sonntag in Dallas führende Köpfe aus dem rechten Spektrum zusammen. Die Rede von Ex-US-Präsident Donald Trump wird für Samstag erwartet, daneben soll auch sein ehemaliger Berater Steve Bannon zu Gast sein. Den Anfang macht heute Abend allerdings ein Gast aus Europa: der ungarische Premier Viktor Orbán.

Atomgespräche laufen wieder an: Lange passierte nichts, nun werden in Wien die Gespräche über ein neues Atomabkommen mit dem Iran wieder fortgesetzt. In der Zwischenzeit soll das Land dem Bau einer Atombombe nähergekommen sein. Selbst wenn eine Lösung gefunden wird: Sollte der nächste US-Präsident wieder Donald Trump heißen, dürfte jedes Abkommen wohl schnell wieder aufgekündigt werden.


Was lesen?

Nach monatelangem Streit hat die Ampelregierung neue Corona-Regeln festgelegt. Das Ergebnis überrascht zum Teil positiv – hat aber zwei große Defizite, wie meine Kollegin Annika Leister hier erklärt.


Der Mittelmeerraum ist besonders stark von der Klimakrise betroffen: Hitzerekorde, Waldbrände und hohe Meerestemperaturen treffen auch den Tourismus. Klimaexpertin Michaela Koschak erklärt in ihrer Videokolumne, was das zukünftig für den Sommerurlaub bedeutet.


Der Countdown läuft: nur noch ein Tag bis zum Start der neuen Bundesligasaison. Für Bayer Leverkusen bedeutet das eine neue Ära. Klublegende Rudi Völler hat nach zwei Jahrzehnten als Manager an Simon Rolfes übergeben. Der 40-Jährige sprüht vor Tatendrang – und lässt sich von Coca-Cola-CEOs und aus München inspirieren, wie er meinem Kollegen Alexander Kohne im Interview verraten hat.


Was amüsiert mich?

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag und vor allem einen kühlen Kopf. Morgen lesen Sie an dieser Stelle dann von meinem Kollegen Tim Kummert.

Ihr

David Schafbuch
Redakteur Politik und Panorama
Twitter @Schubfach

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Mit Material von dpa.

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