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Unwetter: Mega-Blitz in Baden-Württemberg stellt neuen Rekord auf

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Zu stark für Messgeräte  

Mega-Blitz in Schwaben stellt neuen Rekord auf

Von Lars Wienand

08.06.2018, 07:52 Uhr
Unwetter: Mega-Blitz in Baden-Württemberg stellt neuen Rekord auf. Ein Blitz schlägt aus düsteren Wolken ein. Auf der Schwäbischen Alb wurde ein Blitz mit Rekordwert registriert (Symboldfoto). (Quelle: Reuters/Gene Blevins)

Ein Blitz schlägt aus düsteren Wolken ein. Auf der Schwäbischen Alb wurde ein Blitz mit Rekordwert registriert (Symboldfoto). (Quelle: Gene Blevins/Reuters)

Ein Dorf auf der Schwäbischen Alb hält seit Mittwoch einen inoffiziellen Rekord. Dort ging der bisher stärkste bekannte Blitz Deutschlands nieder. Nur: Für verlässliche Messungen war er zu stark.

Die Bühne für das spektakuläre Ereignis ist denkbar unspektakulär: Es war ein Feld nördlich der letzten Häuser des Örtchens Dürrenstetten, auf dem um 20.35.51 Uhr der bislang stärkste Blitz in Deutschland gemessen wurde. 685.000 Ampere gab BLIDS an, der Blitzinformationsdienst von Siemens mit einem europaweiten Messnetz. Doch dessen Experte Stephan Thern hält den Wert für ausgeschlossen. 

Zum Vergleich: Im Haushalt fließen in der Regel Ströme zwischen einigen Milliampere und 10 bis 15 Ampere, Hochspannungsleitungen führen einige hundert Ampere – und die jährlich rund eine Million Blitze in Deutschland sind im Mittel 15.000 bis 20.000 Ampere stark, also 15 bis 20 Kilo-Ampere (kA). Der Mega-Blitz von der Schwäbischen Alb wäre mehr als 30 Mal so stark gewesen. Das war auch dem Team von Meteorologe Jörg Kachelmann aufgefallen: 

Kachelmann hatte im vergangenen Sommer auch eine Übersicht mit den "stärksten Mega-Blitzen der vergangenen Jahre" erstellt. Der bisher stärkste war mit 480.000 Ampere verzeichnet. Doch auch diesen Wert hält BLIDS-Experte Stephan Thern für nicht realistisch. "In der Wissenschaft geht man davon aus, dass Blitze nicht stärker als 350.000 bis 400.000 Ampere werden", sagte Thern zu t-online.de.

Nach drei Jahren Beschäftigung mit dem Thema hat auch die deutsche Reaktor-Sicherheitskommission 2016 ihre Berechnungen offengelegt: Ein Prozentsatz der Blitze würde damit 200.000 Ampere stark oder stärker werden – die natürliche realistische Obergrenze in gemäßigten Breiten liege allerdings bei 300.000 Ampere.

Blitzstärke wird aus elektromagnetischen Feldern errechnet

Das Problem der seltenen Mega-Blitze ist, dass es nicht ausreichend verlässliche direkte Messwerte von Einschlägen gibt. Damit fehlen auch Referenzwerte, um Berechnungen zur Stärke anzupassen. Wenn ein Blitz nicht direkt in eine Messstelle einschlägt, kann über die Veränderung elektromagnetischer Felder die Stärke hochgerechnet werden.

Jeder Blitz irgendwo in Deutschland wird von bis zu 30 Antennen registriert. Anhand der verschiedenen Daten kann der Einschlagsort auf 50 Meter genau bestimmt werden: In diesem Fall das Feld zwischen Ulm und Reutlingen bei Dürrenstetten, 85-Einwohner-Stadtteil von Münsingen.

Die Stärke wird automatisiert aus der Feldstärke mit einer komplizierten Formel hochgerechnet. Ein Faktor dabei ist die Fließgeschwindigkeit des Stroms bei der Hauptentladung. Die kann bei einem Drittel der Lichtgeschwindigkeit liegen, der Strom kann aber auch Zweidrittel der Lichtgeschwindigkeit erreichen – abhängig etwa von der Luftfeuchtigkeit.

Für die Berechnung wird die halbe Lichtgeschwindigkeit angenommen, die im Mittel auch stimmt. Experten gehen davon aus, dass die Formel jedoch einen Wert ergeben kann, der auch halb oder doppelt so stark ist wie der reale.

Für normale Blitze gibt es verlässliche Vergleichswerte. Für die Mega-Blitze existieren sie nicht, sie sind mit den heutigen Erkenntnissen zu stark für die exakte Bestimmung durch das System. BLIDS führt deshalb auch keine Liste der stärksten Blitzen.

Der Blitz von der Schwäbischen Alb dürfte nur halb so stark gewesen sein. Auch mit einem echten Wert von 300.000 Ampere wäre er wohl noch immer das größte Energiebündel unter den Blitzen in Deutschland. Das Gegenteil kann ihm keiner beweisen.

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