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FĂŒnf Jahre Haft nach illegalem Rennen

Von dpa
Aktualisiert am 22.11.2019Lesedauer: 3 Min.
Ein Holzkreuz steht bei Achslach an der Stelle, an der die MĂ€nner bei einem Rennen den Tod eines weiteren Autofahrers verursacht haben sollen.
Ein Holzkreuz steht bei Achslach an der Stelle, an der die MĂ€nner bei einem Rennen den Tod eines weiteren Autofahrers verursacht haben sollen. (Quelle: Armin Weigel/dpa./dpa)
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Deggendorf (dpa) - Zwei MĂ€nner verabreden sich im Bayerischen Wald zu einer Verfolgungsfahrt zwischen Motorrad und Sportwagen. Die kurvenreiche Strecke ist bei Rasern bekannt und beliebt. An jenem Abend im Juli 2018 gerĂ€t die Situation außer Kontrolle.

Der 28-jĂ€hrige Autofahrer prallt mit seinem roten Audi TT RS gegen einen entgegenkommenden Oldtimer-Opel. Dessen Fahrer ist sofort tot, sein kleiner Sohn lebensgefĂ€hrlich verletzt und seither schwerbehindert. Vor dem Landgericht Deggendorf sind die MĂ€nner zu jeweils einer fĂŒnfjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt worden.

Regungslos hören sich die Angeklagten die UrteilsverkĂŒndung an. Der jĂŒngere - ein Bundespolizist - verliert zudem seine bisherige berufliche Existenz. In keinem Vergleich dazu stĂŒnden die Folgen der Raserei fĂŒr die Familie der Opfer, das betonen auch die Verteidiger der beiden Angeklagten in ihren PlĂ€doyers. Der Richter spricht von "unendlichem Leid", das der Unfall fĂŒr die Familie bedeute. Er legt den MĂ€nnern Teilnahme an einem unerlaubten Fahrzeugrennen mit Todesfolge und schwerer GesundheitsschĂ€digung sowie fahrlĂ€ssige Körperverletzung zur Last, dem Motorradfahrer zudem Unfallflucht.

Als der 28-JĂ€hrige die Kontrolle ĂŒber seinen Audi verlor, war er einem SachverstĂ€ndigen zufolge wohl mit 120 Stundenkilometern unterwegs. Die Kurve ist den Berechnungen des Experten zufolge mit maximal Tempo 105 beherrschbar zu durchfahren. Der Vorsitzende Richter bilanziert, die beiden MĂ€nner hĂ€tten die physikalischen Grenzen ausgereizt. "Zwei rennbegeisterte Personen haben ihren Geschwindigkeitswahn ausgelebt." Der 38-jĂ€hrige Oldtimerfahrer habe keine Chance gehabt, den Zusammenstoß mit dem Audi zu verhindern.

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Die Witwe des Mannes verfolgt den Prozess als NebenklĂ€gerin. Als der Staatsanwalt die zahlreichen, massiven und "nicht ĂŒberlebbaren" Verletzungen aufzĂ€hlt, die ihr Mann erlitt, kommen der Frau TrĂ€nen. Ihr Sohn, der bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz saß, mehrere KnochenbrĂŒche und eine Verletzung am Stammhirn davontrug, leidet bis heute unter den Folgen. Gehen, Sprechen, Essen und Trinken musste er neu lernen, auf einem Auge ist er nahezu blind, ein Arm gelĂ€hmt, ein Bein geschient. Er besucht nun eine Förderschule, absolviert tĂ€glich ein straffes Rehaprogramm. Der ZehnjĂ€hrige hat als Zeuge ausgesagt und mit seinem tapferen Auftreten die Zuschauer beeindruckt.

Nach Ansicht von Staatsanwalt und Nebenklage-Anwalt haben die beiden Angeklagten emotionslos auf die Aussage des Kindes reagiert und generell zu wenig Schuldeinsicht gezeigt. Positiv werten sie, dass die MĂ€nner im Rahmen eines TĂ€ter-Opfer-Ausgleiches 31.000 und 25.000 Euro an die Opferfamilie gezahlt haben. Zudem schrieb der Autofahrer nach dem Unfall Kondolenzbriefe. In ihren letzten Worten vor der UrteilsverkĂŒndung beteuern sie, dass ihnen das Geschehen leid tue.

Erschwerend wertet das Gericht beim Motorradfahrer, dass dieser die UnglĂŒcksstelle verlassen habe, ohne sich um die Opfer zu kĂŒmmern - und das, obwohl er von anderen Ersthelfern explizit darum gebeten worden sei. Zu Hause habe er sich Straßenkleidung angezogen. Danach kehrte er mit dem Auto zur Unfallstelle zurĂŒck.

Der Richter kritisiert, dass die Strecke als Raserstrecke bekannt sei. Auch der Motorradfahrer sei mit seiner gelben, hochmotorisierten Maschine als Raser bekannt gewesen. Zeugen hĂ€tten sinngemĂ€ĂŸ gesagt, dass man sich unter Nachbarn nunmal nicht anzeige, solange nichts passiere. "Wir brauchen mehr Zivilcourage", fordert der Richter.

Zuletzt sorgten in Deutschland mehrere Raser-UnfĂ€lle fĂŒr Aufsehen. Freitag vergangene Woche starb in MĂŒnchen ein 14-JĂ€hriger, als er von einem Raser an einer Ampel gerammt wurde. Vor zwei Wochen hatte das Landgericht Stuttgart gegen einen 21-JĂ€hrigen fĂŒnf Jahre Jugendstrafe verhĂ€ngt unter anderem wegen eines verbotenen Rennens mit Todesfolge. In Darmstadt hatten die Richter in einem Raser-Prozess die Tat auch als Mord gewertet. Das Landgericht verurteilte den 19 Jahre alten Fahrer zu sechs Jahren und vier Monaten Jugendstrafe.

Den fĂŒr Mord erforderlichen Tatvorsatz sah der Richter im aktuellen Fall ausdrĂŒcklich nicht. Die MĂ€nner hĂ€tten niemanden töten wollen.

Das deutschlandweit erste Mordurteil wegen einer Raserfahrt hat der Bundesgerichtshof im Februar 2017 kassiert. Die Richter sahen den bedingten Tötungsvorsatz bei den beiden Angeklagten nach einem tödlichen Autorennen in der Berliner Innenstadt nicht ausreichend belegt. Im neu aufgerollten Prozess wurden die MÀnner im MÀrz erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Entscheidung ist - ebenso wie das Urteil in Deggendorf - noch nicht rechtskrÀftig.

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