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Unicef Deutschland reagiert auf Ampel-Pläne: "Wir sind sehr besorgt"


Hilfen für Kinder
Unicef reagiert auf Ampel-Pläne: "Wir sind sehr besorgt"

InterviewVon Amir Selim

Aktualisiert am 06.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Kinder stehen im Gazastreifen für etwas Essen an (Archivbild): Experten warnen vor einer Hungersnot in dem Gebiet.Vergrößern des Bildes
Kinder stehen im Gazastreifen für etwas Essen an (Archivbild): Nicht nur dort ist die humanitäre Lage für Kinder angespannt. (Quelle: MOHAMMED SALEM/reuters)

Ukraine, Gaza, Südsudan: Krisen weltweit treffen oft die Jüngsten am härtesten. Kürzungen im Bundeshaushalt schmälern die Hilfe für Kinder zusätzlich.

Es ist keine einfache Zeit für Organisationen wie das Kinderhilfswerk Unicef. Neben zahlreichen Krisen weltweit erschweren nun auch noch Kürzungen des deutschen Bundeshaushalts ihre Arbeit. Einige Hilfsorganisationen müssen sich deshalb stark einschränken.

Die Klimakrise verschärft die Situation in den Konflikt- und Krisenregionen zusätzlich. Vor diesem Hintergrund erscheint die Arbeit von Hilfsorganisationen notwendiger denn je. Im Interview spricht der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, über die aktuellen Herausforderungen für seine Kinderhilfsorganisation.

t-online: Herr Schneider, es mangelt weltweit nicht an Krisen. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Christian Schneider: Das Jahr 2023 war eines der düstersten für die humanitäre Lage der Kinder weltweit. Um die Kinderrechte steht es ähnlich schlecht. Die Herausforderungen für Unicef messen sich an den Herausforderungen für die Kinder weltweit. Zum Jahresbeginn ist die Situation in Kriegs- und Krisengebieten wie der Ukraine, dem Sudan oder in Gaza am schlimmsten. Eine ganze Reihe an komplexen Krisen bedroht derzeit bereits Millionen von Kindern auf der ganzen Welt. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte weiter zunehmen werden.

Gibt es Krisen- oder Konfliktregionen, in denen sich die Situation verbessert hat?

Nein, wir können auch kein Kapitel schließen, sondern sind weiter für Kinder in seit langer Zeit bestehenden Notsituationen im Einsatz. Unter schwierigsten Bedingungen helfen wir in Ländern wie Syrien oder Afghanistan. Die humanitäre Hilfe ist aber nur ein Teil der Aufgaben von Unicef. In sehr vielen Ländern haben wir ebenso lebenswichtige, langfristig angelegte Einsätze für Kinder.

Wie sehen diese Einsätze aus?

Es geht dabei darum, die Kindersterblichkeit zu senken. Mit Impfkampagnen kämpfen wir außerdem weltweit gegen gefährliche Krankheiten bei Kindern – wie zum Beispiel Malaria. Mit Bildungseinsätzen versuchen wir, Kindern eine möglichst selbstbestimmte Zukunft zu geben.

Kriege und Konflikte sind das eine. Wie wirken sich die Folgen der Klimakrise auf die Situation von Kindern aus?

Die Klimakrise ist ja eine Bedrohung weltweit. Das ist kein vages Zukunftsszenario. In Mosambik und anderen Ländern sehen wir eine rasante Zunahme von Wirbelstürmen. Küstengebiete, wie zuletzt in Bangladesch, sind von immer größeren Überschwemmungen betroffen. Extreme Dürresituationen in Kombination mit Starkregenereignissen treffen vor allem Bevölkerungen in extremer Armut, wie etwa in Madagaskar oder Südsudan. Und das sind nur die herausragendsten Beispiele.

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Quelle: Glomex

Wie viele Kinder sind davon betroffen?

Über eine Milliarde Kinder leben in Ländern oder Regionen, die extremen Folgen der Klimakrise ausgesetzt sind. Das zeigen die Aufzeichnungen unserer Organisation – leider sind diese Zahlen viel zu wenig bekannt. Etwa jedes zweite Kind wächst in einer Situation auf, in der es jederzeit von einer dieser Gefahren – Fluten, Überschwemmungen, Dürre oder andere Naturkatastrophen – getroffen werden könnte. Durch die Folgen der Klimakrise begeben sich immer mehr Familien mit Kindern auf die Flucht – derzeit sind das rund 43 Millionen Kinder. Wir müssen uns vor Augen halten, dass diese Zahl in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Unicef stellt sich deshalb bereits jetzt darauf ein, noch mehr Kinder in diesen schwierigen Situationen zu begleiten.

Christian Schneider
Christian Schneider (Quelle: UNICEF/UN0606712/Etges)

Zur Person

Christian Schneider ist seit 2010 Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Bei dem Kinderhilfswerk arbeitet er seit 1998. Davor studierte er Ethnologie, Politikwissenschaften und Publizistik. Er war als Redakteur für die "Westfälischen Nachrichten" in Münster tätig. Schneider ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wie reagieren Sie als Organisation darauf?

Es ist sehr wichtig, dass wir in allen Ländern, auf die diese Risiken zutreffen, mit Hochdruck unsere Programme so umstellen, damit wir diese Familien und Kinder besser vorbereiten und die Lebensbedingungen direkt in den Heimatländern sichern. Wir müssen zum Beispiel Schulen, Gesundheitsstationen und andere Einrichtungen für Kinder an Orten errichten, die vor Überschwemmungen sicher sind. Außerdem müssen wir nachhaltige Technologien nutzen, um die Versorgung mit Trinkwasser zu verbessern. So entwickeln wir etwa in Äthiopien unsere Brunnenbohrtechnologie weiter. Und unsere Ingenieure arbeiten daran, Wasserreservoire mit neuen Untersuchungsmethoden zu erschließen und diese nachhaltig nutzbar zu machen.

Was bedeuten angesichts dieser Herausforderungen die angekündigten Kürzungen der Bundesregierung im Bereich der Entwicklungshilfe?

Ganz konkret wissen wir das noch nicht. Aber wir sind sehr besorgt. Sowohl der humanitäre als auch der Entwicklungsbereich könnten betroffen sein. Dabei zählt die Bundesregierung seit vielen Jahren zu den wichtigsten Unterstützern von Unicef. Deutschland hat in vielen Bereichen große Verantwortung übernommen, sei es für Kinder in Konfliktgebieten, als auch für Kinder auf der Flucht. Daher unser dringender Appell: Die Arbeit muss mindestens auf dem bisherigen Niveau weitergeführt werden können.

Wissen Sie schon, wo Sie konkret Geld und Mittel verlieren?

Es ist noch zu früh, um Einschätzungen für einzelne Projekte abgeben zu können. Aber eins ist klar – der Bedarf ist hoch. Allein im Sudan, weit weg von der deutschen Öffentlichkeit, benötigen 14 Millionen Kinder humanitäre Hilfe. Also so viele Kinder wie in Deutschland insgesamt leben. Allein hier liegt der geschätzte Bedarf bei 840 Millionen Dollar. Die Summe ist groß, doch sie
steht für lebensnotwendige Hilfe. Bei Projekten in Afghanistan, Südsudan oder
Jemen bewegen wir uns in einer ähnlichen Größenordnung. Ohne die Unterstützung der Bundesregierung können wir diesen Menschen nicht helfen.

2023 war ein besonders düsteres Jahr, haben Sie vorhin gesagt. Wie schauen Sie angesichts dessen auf 2024?

Wer bei Unicef arbeitet, muss immer ein Optimist sein. Das bin ich persönlich durch und durch. Deswegen blicke ich auf 2024 als ein Jahr, das ein gutes für Kinder und ihre Rechte werden muss. Wir müssen die Bedürfnisse und die große Not von Kindern nach vorne stellen.

Verwendete Quellen
  • Videotelefonat mit Christian Schneider
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